Spielbeschreibung
Canyon ist das schon 1972 erschienene Bid & Bluff in neuer, gelungener Überarbeitung. Die ursprüngliche Spielidee stammt wohl von dem englischen Kartenspiel Black-Out.
Auf den Startfeldern verharren die Indianer in ihren Kanus vor der großen Wettfahrt durch die wilden Wasser des Canyon. Ziel sind die Landungsstege am Indianerlager, die erst, nachdem auf halber Wegstrecke die Flussbiegung überwunden wurde, zu sehen sind. Rund um den Totempfahl wandert der Anzeigestein, der vorgibt, mit wieviel Handkarten die anstehende Runde zu bestreiten ist. Diese reduzieren sich im Spielverlauf von 8 auf 1 und steigen dann wieder um je eine Karte auf den ursprünglichen Wert an. Die aufgedeckte, oberste Karte vom Reststapel gibt den Trumpf für die jeweilige Runde vor.
Nach dem Studium seiner Handkarten legt reihum jeder Spieler fest, wieviel Stiche er diese Runde zu gewinnen plant und deckt die entsprechende Tempokarte auf! 5 Farben mit den Werten 1 bis 10 sind die Grundlage für eine den üblichen Regeln entsprechenden Stichspielrunde, die über das Fortkommen der paddelnden Rothäute entscheidet. Ein Spieler muß sein Kanu entsprechend der eroberten Stiche weiterziehen, besetzte Felder sind tabu! Dazu kommt ein Bonus bei exakter Ansage, dieser steigt von 1 auf maximal 3 zusätzliche Felder für korrekt angesagte Stiche. So schlängeln sich die Kanuten um Hindernisse dem Ziel entgegen.
Engstellen nutzen hinterhältige Mokassinträger zum Blockieren der Mitpaddler. Wollen Sie das Spiel noch etwas gemeiner gestalten, dann lassen Sie die Rothäute nach der Originalregel ziehen. Diese legt fest, daß die erspielte Zugweite nur geradeaus (Richtung Ziel) und/oder zur Seite erfolgen darf. Ab 4 Mitspieler ist zusätzlich diagonales Paddeln erlaubt.
Jeder Zug muß, wenn möglich, ausgezogen werden, besetzte Felder sind tabu. Dabei staunt mancher Indianer über die "umständlichen" Fahrweisen der lieben Mitspieler. So endet oft ein eigentlich langes Paddeln (an geeigneter Stelle) ein Feld vor dem Zugbeginn, nur um Mitbewerbern ein Schnippchen zu schlagen!
Die letzten 7 Felder der Rennstrecke weisen eine besonders starke Strömung auf. Wer auf solch einem Feld steht, bewegt sein Kanu nur, wenn Ansage und Stichzahl übereinstimmen! Alle Anstrengung bringt hier das Kanu jedoch nur um den Bonuswert (1 - 3 Felder) voran! Wer dies nicht schafft, treibt mit der Strömung seitlich ein Feld ab. Wohin dies "Treiben" geht, geben Pfeile vor. Dabei angetroffene Boote stellen keine Hindernisse dar, sondern weichen dem Ankömmling den Pfeilen folgend aus. Das Donnern des Wasserfalls kommt für die Treibenden immer näher. Indianer die über seine Kante driften, retten sich in die anschließende Höhle und finden sich am Beginn der ärgerlichen Strömung wieder!
Geschickte Canyon-Befahrer versuchen mit einer gelungenen Stichrunde direkt über die Strömung hinweg einen der drei Landungsstege am Indianerlager zu erreichen. Wer dort als erster ankommt, gewinnt das Spiel. Selbst stolze Besitzer eines Bid & Bluff Spieles werden ihren Spaß an dem bis jetzt unbekannten "Treiben" gegen Spielende haben! Canyon vereint Lauf- und Stichspiel in genialer Weise und bringt durch die Gestaltung der Rennstrecke auch hier viel Interaktion in das Spiel.
Canyon, 3 - 6 Spieler ab 10 Jahre. Spieldauer ca. 45 Minuten. Autor Frederick A. Herschler. Grafik von Franz Vohwinkel. Verlag: Abacus.
Die Spielbeschreibung wurde mit freundlicher Genehmigung dem Katalog von ADAM spielt entnommen.
Bei Canyon handelt es sich um eine sehr originelle und gelungene Kombination von Brett- und Kartenspiel. Die Spieler schlüpfen in die Rolle von Kanuten und müssen versuchen, möglichst schnell die Rennstrecke durch den wasserreichen Canyon zu bewältigen. Wie schnell die Kanus vorrücken, bestimmt ein kurzes Kartenstichspiel. Jeder Spieler erhält eine Anzahl Karten auf die Hand und muß dann ansagen, wieviele Stiche er mit seinem Blatt machen wird. Da nicht alle Karten ausgeteilt werden, gibt es hier natürlich einen ziemlichen Glücksfaktor. Ist das Kartenspiel beendet, darf jeder Spieler für jeden Stich den er gemacht hat, auf dem Spielplan um ein Feld vorrücken. Hat er zudem die Anzahl seiner Stiche richtig vorhergesagt, erhält er zusätzliche Bonuspunkte und rückt noch einmal vor. Dann beginnt die nächsten Kartenrunde. Natürlich hat die Wasserstraße auch ihre Tücken. So muß man manche Umwege in Kauf nehmen, weil beispielsweise ein Konkurrent im Weg steht oder eine Insel umfahren werden muß; oder man kommt gar nicht von der Stelle, weil in einer Enge ein Mitspieler blockiert. Wer trotz aller Widrigkeiten zuerst das Ziel erreicht, gewinnt. Canyon ist ein sehr gutes Familienspiel.
Dorothea Heß