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Spielbesprechung

Auf den Spuren von Marco Polo

Wenn Langeweile auf Reisen geht


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"Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erleben!" - wer kennt nicht diese Weisheit, die sich schon mancher Reiseveranstalter auf die Fahnen geschrieben hat. Nun, das kann nicht immer so gewesen sein, zumindest wenn es Reiner Knizia gelungen sein sollte, die Atmosphäre der Reisen Marco Polos in seinem nach dem großen Handlungsreisenden und Entdecker benannten Spiel richtig einzufangen. Denn, das Gähnen am Spieltisch und die traurigen Blicke der Mitspieler, die von der Hoffnung zeugen "… wann ist es endlich vorbei …", sprechen Bände über die Spannung, die uns bei Knizias Karawanenreise gen Osten erwarten: Keine! Keine wilden Tiere, keine mordlüsternden Räuber, keine Sandstürme - nur der stumpfe Trott, ein Kamelfuß nach dem anderen …

Allein bei der Beschreibung des Spielgeschehens muss ich schon aufpassen, dass der werte Leser nicht in sanften Schlummer fällt. Ich fasse mich kurz.

Es geht darum, auf der Reise über zwei Etappen von der Hafenstadt Hormus über die Zwischenetappe Kantshou ins mongolisch beherrschte Daidu das meiste Gold einzusammeln - was am besten dadurch gelingt, dass man die Etappenziele als erster erreicht.

Um von seinem Feld zum nächsten freien Feld zu gelangen, muss man eine bestimmte Zahl und Kombination von Karten abgeben, die auf dem Zielfeld abgebildet ist. Stehen vor einem noch die Spielsteine anderer Reisender, so springt man über alle diese hinweg; z.T. also schon eine gute Strecke weit. Hat man keine passenden Karten, so bleibt man halt stehen.

Kartensorten gibt es derer vier - die Handelswaren darstellen - plus Karawanenführerkarten, und alles jeweils noch in fünf Farben. Am Anfang sind die geforderten Kartenkombinationen noch einfach, je weiter man kommt, desto mehr Karten in verschiedenen Kombinationen sind zu legen - etwa Karten aller fünf Farben, oder alle vier Warensorten, oder vier gleiche Warensorten. Natürlich wechselt die geforderte Kombination von Feld zu Feld, so dass man nicht viel vorausplanen kann, denn bestimmt steht ein Mitspieler gerade dann auf dem erhofften Feld, für welches ich gerade gesammelt habe.

Egal, ob ich vorwärts gezogen bin oder nicht, auf jeden Fall gibt es eine neue Karte, entweder aus einer offenen Auslage oder vom verdeckten Stapel.

Wenn man den Anschluss an die Hauptkolonne verloren hat, dann wird es schwieriger, weil man nicht mehr durch Überspringen größere Strecken zurücklegen kann. Dann heißt es, jedes Feld einzeln zu gehen. Oder, hier hat der Autor den "Taxidienst" eingefügt: Einmal pro Runde darf man "Goldballast" abwerfen und dafür die Figur auf das nächste freie Feld setzen; nur der Führende darf die Aktion nicht nutzen. Aber Vorsicht: Gold braucht man nicht nur für das "Taxi", sondern ja auch für den Spielsieg!

Woher gibt es Gold? Ein bisschen Bares hat man gleich zu Spielbeginn, etwas liegt auf dem Weg herum (für denjenigen, der zuerst bestimmte Felder betritt), den größten Batzen gibt es aber beim Erreichen des Zwischen- und des Endziels. Hier gilt: Wer zuerst kommt, der bekommt am meisten.
 

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Produktfoto

Das war's. Kein Handel auf dem Weg zwischen den Spielern, um die gerade mal benötigten Karten zu kommen; obwohl ein Handelselement doch gut zum Thema gepasst hätte. Einfach nur gucken, was für eine Kartenkombination man aktuell braucht; Vorausplanung ist ja kaum möglich, denn zu viel verändert sich durch den Treck der Mitspieler, und damit die Anforderung für das gerade angestrebte Zielfeld.

Was gibt es positives zu berichten? Nun, die Partie geht mit 45 Minuten noch recht schnell vorbei; die Spielsteine (Mann mit Kamel) und der Spielplan sind hübsch, und die Goldkisten kann man bestimmt auch noch mal für ein anderes Spiel verwenden.

Nach meiner ersten Partie sagte einer der Mitspieler - nicht ohne eine gewisse Abneigung in der Stimme -: "Das ist ja ein Familienspiel!" Und unter der Kategorie firmiert "Marco Polo" ja wohl auch. Gleich dazu gesagt: Meine Familie empfand das Spiel als genauso langweilig wie auch meine anderen Spielrunden.

Lieber Herr Knizia, liebe Firma Ravensburger, lassen Sie sich die Frage gefallen: Braucht die Welt dieses Spiel? Oder: Warum holt ein erfahrener Autor nicht mehr aus einem so reizvollen Thema heraus? Oder, und hier breche ich eine Lanze für die Familienspiele: Muss ein Familienspiel ein Synonym sein für Langeweile, lieblose Mechanismen, Belanglosigkeit? Nein, muss es nicht, und sollte es auch nicht; hier liefern andere Verlage, und natürlich auch Ravensburger selbst, gute Gegenbeispiele.

Man sollte sich hüten, auf Familienspiele nicht das gleiche Engagement und die gleiche Sorgfalt zu verwenden wie für ein Spiel für den "anspruchsvollen" Spielermarkt. Denn mit Familienspielen erreicht man vor allem die Einsteiger, und gerade auch die Kinder; sollte man die mit Langeweile gleich wieder vom Spieltisch vertreiben - ich glaube nicht!

