Erster Eindruck
Der folgende Beitrag ist die Übersetzung eines Artikels von Erwin Broens, der die holländische Ausgabe des Spiels gespielt hat.
Jeder Spieler erhalten einen Satz Einflusskarten, die von 0 bis 5 reichen, jeder Wert ist unterschiedlich häufig vertreten; eine spezielle Karte ist die Nazgûl-Karte. Diese Karten werden an bekannten Orten ausgespielt, die im ersten Teil des Buches/Films eine Rolle spielen. 10 solcher Orte gibt es, ein neuer kommt ins Spiel, wenn der vorherige abgerechnet wurde. Die Orte bestehen aus 2 Karten, die nebeneinander gelegt werden. Statt dessen hätte man auch eine einzige große Karte verwenden können.
Rund um einen Ort ist Platz für 10 Einflusskarten. Man muss sich das als imaginären Spielplan vorstellen. Sobald das 10. Feld besetzt ist, erhält der Spieler mit den meisten Einflusspunkten (die Werte auf den Karten) Siegpunkte. Wer die 10. Einflusskarte gespielt hat, muss einen Platz für die nächste Ortskarte finden, die neben ein oder zwei zuvor gespielten Einflusskarten abgelegt wird.
Wenn er clever ist, legt er sie neben seine eigenen Einflusskarten, ein strategisches Element im Spiel. An einigen Orten erhält der Spieler mit dem größten Einfluss einen magischen Ring. Diesen Ring kann man auf eine eigene Karte spielen, um sie vor Angriffen zu schützen. Die meisten Ringe haben eine Sonderfunktion (beispielsweise erhalten alle Einflusskarten an diesem Ort den Wert 1, ganz gleich, welchen Wert die Karten zeigen).
Wer am Zug ist, darf so viele 1er Karten spielen, wie er will - oder eine Karte mit einem höheren Wert. Zusätzlich darf man eine o-Karte oder eine Nazgûl-Karte spielen. Letztere wird gegen eine gegnerische Karte eingesetzt, um sie aus dem Spiel zu entfernen. Der freie Platz kann mit einer eigenen Karte belegt werden.
Es gibt noch einen anderen Weg, die Gegner zu ärgern. Einige Orte sind "gefährlich" gekennzeichnet durch einen schwarzen Hintergrund). Hier können die eigenen Einflusskarten auf gegnerische gelegt werden, wenn der eigene Kartenwert höher ist - eine schöne Methode, den höchsten Einfluss zu erlangen. An den friedlichen Orten dürfen die Karten nur auf leere Felder gespielt werden.
Einige Einflusskarten (die Hobbits mit dem Wert 3) sind automatisch gegen solche Angriffe geschützt.
Unser erster Eindruck vom Spiel war positiv. Nur eins hat mich gestört: Wenn neue Orte immer an derselben Seite der Spielfläche angelegt werden, rückt die Tischkante viel zu schnell näher...
Der Herr der Ringe - Die Gefährten von Reiner Knizia, 2-4 Spieler ab 9 Jahren, Spieldauer ca. 30 Minuten, Ravensburger (2001), ca. 25 DM
Erwin Broens
Sylvia Berger <sylvia.berger@mw-zander.com> 11.10.2001 14:11:
Kleine, leichte Schachtel, ein Stapel Karten, ein paar Pappplättchen - ah, ein schönes Spiel für unterwegs??? Ok., dass der erste Eindruck eine Fehleinschätzung ist, merkt man spätestens in der Mitte des Spiels, wenn der Tisch zu klein wird für die Kartenauslage.
Das Spielmaterial: für jeden Spieler (2-4) ein Satz Karten mit den Zahlenwerten 0 - 5 in unterschiedlicher Häufigkeit, 20 Karten für die zu bereisenden Orte (10 durchnummerierte Orte bestehend aus jeweils 2 Karten), Siegpunktchips und die Ringe-Plättchen, deren Gewinn bestimmte Sonderaktionen im Spiel ermöglicht. Optisch wurden die Original-Film-Bilder übernommen, wozu man sicher geteilter Meinung sein kann. In unserer Spielrunde überwog das "hm-na-geht-so". Unschön die Rückseite der Pappplättchen (weißer Grund, vollflächig mit Ravensburger Schriftzug in blau bedruckt), die optisch überhaupt nicht zum Rest des Spiels passt und einfach nur billig aussieht. Wenn Ravensburger unbedingt noch den Firmennamen irgendwo unterbringen wollte, hätte man das auch etwas anspruchsvoller lösen können.
Die Regeln sind schnell erklärt. Die beiden Karten des ersten Ortes werden nebeneinander ausgelegt und die Spieler legen rund um diesen Ort aus ihren 6 Handkarten eine Zahlenkarte mit einem Wert >1 oder aber beliebig viele Einserkarten an und füllen anschließend aus ihrem Talon die Kartenzahl wieder auf 6 auf. Derjenige Spieler, der die letzte (also 10. Karte) Karte um die Ortskarten anlegt, löst die Wertung aus, d.h. die Kartenwerte werden zusammengezählt, 1., 2. und 3. Platz bekommen für den jeweiligen Ort eine bestimmte Anzahl von Siegpunkten, je nach Ort bekommt der Sieger eventuell noch zusätzlich ein bestimmtes Ringplättchen. Der wertungsauslösende Spieler darf zudem die Ortskarten für die nächste Runde platzieren, was ein wichtiger Vorteil im Spiel ist, da jeder diese natürlich an bereits ausliegende eigene Karten anlegen wird, um seine Ausgangsposition für die nächste Runde zu verbessern.
