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Spielbesprechung

Carolus Magnus

Karl der Große und mein Lieblingsspiel

Man wird so oft gefragt von interessierten Eltern... Soll ich Ihnen verraten, welches Spiel seit dem Jahr 2000 den Titel "Mein persönliches Lieblingsspiel" trägt? Es ist, ganz klar, Carolus Magnus, in dem wir wie Karl der Große um Einfluß und Macht kämpfen. Ich bin zwar gebürtiger Aachener, und deshalb Karl dem Großen (bekanntlich auch Aachener) sehr zugetan, aber meine Liebe zu diesem Spiel begründet sich doch eher auf der gelungenen Umsetzung. Ein taktisches und doch mit Glücksfaktor gesegnetes, ein schnelles und hochspannendes, ein hervorragendes Spiel für zwei bis vier Spieler.

Schon der Aufbau macht Spaß: zwölf Platten legen wir im Kreis auf den Tisch, jedes eine Provinz, die es zu erobern gilt. Mehrere von gleichen Spieler eroberte Provinzen können zu Regionen zusammengeschoben werden. So verändert sich der Spielplan ständig. In der Mitte ein großer Haufen von bunten Steinchen in kräftigen Farben. Das sind sie, denen wir fortan unsere ganze Aufmerksamkeit widmen müssen: die Ritter.

Es gibt sie in fünf verschiedenen Farben, und theoretisch kann jeder Spieler mit jeder Farbe spielen. Er verfügt über einen Vorrat von sieben Rittern, von denen er allerdings nur drei pro Zug einsetzen darf: entweder er setzt sie in seinen Hof, oder in eine der Provinzen. Dabei muß man gleich doppelt um Einfluß konkurrieren: die Ritter in den Provinzen folgen nämlich nur dem Spieler, der mehr Ritter in dieser Farbe als sein Gegner in seinen Königshof gesetzt hat. Natürlich kann sich das stets verändern!

Von den Spielern gesteuert zieht am Ende eines jeden Zuges Karl der Große über das Spielfeld, von Provinz zu Provinz, und wertet das Feld: wer hält bei den hier versammelten Rittern die Mehrheit? Der glückliche Sieger darf dann in diesem Feld seine Burg aufstellen und gegebenenfalls auch behalten - wenn er die Mehrheit immer noch hat, wenn Karl wieder vorbeischaut, oder wenn er es schafft, den Kaiser immer schön vorbeiziehen zu lassen. Dazu muß er vielleicht darauf verzichten, als erster an der Reihe zu sein: denn um die Reihenfolge steigern die Spieler jedes Mal mit Werteplättchen. Jeder legt ein Plättchen ab, das niedrigere gewinnt: die Höhe des Gebots legt aber auch die Zahl der Felder fest, die Karl der Große auf dem Spielplan höchstens bereisen darf - gewertet wird übrigens nur das Feld, auf dem er schließlich stehen bleibt.

Natürlich gibt es viele schöne Tricks, die Provinzen des Gegners abzuluchsen: einfach die Mehrheiten bei Hofe verändern oder (noch) eigene Ritter in die Provinz setzen, bevor der andere vielleicht die Nachbarprovinz erobert, die beiden zur Region vereinigt und auch die Ritter zusammenführt. Wer zuerst zehn Burgen gebaut hat oder von nur noch vier übrig gebliebenen die größten Regionen beherrscht, beendet das Spiel und wird Nachfolger des Kaisers.

Alles in allem ein vielschichtiges und hochspannendes Spiel. Viel hängt vom Würfelglück ab, denn nur das entscheidet, wer welche Ritter in seinem Vorrat hat und einsetzen kann. Noch mehr hängt aber von dem geschickten Einsetzen der Ritter ab und von der Wachsamkeit, mit der man immer seine Mehrheiten im Auge halten sollte. Wer unkonzentriert ist, wird hier von einem fitten Gegner sofort bestraft. Da das Spiel aber in jedem Fall nach 30-45 Minuten beendet ist, sollte es hier keinem langweilig werden können!

Im Jahr 2000 war Carolus Magnus für das Spiel des Jahres sogar nominiert und machte den zweiten Platz; ein Jammer, denn besser als Torres ist es auf jeden Fall, und es enthält viele originelle Ideen, es macht höllisch Spaß und ist zum Nägelkauen spannend. Nur die Version zu viert lässt zu wünschen übrig. Ansonsten ein herrliches Spiel für zwei oder drei wache Spieler - mein Lieblingsspiel, oder sagte ich das schon...?

Carolus Magnus von Leo Colovini, 2-4 Spieler ab 12 Jahren, Spieldauer 30-45 Minuten, Winning Moves (2000). Nominierungsliste Spiel des Jahres 2000.

Michael Ziemons

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Weitere Infos über "Carolus Magnus":
despielbox.de deLuding enBoardgameGeek
deSpielefindex deGoogle
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Letzte Änderung: 16.04.2008 15:37 
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