Spielbeschreibung

Volle Hütte

Spielkritik

In der Altstadt ist wieder viel los, Kneipen, Pubs und Cafés ringen um die Gunst der durch die Straßen flanierenden Gäste. Hier geht es rund am Billardtisch, dort im Café ist es heute sehr ruhig, bis auf die Zechpreller, die sich, ohne ihren Obolus zu hinterlassen, aus dem Staub gemacht haben.

Aktions­ und Gästekarten, 63 mehr oder weniger zahlungskräftige Gästefiguren, 150 Geldscheine, die notwendigen Einrichtungskärtchen, ein Spielplan und für jeden Spieler ein Kneipen­Tableau lassen die Mitspieler für die Spieldauer hinter der Theke stehen.

Auf dem Spielplan sind vor Spielbeginn die Einrichtungskärtchen (zwei liegen immer offen), die Kassieren bitte!, Gäste­ und Aktions­Kartenstapel verdeckt abzulegen. Von den zwei letztgenannten Stapeln liegen jeweils drei Karten offen auf dem Spielplan. Eine Kneipe (Tableau), 3 verschiedene Mobiliar- und 2 Aktionskarten sind für jeden Mitspieler der Start in das Gastgewerbe. Die verschiedenen Kneipeneinrichtungen gehören selbstverständlich an den ordnungsgemäßen Platz in den Lokalen. Terrassentische nur nach draußen und eine Bar immer an die Wand! Reihum kann jeder zwischen drei Zügen wählen.

Richtet er seine Kneipe ein, wandert eines der beiden offenliegenden Einrichtungskärtchen in sein Etablissement. Empfängt er Gäste, sucht sich der Wirt eine der drei offenliegenden Gästekarten aus und setzt der Abbildung entsprechend Gästefigur(en) an die angegebenen Plätze. Dabei wollen Billard­ und Kickerspieler immer an einen freien Tisch und eine Karte mit drei oder vier Freiluftfanatikern kann bei nur zwei freien Plätzen auf der Terrasse nicht die Wahl sein.

Umsatz muß sein, daher steht als dritte Möglichkeit das Aufdecken der obersten Karte vom Kassieren­bitte! Stapel zur Verfügung. Trinkgelder wandern nur zum Kartenwender, alle anderen Gäste zahlen ihrer Farbe entsprechend 10, 20 oder 30 Mark. Ab dem 10. Gast im Spiel muß jeder Kneipier im zweiten Zug Gäste versetzen.

Als Bewegungsmotor dient eine der beiden Aktionskarten, die verdeckt vor jedem Spieler liegen. Der ausgespielte Typ der Karte legt fest, ob man die Wahl hat, von oder zu welchem Einrichtungsgegenstand die Besucher wechseln! Die Gäste einer bestimmten (gewählten) Einrichtung marschieren gemeinsam zum nächsten gewählten (bestimmten) Inventar.

Beginnend am Aufenthaltsort klappern die Heimatlosen rundum alle Lokale nach der bestimmten Einrichtung ab. Finden sie nirgendwo mehr Platz an der ausgesuchten Örtlichkeit (Bar, Billard, Tanzfläche etc), gehen sie enttäuscht nach Hause in die Schachtel. Durchgekreuzte Geldscheine auf der Ereigniskarte zeigen an, daß die Gäste beim Verlassen des Lokales nicht wie sonst üblich zahlen!

Die sechste und letzte aufgedeckte Kassieren­bitte! Karte beendet das Spiel. Der Wirt mit dem höchsten Tagesumsatz gewinnt.

Volle Hütte ist ein kurzweiliges, interaktives, taktisches Ablegespiel für Leute, die grobe Gemeinheiten popeliger Barbesitzer aushalten können. Die Ausstattung und Graphik ist stimmungsvoll und sehr gelungen, schon nach wenigen Zügen stellt sich der Spielspaß ein.

Volle Hütte, 3­5 Spieler ab 12 Jahre. Spieldauer ca. 40 Minuten. Autor Stefan Dorra. Verlag: ASS.

Die Spielbeschreibung wurde mit freundlicher Genehmigung dem Katalog von ADAM spielt entnommen.


Und hier noch Auszüge einer Spielekritik zum Spiel:

...Ich will nicht verhehlen, daß ich nach der Lektüre der Spielanleitung große Lust auf den Kneipenbummel bekam. Da gab's doch manches, was einen interessanten und taktischen Spielablauf versprach: Das Kneipeninterieur, aus dem man auswählen kann, die Gäste, die man sich aussucht, und selbst von den Aktionskarten liegen drei offen aus, von denen jeweils eine nachgezogen wird. Da bleibt nur wenig dem Zufall überlassen. Pfiffig klang auch der Mechanismus, nach dem die Gäste von einer Kneipe zur anderen wandern.

Derart positiv eingestellt machten wir uns ans Spiel und warteten auf den Zündfunken, der den Spielspaß entfachen sollte. Und auf den warten wir noch heute. Gleich in der Anfangsphase kommt's immer wieder vor, daß ein oder sogar mehrere Spieler keine Gäste in ihre Kneipe ziehen können, weil sie nicht die passenden Plätze haben. Und natürlich steht gerade dann auch nicht die geeignete Einrichtung für den Ausbau zur Verfügung. Mit Verspätung können auch sie ihre Kneipe betreiben, dann aber haben andere Spieler bereits einen kaum noch einholbaren Vorsprung herausgespielt. Ein paar mehr 2er-Gästekarten an 2er-Tischen oder Theken (davon gibt's im Spiel nur drei!) würden Abhilfe schaffen.

Doch auch während des Spiels fehlen Höhepunkte, überraschende Wendungen. Irgendwann ist die Kneipe weitgehend eingerichtet und daran ändert sich auch nichts mehr. Das Kommen und Gehen der Gäste wird zur Routine. Und die Wirte verlieren die Lust an ihrem Job. Und dann entdecken sie, wie sie dem Treiben ein Ende setzen können, und spielen jedesmal eine Abkassieren-Karte, auch wenn's nicht unbedingt zum eigenen Vorteil ist.

Am Spielmaterial gibt's nichts auszusetzen. Wobei die graphische Gestaltung sicherlich Geschmackssache ist. Originell ist das Spielgeld. Es entstand unter Verwendung von Spielkartenmotiven und Kartenrückseiten. Trotz dieser Billiglösung ist der Preis für das Spiel dann doch etwas hoch geraten.

Hundertprozentig gelungen ist die Verknüpfung mit dem Kneipenthema. Darum sind wir anschließend auch lieber in eine richtige Kneipe gegangen....

KMW

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