Unterschieden wird zwischen weißen und schwarzen Orten. In letzteren dürfen schon ausliegende Karten durch Karten mit höherem Wert überdeckt werden. Schutz davor bietet ein auf die Karte gelegtes Ringplättchen, die dem Besitzer zudem eine einmalige Sonderaktion ermöglicht.(z.B. aus einem weißen Ort wird ein schwarzer oder alle um eine Ort ausgelegten Karten haben den Wert 1). Schließlich hat jeder Spieler in seinem Kartenstapel noch eine Nazgul-Karte, die eine bereits ausliegende Karte aus dem Spiel wirft. Nach 10 Orten/Runden steht der Sieger fest.
Fazit: Ich muss gestehen, dass ich "Der Herr der Ringe" nicht gelesen habe, somit also nicht einschätzen kann, inwieweit das Thema umgesetzt wurde.
Ohne den Buchhintergrund zu kennen, war es für mich lediglich (nicht negativ gemeint!) ein Spiel mit Zahlenkarten. Man legt nach bestimmten Regeln aus, Mehrheit gewinnt. Das ist nicht neu, aber nur deshalb auch nicht schlecht. Wir hatten jedenfalls Spaß daran. Herr der Ringe - Die Gefährten erfordern keine taktischen Höchstleistungen und eignen sich daher gut als Warm-Up oder für eine schnelle Runde zwischendurch. Schnell erklärt ist es durchaus auch ein Spiel für Wenigspieler.
Denis <denisfischer@gmx.de> 25.10.2001 23:50:
Wir hatten die Gelegenheit, das Spiel auf der Spiel 01 anzuspielen. Nachdem wir schon vernichtende Kritiken gehört ahben, probierten wir es selbst aus.
Das Spiel an und für sich ist ok. Anlegen von Karten an einen Ort und wer die höchste Punktzahl hat, erhält die meisten Siegpunkt, das ist einfach. Einige Sonderkarten, die man erreichen kann, wenn man einige Orte besiegt, verändern die Spielsituation aber teilweise nachhaltig (wie jede Karte zählt nur 1 Punkt) und dass man bei schwarzen Orten auch gemein sein kann, ist ein weiteres Spielelement, dass zu gefallen weiss und auch ein wenig Strategie verlangt. Letztere ist aber aufgrund des Kartenglücks nur schwer durchzuführen, da man kaum Pläne machen kann.
Was das Thema Herr der Ringe betrifft, so finde ich dies arg aufgesetzt. Man könnte auch gemein sein und sagen, dass es ums reine Marketing geht, mit auf der HdR Welle schwimmen möchte. Und das ist dann auch mein einziger Kritikpunkt. Ansonsten ist es nämlich ein einfaches Spiel, dass zwar viel Platz benötigt, aber unterhaltsam ist für zwischendurch.
Roman Pelek <roman@pelek.de> 01.11.2001 14:19:
Ich kann mich den Erfahrungen der vorhergehenden Spieler nur anschließen: Die Gefährten ist ein nettes Zahlenablegespielchen für zwischendurch mit einigen netten Gemeinheiten und der entsprechenden Portion Glück. Einige der Spielelemente kommen einem aus Reiner Knizias "Samurai" schon bekannt vor (und waren dort schon gut), andere wiederum sind nette Variationen bekannter Mechanismen. Insgesamt funktioniert das aber gut und macht auch Spass, wenn's auch nicht unbedingt innovativ ist. Zwei Kritikpunkte, die mit dem Spiel an sich nur bedingt etwas zu tun haben, sind die Grafik und die benötigte Tischfläche. Erstere ist eine Kombination aus Filmausschnitten und herkömmlicher Spieleillustration, die ich persönlich reichlich unübersichtlich und auch nicht gerade ansehnlich finde. Letztere ist schlichtweg, wie schon oft bemerkt, ein Platzproblem: das Auslegen herkömmlicher Spielkarten kann sehr platzintensiv sein, und man weiß vorher nie genau, wohin die Reise geht. Beide Kritikpunkte sind wohl ursächlich auf die Lizenz zum Film zurückzuführen. Ein Spiel zum Film hat halt Filmgrafiken, auch wenn's nicht jedermann's Geschmack ist. Und, als Abgrenzung zum Kosmos-Spiel zum Film sollte wohl "Das Kartenspiel" draufstehen, und deswegen sind auch normale Spielkarten drin. Rein spielerisch wären Stanzplättchen mit schöner Grafik wohl dienlicher gewesen. Aber da sind wir dann schon wieder bei einem "Samurai" ohne Brett ;-) Insgesamt empfehlenswert, wenn man o.g. Kritikpunkte verschmerzen kann, egal ob man die Thematik mag oder nicht. Das Spiel an sich ist so oder so ein abstraktes Kartenablegespiel.