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Spielbesprechung Durch die WüsteDr. Reiner Knizia, der Mathematiker aus Windsor, hat wieder zugeschlagen. Trotz massenhaftem Ausstoß von neuen Spielen gelingt es ihm immer wieder, ab und an qualitativ gute und neuartige Spiele zu entwickeln. Die Skepsis vieler Kritikerkollegen scheint da unangebracht. Durch die Wüste, das ist wörtlich zu nehmen. Es gibt Kamele in fünf abartigen Farben (auch die mitgelieferten Erklärungsversuche des Verlages für die scheußlichen Pastelltöne vermögen nicht zu überzeugen), und die Spieler müssen versuchen, diese möglichst geschickt in der Wüste zu verteilen. Punkte gibt es dafür, wenn man geschickt ist, natürlich nur, und das beweist man, indem man Wasserstellen und/oder Oasen erreicht. Außerdem ist es lohnend, ein möglichst großes Gebiet mit seinen Kamelen einzugrenzen und die meisten Kamele in einer Farbe auf den Spielplan, will sagen: in die Wüste zu bringen. Die Oasen haben eine unterschiedliche Wertigkeit und werden jedes Spiel neu zufällig auf dem Plan verteilt, so daß immer ein etwas anderer Plan entsteht. Nur die Wüste bleibt gleich. Vor dem Start setzt man in jeder Farbe ein Kamel mit seinem Reiter darauf möglichst geschickt verteilt auf den Spielplan. Danach darf man pro Runde zwei beliebige Kamele dazusetzen, und zwar so, daß die gleichfarbigen Kamele immer an angrenzenden Feldern stehen (so bildet sich ein Haufen eigener, gleichfarbiger Kamele, also eine Karawane). Damit nichts durcheinander kommt, muß man zu der Karawane des Gegners mit derselben Farbe ein Feld Abstand einhalten. Das Spiel ist zuende, wenn von einer Farbe alle Kamele gesetzt sind. Dann werden die Oasen-, Wasserstellen- und Kamelmehrheitschips zusammengezählt, und Überraschung: der mit der höchsten Zahl hat gewonnen. Ganz einfach also. Großartig Regeln lernen muß man nicht, das Spiel ist schnell zu begreifen und die Anleitung dementsprechend gut. Dieses Spiel ist genau richtig für alle, die ein spannendes Spiel wollen, aber keine Lust auf aufwendige Strategien und stundenlanges Taktieren haben. Eigentlich hat jeder immer einige gute Ideen, wo er seine zwei Kamele pro Runde einsetzen kann. Sehr gut ist auch: der Spielplan hat eine dezente Unterteilung. Spielt man das Spiel zu zweit oder dritt, ist hier die Grenze. Daher macht das Spiel auch mit wenigen Spielern Spaß. Das Spiel ist schön gestaltet, und die sandfarbene Wüstenromantik wird, wie gesagt, nur durch die häßlichen Kamele empfindlich gestört. Da hätte man sich wirklich etwas besseres einfallen lassen können. Keine Ausreden! Ansonsten ein sehr gutes Spiel. Die englischen Testspieler zu Windsor haben gute Arbeit geleistet. Das Spiel ist eins für alle Fälle, spät abends, mit einfacheren Gemütern und großen Taktikern, für jüngere und ältere, ein richtiges Familienspiel. Knizia hat es trotzdem nicht zum "Spiel des Jahres" geschafft. Leider war wieder einer besser. Aber er hat ja noch viel Zeit, und für die nächsten Jahre dürfen wir hoffen. Bei der Menge, die er an Spielen entwirft... da wird's wohl mal klappen. Und solange ihn das umtreibt, fallen für uns ein paar gute Spiele ab. Das ist doch was. Wichtig ist, schon beim Einsetzen darauf zu achten, daß kein Spieler einen ganzen Spielfeldteil für sich belegt; dann wird er dort unbeschadet Gebiete einschließen können von unanständiger Größe. Das ist nur dann in Ordnung, wenn man selbst dieser Spieler ist! Andernfalls sollte man lieber gefährlichen Gegnern mittels gleichfarbiger Kamele Grenzen setzen. Und wer beim Einsetzen nicht nahe an Oasen setzt, ist selber schuld. Übrigens: Ziel kann auch sein, daß Spiel schnell zu beenden, wenn man selber gut liegt und der Gegner noch schnell ein paar Gebiete einschließen, Chips sammeln wil oder ähnliches. Am wertvollsten aber ist es, die meisten Kamele einer Farbe gesetzt zu haben. Das kann zum Schluß alles noch einmal ändern und aus dem Kuli einen Scheich machen - oder umgekehrt. Na dann: Jalla, habibi! Durch die Wüste von Reiner Knizia, Grafik: Claus Stephan, 2-5 Spieler ab 10 Jahren, Spieldauer ca. 45 Minuten, Kosmos Spiele Galerie (1998). Aufgenommen in die Auswahlliste zum Spiel des Jahres 1998, 4. Platz Deutscher Spiele Preis 1998. Michael Ziemons |
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| Letzte Änderung: 16.04.2008 15:37 |
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