Spielbeschreibung

Visionary

Spielkritik

Visionary ist ein Bauspiel, das in zwei Teams gespielt wird. Jede Mannschaft erhält ein identisches Bauset aus 12 Holzelementen. Nachdem jede Gruppe ihren Baumeister bestimmt hat, kann es losgehen.

Ein Würfel legt fest, auf welche Art und Weise um die nächste Bildkarte gekämpft wird. In einer Kopf an Kopf Runde verdecken Augenbinden den Konstrukteuren jedes Teams die Sicht. Eine Karte vom gemischten Stapel wird aufgedeckt und die Sehenden jeder Gruppe leiten ihren Baumeister an.

Dieses geschieht reihum, der erste Spieler dirigiert den ersten Stein, der zweite leitet den Mann mit der Augenbinde an, welches Holzstück auf dem bereits stehenden zu plazieren ist etc. Der Konstrukteur, der das Gebilde als erster fertiggestellt hat, gewinnt für sein Team die offenliegende Karte.

Im Spiel auf Zeit geht es ähnlich zu, nur mißt eine Sanduhr die verbrauchte Zeit. In dieser Variante ist jetzt dem Baumeister ein Blick auf die Abbildung der Karte erlaubt, bevor die Augenbinde wieder aufgesetzt wird. Steht das Bauwerk für das erste Team, ist der Zeitmesser auf die Seite zu kippen. Sobald der Konstrukteur der zweiten Gruppe die Augen verbunden hat, gibt der zurücklaufende Sand vor, in welcher Zeit das Gebilde jetzt zu stehen hat. Die schnellste Gruppe erhält wieder die Karte. Wer zuerst 6 Karten sammeln konnte, gewinnt.

Erschwerend kommt bei Visionary hinzu, daß die jeweiligen Baumeister nur mit einer(!) Hand bauen und nie mehr als ein Holzstück gleichzeitig berühren dürfen. Leicht ist dabei ein halb­ oder fast­fertiges Bauwerk wieder zerstört.

Die perspektivischen Aufnahmen auf den Karten fordern den Mitspielern eine gute Wahrnehmung ab. Visionary ist in fast jeder Runde ein lebhaftes (manchmal) lautes kommunikatives Spiel. Daß den Helfern im Eifer des Gefechtes auch mal saftige Anweisungen o.ä. herausrutschen, darf die geplagten Baumeister nicht stören. Durch den Konkurs der Firma Schmidt­Spiele ist dieses schöne Spiel zur Zeit leider vergriffen.

Visionary, 4 ­ 8 Spieler ab 8 Jahre. Spieldauer ca. 60 Minuten. Autor Ron Dubren. Verlag: Schmidt-Spiele.

Die Spielbeschreibung wurde mit freundlicher Genehmigung dem Katalog von ADAM spielt entnommen.


Spielkritik:

Bauen mit Gefühl

Eine ungewöhnliche Spielidee wurde von der Firma Schmidt-Spiele auf der diesjährigen Spielwarenmesse präsentiert. Daß in einem Spiel gebaut wird, ist nichts Neues. Aber, daß der jeweilige Baumeister sein Werk mit verbundenen Augen erstellen muß, das macht schon neugierig auf das Spiel.

Mindestens vier Mitspieler werden für eine Spielrunde benötigt. Zwei in etwa gleich große Teams spielen dann gegeneinander. Jedes Team bestimmt für jede Runde ein Mitglied als Baumeister. Dieser erhält einen Satz aus zwölf hölzernen Bausteinen. Die Bausteine sind aber nicht alle gleich. Vielmehr gibt es eckige und runde Säulen in unterschiedlicher Länge, verschiedene Quadrate und Dreiecke. Ein Spezialwürfel bestimmt, ob die nächste Runde ein "Kopf-an-Kopf-Runde" ist oder eine "Spiel-auf-Zeit-Runde". Dabei ist die Wahrscheinlichkeit größer, daß eine "Kopf-an-Kopf-Runde" gespielt wird.

Die "Kopf-an-Kopf-Runde"

Hier bauen beide Baumeister der Teams um die Wette. Sie schließen die Augen und setzen ihre Augenbinden auf. Die übrigen Teammitglieder sind die Helfer. Sie ziehen eine Karte, auf der das Bauwerk abgebildet ist, das die Baumeister erstellen müssen. Dabei gibt es unterschiedliche Schwierigkeitsgrade; so besteht ein Bauwerk mindestens aus drei und maximal aus acht Teilen.

