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Spielbesprechung Babel
Aus 'Asterix - Die Odyssee' kennen auch die Geschichtsbanausen die Völker, die uns hier in Form von Völkerkarten begegnen: Hethiter und Sumerer, Meder, Assyrer und Perser. Und ebenfalls aus diesem herrlichen Asterix-Band wissen wir auch, dass diese Völker in Mesopotamien ständig in Streit lagen. In der vorliegenden Spielfassung taucht dieser Gedanke wieder auf. Beide Spieler (denn 'Babel' stammt aus der Reihe der "Spiele für zwei" im Kosmos-Verlag) kämpfen um Macht und Einfluss in der Stadt. Dazu müssen beide möglichst wertvolle Tempel bauen: mit Hilfe der Völkerkarten. Von diesen hat jeder Spieler eine bestimmte Anzahl auf der Hand und zieht regelmäßig nach. Außerdem liegen Tempelkarten aus, die die Ausbaustufen der Tempel (von eins bis sechs) symbolisieren. Jeder Spieler kann bis zu fünf Tempel bauen, bei
jedem Volk je einen. Um zu dem Bauplatz zu gelangen, muss er
eine entsprechende Völkerkarte ablegen. Nun muss er
Völkerkarten am Bauplatz ansiedeln (völlig gleich,
von welchem Volk) um dort bauen zu können: für die
Tempel-Baustufe 1 braucht es ein Volk am Bauplatz, für
Stufe sechs also schon sechs Karten. Das Ausspielen der
Baukarten kostet zwar keine Völkerkarten (d.h. diese
verbleiben am Bauplatz), aber Baukarten sind nicht immer
vorhanden, sondern es kann jeweils nur die oberste von zwei
Stapeln gebraucht werden. Da diese Stapel sich im
Spielverlauf nach einfachen Ziehmechanismus sukzessive
aufbauen und die Reihenfolge offen liegt, lässt sich gut
planen. So legt jeder Spieler an seinen Bauplätzen
Baukarte auf Baukarte, und die oberste Karte gibt immer den
Punktwert an, den der Tempel bringt. |
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Diese vier Möglichkeiten kann ich, solange ich am Zug bin, beliebig oft wiederholen, in der Reihenfolge tauschen oder auch nicht ausführen, wenn mir das passt. Sämtliche Aktionen können aber nur an dem Bauplatz ausgeführt werden, an dem die Spielfigur des Zugspielers gerade steht. Die fünfte mögliche Aktion bildet hiervon eine Ausnahme: die jeweils drei obersten Völkerkarten kann ich per Völkerwanderung von einem zu einem anderen meiner Bauplätze wandern lassen, pro Zug allerdings nur einmal. Dort werden sie wieder oben angelegt. Dabei ist es egal, wenn an einem Sechser-Tempel dadurch plötzlich nur noch drei Völkerkarten liegen. Der Spielablauf ist zwar stark von Glück bestimmt: es ist viel davon abhängig, welche Völkerkarten man nachzieht und auf der Hand hat, und auch die Reihenfolge der Baustufenkarten der Tempel ist vom Glück bestimmt und kann spielentscheidend sein. Dennoch bleiben viele taktische Möglichkeiten, allerdings hauptsächlich im Bereich der kriegerischen Eigenschaften der Völker. Wer hier geschickt Völker von einem Ort zum anderen wandern lässt, Karten in der richtigen Reihenfolge ausspielt und dem Gegner genau zur richtigen Zeit eine Baustufe klaut oder den Tempel einstürzen lässt, der wird am Ende die meisten Punkte davon tragen und gewinnen. Neben dem Glück ist es also am wichtigsten, immer im Auge zu behalten, was der Gegner tut und was ich ihm antun kann. Daher ist dieses Spiel nichts für Paare mit eh schon strapazierter Beziehung, und erst recht nichts für schlechte Verlierer. Wer sich auf den Turmbau zu Babel einlässt, das wissen wir auch aus der Bibel, braucht eine hohe Frustrationstoleranz. Freunde oder Paare, die diese mitbringen und durchaus auch Lust und keine Skrupel haben, sich gegenseitig spielerisch mal was anzutun, werden hier ihren Spaß und ihre Aggressionsabfuhr finden. Schon deshalb ist die Zielgruppe "Erwachsene und ältere Kinder" richtig gewählt. Die Grafik ist ansprechend und übersichtlich, und die anfangs umfangreich wirkende Spielanleitung ist schnell verstanden, hat man erst einmal angefangen. Wir mussten noch beim zweiten Spiel manche Regel zu den Völkereigenschaften nachschlagen, danach hatte auch ich es drin. Und dann, wenn man die Tricks und Kniffe des Spielablaufs begriffen hat, fängt es an, richtig Spaß zu machen. Gewinner und Verlierer stehen allerdings meist schon einige Spielzüge vor dem wirklichen Ende fest, und nur ein gezielter Tempeleinsturz kann dann noch helfen und das Blatt wenden. Aber von Frustrationstoleranz war ja bereits die Rede… 'Babel' ist daher ein Spaß nicht nur für Bibelfeste und Asterix-Leser. Es bringt viele neue Ideen mit und hat das Zeug zum guten Spiel. Hoffentlich dauert es noch ein wenig mit den Studiengebühren in NRW, damit Hagen Dorgathen neben seinem Langzeitstudium viel Zeit hat, mit Uwe Rosenberg weitere Spiele zu entwickeln. Michael Ziemons Babel von Uwe Rosenberg & Hagen Dorgathen, 2 Spieler ab 12 Jahren, Spieldauer: etwa 45 Minuten, Kosmos (2000), ca. 15€ |
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| Letzte Änderung: 16.04.2008 15:37 |
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