Arne Claussen

Autor: Reiner Knizia
Verlag: Ravensburger
Preis: ca. 20 Euro
Spieler: 2-5
Alter: 8 Jahre
Dauer: 30-45 Minuten

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Weitere Infos über "Auf den Spuren von Marco Polo":
despielbox.de deLuding enBoardgameGeek
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Ralph Obkircher <ralph_obkircher@hotmail.com> 12.10.2004 19:27:

Bei meinen Mitspielern ist AUF DEN SPUREN VON MARCO POLO immer sehr gut angekommen und einige haben sich auch schon nach der ersten Runde zum Kauf des Spiels entschieden. Ich gebe zu, dass auch ich mir nach dem Regelstudium erst mal dachte: "Und das war's?". Aber sobald man das Spiel spielt, merkt man schnell, dass es über 45 Minuten für ständige Spannung sorgt. Ich denke, man kann druchwegs vorausplanen, indem man Karten sammelt, die möglichst viele geforderte Kombinationen zulassen. Auch die Möglichkeit, mit Goldkisten wieder aufzuholen, gibt dem abgeschlagenen Spieler eine Chance.
In meinen Spielrunden ist MARCO POLO ein sehr beliebtes Spiel für Zwischendurch. Es ist wirklich sehr spannend und für mich eines der besten, einfacheren Spiele des Jahrganges 2003.


Arne Claussen <claussen@kmwsspielplatz.de> 13.10.2004 16:56:

Ich möchte doch kurz auf die Anmerkung von Ralph Obkircher zu meiner Rezension von "... Marco Polo" antworten, und dabei meine Einschätzung des Spiels unterstreichen (die übrigens nicht nur aus dem Regelstudium erwachsen ist, sondern auf einigen Partien beruht, ..., soviel ich meinen Mitspielern eben zumuten konnte).
Zum einen zur Planbarkeit: Es gibt nach meiner Erfahrung keine Kartensorte, die sich so von den anderen abhebt, dass man sie gezielt vor den anderen sammeln sollte. Entsprechend kann man gerade nicht vorausplanen, sondern sammelt auf das gerade aktuelle Zielfeld (bzw. dessen Kartenforderung) hin, welches sich aber durch die Züge der Mitspieler schon bei meinem nächsten Zug ganz anders aussehen kann. Dann habe ich halt Karten auf der Hand, die ich vielleicht mal später einsetzen kann, vielleicht habe ich aber auch einige Runden schlichtweg umsonst gesammelt. Hier wäre übrigens eine Handelsvariante mit den Mitspielern eine Bereicherung, um nicht mehr benötigte Karten für andere einzutauschen, die mir weiterhelfen.
Die Möglichkeit, über die Bezahlung von einer Goldkiste pro Feld (was nur einmal pro Zug möglich ist) voranzukommen, erlaubt es vielleicht, den Anschluss an das weggelaufene Führungsfeld wiederzubekommen, das kann aber teuer werden. Vor allem muss man dabei bedenken, dass Gold gleichzeitig auch die Siegpunkte sind, die ich zum Spielsieg gebrauche. Und im Normalfall - wenn einem die Schlange der anderen Spieler vor der Nase wegzieht - muss man eben nicht nur ein Feld aufholen, sondern derer gleich mehrere. Das wird teuer und senkt die Siegchancen deutlich.
Entsprechend freue ich mich zwar, dass es in Ralphs Spielrunde funktioniert, ich kann aber seine Erfahrung und Einschätzung nicht nachvollziehen. Meine Runden waren jedenfalls gelangweilt und immer froh, wenn Marco Polo endlich vorbei war.


Ralph Obkircher <ralph_obkircher@hotmail.com> 13.10.2004 21:34:

Ich finde es interessant, dass ein Spiel in unterschiedlichen Spielrunden so unterschiedlich ankommen kann! Aber ich denke, genau das passiert bei vielen Spielen, denn unsere Erfahrung zeigt, dass Titel die durchaus verissen wurden bei uns des öfteren recht gut angekommen sind.

Ich muß aber doch noch einmal hervorheben, dass ich durchaus finde, dass man bei MARCO POLO vorausschauend sammeln kann und eben gerade das Warten auf den Zug anderer Spieler die Spannung des Spiels ausmacht. Nie weiß man, wer nun den nächsten Schritt tut. Und das besonders interessante bei MARCO POLO ist ja die Karawane, die dem Letzten ermöglicht, den ersten Platz einzunehmen.

Der mögliche Einsatz von Goldkisten ist natürlich mit Achtung zu genießen. Um nicht den Anschluß an die Karawane zu verlieren, zahlt sich eine Goldkiste aber allemal aus!

Wir empfinden die Ungewissheit, welche Felder denn als nächste besucht werden müssen gerade als spannend und nicht frustrierend oder gar langweilig.

Ich denke, es bietet sich auf alle Fälle an, das Spiel anzutesten, denn es scheinen sich hier wohl die Geister zu scheiden!

Grüße
Ralph



rolf <rolfnorbisarth@gmx.de> 23.12.2004 23:48:

Ich kann mich nur der Aussage von Arne anschließen!
In meiner Spielrunde (5 Personen) wollte keiner das Spiel nochmal probieren. Alle fanden es langweilig, weil so wenig passiert.

M. E. ist es eins der schlechteren Spiele von Reiner Knizia!

 
Letzte Änderung: 16.04.2008 15:36 
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