Spielbesprechung

Flowerpower

Cover"Schaffe, schaffe, Blumenbeet(l)e baue" heißt es im neuen Legespiel aus der "Spiele für Zwei"-Serie von Kosmos - und das, ohne sich die Finger schmutzig machen zu müssen!

Die beiden Hobbygärtner, die ihre spielerischen Hacke und Spaten auspacken, wollen möglichst große zusammenhängende Beete mit jeweils gleichen Blumensorten bepflanzen. Als Spielfeld - diesmal hat der Begriff "Feld" ja einen richtigen thematischen Bezug - zeigt ein 14 Felder breites und 15 Felder tiefes Raster (nach Adam Riese also 210 Felder), auf dem insgesamt 100 Legekärtchen unterzubringen sind. Das Feld ist in drei Zonen aufgeteilt: Direkt bei den Spielern, sechs Felder tief, eine private Zone, die man nur selbst bepflanzen darf. Zwischen diesen beiden Zonen gibt es noch eine drei Felder tiefe neutrale Zone, die beiden Spieler nutzen dürfen.

Die Legekärtchen, versteckt im Leinenbeutel, decken je zwei Felder ab und zeigen, einem Dominostein ähnlich, auf jedem Feld je eine der insgesamt zehn verschiedenen Blumensorten: wer die meisten Sorten erkennt darf anfangen.

Der Spielzug besteht aus einem beherzten Griff in den Leinenbeutel, der ein "Doppelblumenkärtchen" ans Tageslicht befördern sollte, dem pflichtgemäßen Anpflanzen des gerade gezogenen Kärtchens und dem obligatorischen "Du bist dran!" an den Mitspieler.

Mehr nicht? Nun, es gibt noch einige wenige Setzregeln zu beachten: nicht auf dem fremden Territorium pflanzen, auch nicht über die neutrale Zone hinaus (also nicht eine Blume in der neutralen und eine in der gegnerischen Zone), ..., das war's schon. Passt das gezogene Kärtchen partout nicht ins Konzept, so darf man es, statt es irgendwo in der eigenen Zone zu platzieren, umgedreht als Störkarte - political correct "Wildkraut" genannt - in der gegnerischen Zone ablegen, um damit besonders große Anpflanzungen zu verhindern.

Denn: Das Spielziel ist, ich sagte es schon, möglichst große Beete - horizontal und vertikal aneinandergrenzend - gleicher Blumen anzulegen. Große Beete zählen am Schluss mehr als kleine: drei bis fünf gleiche Blumen einen Punkt, sechs bis neun Blumen zwei Punkte und zehn und mehr vier Punkte. Mehrere Beete mit der gleichen Blumensorte werden getrennt gewertet. SpielmaterialBeete innerhalb der neutralen Zone zählen für den Spieler, der eine Verbindung des Beetes in die eigene Zone herstellen konnte. Gibt es am Schluss einen Anschluss in die Zonen beider Spieler, so bekommt der die Punkte, der mit den meisten Blumen des Beetes in der eigenen Zone aufwarten kann.

Die Tücke liegt im Detail: Große Beete anzupflanzen scheitert daran, dass man mit Sicherheit im entscheidenden Moment die falsche Blumensorten zieht oder eben daran, dass die Karten stets zwei verschiedene Blumen zeigen (von jeder Blume gibt nur einen Doppelstein). Dadurch wird ein punkteträchtiges Zehnerfeld schon ganz schön raumgreifend, und überhaupt warten die gegnerischen Wildkräuter nur darauf, gesät zu werden ....

"Flowerpower" spielt sich die meiste Zeit nebeneinander ab, da sich die Interaktionsmöglichkeiten der Spieler doch sehr in Grenzen halten und die Störkärtchen zwar Ärger stiften, aber leider nur dreimal eingesetzt werden können. Interessant wird es vor allem, wenn ein Spieler beginnt, in der neutralen Zone Fuß zu fassen. Dann muss der Mitspieler wohl oder übel mitziehen, um nicht wertvolle zusätzliche Anbaufläche zu verschenken. Wem es dann gelingt, durch - meist glücklich gezogene Kärtchen - ein vom Mitspieler sicher geglaubtes Beet noch in den eigenen Besitz zu bringen, der erlebt einen der eher seltenen interagierenden Momente.

Das Endergebnis ist hübsch anzusehen, wie überhaupt das Spielmaterial gut auf das Thema abgestimmt ist. Die Spielregeln sind einfach und funktionieren, nur kommt der rechte Reiz zum Wiederspielen nicht unbedingt auf, dafür wurstelt man zu sehr für sich selbst herum. Insgesamt halte ich "Flowerplower" nicht gerade für den Überflieger unter den "Spiele für Zwei"-Spielen, sondern würde es eher im unteren Mittelfeld ansiedeln - nicht schlecht, aber eben auch nicht so gut, dass man es allzu oft aus dem Regal ziehen würde.

Einige kleine Regelergänzungen können mehr taktische Elemente ins Spiel bringen: Wenn man zum Beispiel mit einer Kartenhand von drei Karten spielt oder mit einem offenen Zugstapel von drei Karten, aus denen man die zu legende Karte aussucht - kann ja das momentane Angebot des Blumengroßmarktes darstellen. Jeweils kommen so mehr Entscheidungsmöglichkeiten ins Spiel. Und da die Form der entstehenden Beete arg zufällig ist, bietet es sich auch an, ob man Sonderpunkte für symmetrische Beete verteilt oder bestimmte Formen von Beeten punkttechnisch honoriert - dann wird der Entscheidungsdruck noch größer, wie man seine Beete anlegen möchte.

Ach ja, ich vergaß die Solitaire-Variante: Hierbei darf man natürlich auf dem gesamten Spielplan anpflanzen. Es geht jetzt darum, möglichst riesengroße Gebiete zu pflanzen, denn am Schluss zählt jedes Beet soviel wie das Quadrat der zugehörigen Blumen - drei Blumen gleich neun Punkte, 5 Blumen gleich 25 Punkte, 10 Blumen gleich 100 Punkte usw.. Maximal wohl 400 Punkte, da von jeder Sorte je 20 Blumen im Spiel sind. Welche von den vielen Persönlichkeiten in einem selbst die größte Gesamtpunktzahl hat gewinnt - auf zur Split-Personality-Olympiade!

Flowerpower von Angelika Fassauer und Peter Haluszka, 2 Spieler ab 8 Jahren (plus Solitaire-Variante), 30 Minuten, Kosmos (2001), DM 29,-

Dr. Arne Claussen


Markus Barnick <Markus.Barnick@gmx.de> 12.02.2002 19:16:

nicht vergessen sollte man hier allerdings, daß das Spiel ursprünglich als reine Solo-Patience gedacht war, aber weil es keinen Markt für 1-Personen-Spiele gibt, hat Kosmos halt ein 2-Personen-Spiel daraus gemacht.

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