Spielbesprechung
Man freut sich gerade auf einen netten Spieleabend zu
zweit, und dann zwängt sich die Mafia an den Spieltisch!
Denn inzwischen, nachdem sie von den Erfolgen von
"Bohnanza" Wind bekommen hat, wittert die Mafia
auch in der Bohnenbranche ein heißes Geschäft.
Für die Spieler heißt es nun nicht nur, dem
Mitspieler die Bohne vom Teller zu klauen, sondern sich diese
nicht gleich wieder von der ehrenwerten Bohnengesellschaft
abjagen zu lassen.
Wer sich mit der Bohnenmafia anlegen will, der sollte am besten Erfahrungen mit dem Vorbild "Bohnanza" gesammelt haben, denn der Großteil der Regeln ist von daher bekannt. Es gibt wieder - in diesem Fall sieben - verschiedenen Bohnensorten unterschiedlicher Anzahl, die auf zwei eigenen Bohnenfeldern angebaut werden sollen und die, wenn man genug hat, in Bohnentaler, sprich Siegpunkte, verwandelt werden. Ebenso darf, wie beim Vorbild, nicht die Reihenfolge der Handkarten verändert werden.
Ein Schnelldurchlauf durch die bekannten Mechanismen: Man
muss die vorderste Karte aus der Hand ausspielen, sprich die
darauf abgebildete Bohnensorte anbauen. Befindet sich die
Sorte nicht auf einem der eigenen Felder, so muss
zunächst eines freigemacht werden. Anschließend
werden Bohnen vom Stapel offen aufgedeckt - wie viele
kommt noch -, die der Spieler anbauen kann, diesmal
aber nicht notwendigerweise anbauen muss.
Verbleibende Bohnen
können später vom Mitspieler verwertet werden,
müssen aber nicht. Abschließend werden neue
Handkarten gezogen und hinten angesteckt.
Neben den Spielern bauen noch zwei Mafiosi Bohnen an, jeweils auf einem Feld. Diese fordern zunächst Bohnentribut vom Spieler, wenn dieser die gleiche Sorte anbauen sollte wie die Mafia. Die Mafiosi lösen immer dann ihre Felder auf, wenn diese zwei bzw. drei Bohnentaler wert sind. Das Geld geht, wie in der guten alten Mafia-WG, in die gemeinsame Kasse.
Ein großer Unterschied zu "Bohnanza" ist
die Phase, in der die Karten offen aufgedeckt werden. Dies
sind normalerweise drei - kennen wir ja noch. Doch ist
unter den Karten eine Bohne, die ein Mafiaboss sammelt, so
bekommt er diese sofort und es wird eine neue Karte gezogen
- wenn wieder im Mafiabesitz, siehe oben. Und dann wird
noch ein Blick auf den offenen Ablagestapel geworfen: Stimmt
die oberste Karte mit einer der offen aufgedeckten Karten
überein, so wird die Karte vom Ablagestapel wieder
zurück auf den Tisch zur offenen Karte gelegt.
Auch dies
wiederholt sich so lange, bis die oberste Ablagekarte nicht
gleich einer der offenen Karten ist.
Nach dieser etwas mühseligen Prozedur, bei der man in den ersten Partien bestimmt immer mal wieder was vergisst, liegen also drei Stapel auf dem Tisch, die zum Teil einen ordentlichen Wert, sprich viele Karten, darstellen können. Der Spieler kann sich nun entscheiden, ob er die Stapel aufnimmt und dafür andere Sammlungen abbaut. Insgesamt können so, wenn erst immer mehr Karten in der Ablage liegen, schnell viele Taler fließen.
Nachdem der Anbau erfolgt ist, darf man noch Karten der Mafia schenken - nicht dem Mitspieler. Dies muss man sogar machen, wenn während des eigenen Zuges ein Mafiaboss sein Feld bei Überschreitung des von ihm angestrebten Wertes aufgelöst hat.
Das Spiel endet, wenn der Nachziehstapel zum dritten Mal
durchgespielt ist. Gewinner ist, wer die meisten Bohnentaler
eingesammelt hat - was auch die Mafia sein kann!
Ach ja, ich vergaß die Solitaire-Variante. Diese spielt sich recht ähnlich wie das Zwei-Personenspiel, nur kommt nun noch ein Mafiosi mit seinem Feld hinzu, der bereits beim Wert von einem Taler seine Bohnen zu Talern macht. Da hier kein Mitspieler die verbleibenden offenen Bohnen verwerten kann, muss der Solospieler zudem alle offenen Bohnenstapel verwerten und dafür möglicherweise andere Felder abbrechen.
Und wie gefällt "Al Cabohne"? Für eingefleischte Bohnenliebhaber, die auch ohne die vertraute Bohnenanbautruppe ihrer Bohnenleidenschaft im kleinen Kreis frönen wollen, kommt "Al Cabohne" wie gerufen. Wer dagegen für den anstehenden Urlaub mal eben ein schnelles Zwei-Personenspiel sucht und noch keine Berührung mit "Bohnanza" hatte, der sollte sich auf einen gewöhnungsbedürftigen Mechanismus gefasst machen, der sich nicht unbedingt nach dem ersten - und zweiten, und dritten - Regelstudium voll erschließt. Hier gilt es, sich per try and error dem Spiel zu nähern - was mir allerdings auch bei "Bohnanza" so ergangen ist. Insgesamt hat "Al Cabohne" aber noch mehr Details, auf die man achten muss. Insgesamt ein zweigeteiltes Urteil - plus für Bohne, na ja für Liebhaber anderer Spielgerichte.
Al Cabohne von Uwe Rosenberg, ein oder zwei Spieler ab 12 Jahren, 60 Minuten, Amigo (2000), ca. DM 12,-
Dr. Arne Claussen