Das Team leitet nun seinen Konstrukteur verbal an, wie er zu bauen hat. Laut Spielregel sollen bei mehreren Helfern sich diese bei den Anweisungen abwechseln. Das läßt sich aber in der Praxis im Eifer des Aufbaus kaum durchhalten. Wenn alle Mitglieder beider Teams durcheinander rufen, gibt dies auch ein sehr schönes Tohuwabohu.

Wichtig ist, daß der Baumeister nur eine Hand benutzen darf. Das gilt sowohl beim Ergreifen des Holzbausteines wie beim Aufsetzen des Steins. Er darf also nicht fühlen, wo sich die bereits hingestellten Teile befinden, muß sich somit völlig auf die Anweisungen seiner Teamkollegen verlassen. Dabei fällt dann natürlich auch schon einmal ein teilweise fertiggestelltes Bauwerk um. Dann kann man nur noch von vorne anfangen und hoffen, daß dem Gegner ein ähnliches Mißgeschick passiert.

Denn gewonnen hat die Runde diejenige Mannschaft, deren Baumeister das Werk zuerst vollendet hat. Die Mannschaft erhält zur Belohnung die Karte. Anschließend gibt es beim Verliererteam auch schon einmal Diskussionen, ob der Baumeister sich nun ungeschickt angestellt hat, oder die Anweisungen unbrauchbar waren.

Die "Spiel-auf-Zeit-Runde"

Im Gegensatz zur "Kopf-an-Kopf-Runde" sehen sich die beiden Baumeister die Karte mit dem zu erstellenden Bauwerk an, bevor sie die Augenbinde aufsetzen. Sie wissen also, was gebaut wird. Hier wird auch nicht gleichzeitig gespielt, sondern die Teams spielen nacheinander. Deshalb kommt als weiteres Zubehör eine Sanduhr ins Spiel. Sobald der erste Baumeister mit seiner Konstruktion beginnt, wird sie umgedreht. Ist er fertig, wird die Uhr auf die Seite gelegt, und der nächste Baumeister beginnt. Dazu wird die Uhr wieder umgedreht, und er muß versuchen, die Zeitvorgabe zu unterbieten. Auch hier gewinnt der Schnellere die Baukarte.

Siegbedingungen

Im Grundspiel gewinnt das Team, das zuerst sechs Baukarten sammeln konnte. In einer Spielvariante kommt der unterschiedliche Schwierigkeitsgrad der Bauwerken zum Tragen. Jede Karte hat einen Wert, der sich nach der Anzahl der benötigten Bausteine richtet. Sie hat damit also einen Wert zwischen drei und acht Punkten. Nun werden bei jeder gewonnenen Karte die Punkte addiert. Sobald ein Team mindestens 33 Punkte erzielen konnte, hat es gewonnen.

Resümee

Die perspektivischen Aufnahmen auf den Baukarten machen es nicht immer ganz einfach zu erkennen, welche Teile exakt für die Konstruktion benötigt werden. Deshalb wird vorgeschlagen, daß die Teams sich absprechen, welche Teile genommen werden sollen. Hilfreich ist hier auch ein Überblick in den Spielregeln, in dem noch einmal dargestellt ist, welche Teile für welche Karte benötigt werden.

Von anderen Spielekreisen haben wir gehört, daß sie "Visionary" nur in der "Kopf-an-Kopf-Version" spielen und das "Spiel auf Zeit" als unnötiges Regelwerk betrachten.

Unsere Erfahrung mit "Visionary" ist, daß es völlig von den Teilnehmern abhängt, ob das Spiel ankommt oder floppt. Nicht spielen sollte man mit Erbsenzählern, die ausführlich diskutieren, ob das erstellte Bauwerk denn nun genauso aussieht wie auf der Karte. Auch kleinkarierte Buchhaltertypen, die bemäkeln, der Gegner habe beim Bauen beide Hände genommen oder ein anderes Teil berührt, können den Spielspaß ziemlich vermiesen. Also zuerst genau die richtigen Mitspieler aussuchen, die auch schon einmal "Fünfe gerade sein lassen" und nicht nur auf Gewinnen um jeden Preis aus sind, dann macht "Visionary" richtig Spaß. Wer solche Mitspieler nicht hat, der sollte "Visionary" lieber im Regal lassen. Deshalb gibt es für den Spielreiz zwei Wertungen und zwar Spielreiz 5 und Spielreiz 8, abhängig von der Spielermentalität.

Dorothea Heß

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