Spielbesprechung

Alles im Eimer

CoverOoch, der arme Knecht Hannes! Mühevoll hat er sämtliche Eimer geputzt und verkehrt herum aufgestellt. Hübsch! ... Aber wozu das Ganze? Ganz klar, Eimer trocknen bekanntlich am schnellsten, wenn man sie zu Pyramiden aufstapelt - sagt jedenfalls der Hannes. Nach welcher Formel er das ausgetüftelt hat, wissen wir nicht; genauso wenig, was bloß in den Hoftieren vorgeht: Vielleicht können sie den Knecht nicht leiden oder vielleicht ist es ihr natürlicher Drang, Eimerpyramiden umzuschmeißen. Fest steht: Die Tiere stürzen auf Hannes´ Bauwerk los und werfen die Eimer in den Dreck.

"Alles im Eimer", flucht Hannes - und schwuppdiwupp ist ein spaßiges Kartenspiel erfunden. Jeder hat hier eine Pyramide aus 15 Eimern (Pappplättchen) und sollte gut auf sie aufpassen. Es gewinnt, wer die meisten Eimer übrig behält. Das Spiel geht so: Man jagt ein Schaf auf den linken Nachbarn los, und der muss mit einer höheren Schaf-Karte abwehren. Sagen wir, eine Schaf-4 wird mit einer Schaf-6 gekontert. EimerIn diesem Falle stürmen die Schafe zum nächsten Spieler. Der hat nun die 6 zu überbieten, spielt vielleicht eine 3 und eine 5. So geht es reihum weiter und womöglich kommt die ganze Schafversammlung bald wieder auf einen selbst zugerannt...

Das Spiel lebt von seiner Rasanz. Überwiegend entscheidet das Glück, aber der gewisse Schuss Taktik ist auch dabei; sonst wär´s ja kein Dorra. Zu Beginn baut jeder seine Pyramide individuell, entsprechend der Handkarten. Stiere beispielsweise sind auf rote Eimer fixiert, und hat man wenig Stier-Karten, stellt man die roten Eimer tunlichst nach oben. Sonst reißen sie im Fallen andere Eimer um. Das ist nämlich so bei Pyramiden: Eimer, die auf fallenden Eimern stehen, purzeln fröhlich mit. Fragen Sie mal Hannes.

Egal, wie viele Karten man spielt; man kriegt immer nur eine neue nach. Höchstens. Manche Pyramidenwächter vergessen tatsächlich das Ziehen. Und für solche Träumer gibt es kein Pardon. Ich sage: Richtig so! Kein Pardon auch für Pechvögel, die nur niedrige Karten nachbekommen. Deshalb monierten einige Mitspieler, es sei blöd, dass man immer nur gegen den linken Nachbarn spielen könne, nicht direkt gegen den Führenden. Ich sage: Ach was, blöde Gleichmacherei!

Die Zeitbombe in Form von marodierenden Tieren wird schön reihum weitergegeben. Das steigert den Nervenkitzel, jeden kann es treffen, und so ist es gut. Der Kniff besteht eben darin, nicht immer stumpf dagegen zu halten, sondern manchmal einen Eimer bewusst zu opfern und Karten aufzusparen. Ferner sollte man vermeiden, sich auf einer Farbe ganz blank zu spielen, solange die entsprechenden Eimer in der Pyramide tragend sind. Und wenn´s bei allem Bemühen doch wieder nicht geklappt hat: "Alles im Einer" ist in 20 Minuten durchgespielt. Los, nächste Runde!

Karten

Simple Idee mit Suchtfaktor. Nur die Optik tut so richtig weh. 4en und 7en lassen sich leicht verwechseln, und das Schaf sieht wahrlich nicht so aus, als würde es den blauen Eimer rammen. Eher scheint der aus eigener Kraft über den Rasen zu hoppeln, während das Tier vor Schreck seitlich weghüpft. Für derlei grafisches Grauen weiß ich keine andere Erklärung, außer dass es vielleicht Absicht ist. Womöglich soll der Bad-Taste-Look "Alles im Eimer" in den Rang eines Kultspiels erheben. Das Zeug dazu hätte es.

"Alles im Eimer" ist eingängig und unterhaltsam und genau richtig für ein breites Publikum: Ich kann es bei Bier und Brezel spielen, zu Weihnachten mit Oma und sogar als Fun-Game in meinen Freak-Runden. Für Kosmos ein Glücksfall, denn Spiele dieser Qualität können der bisher recht müden "Spiele für viele"-Reihe doch noch auf die Beine helfen.

Alles im Eimer von Stefan Dorra, für 2-6 Spieler ab 8 Jahren, Spieldauer ca. 20 Minuten, Kosmos (2002), ca. 18 Euro.

Udo Bartsch

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