Spielbesprechung

DVONN

Einfach, überzeugend!

Dvonn CoverEin einfaches Spielkonzept, keine Story, die sich davor schiebt, einfach nur zwei Spieler, ein höchst einfaches Spielbrett und ein paar Steine. Das ist alles, was "DVONN" ausmacht. Aus diesem ganz einfachen Zutaten stellte der Belgier Kris Burm ein höchst faszinierendes Spiel für zwei Personen zusammen, das international viele Preise sammelte und trotzdem - Kritikerpreise sind bekanntlich keine Publikumspreise - unheimlich viel Spaß macht.

Das Prinzip ist schnell erklärt. Auf einem in schlichtem Sandgrau gehaltenem Brett ordnen die beiden Spieler in Phase Eins abwechselnd ihre weißen und schwarzen Steine in Reihen an. Dazwischen legen sie drei rote, sogenannte DVONN-Steine. Für das Auslegen gibt es keine besonderen Regeln - lediglich vorgezeichnete neutrale Positionsanzeiger für die Steine.

Sind alle Steine auf dem Feld untergebracht, beginnt Phase Zwei. Hier wird abwechselnd gezogen: jeder Spieler darf mit seinen Steinen auf ein Feld seiner Wahl ziehen. Bedingungen dafür: es dürfen nur Steine bewegt werden, die nicht von allen Seiten von Steinen umgeben sind - zu Beginn darf also nur vom Rand ausgehend gezogen werden - und es darf nur auf belegte Felder gezogen werden, damit sich so Stapel aus Spielsteinen bilden. Es wird nur gerade gezogen, und es ist durchaus möglich, über leere Felder hinweg zu ziehen.

SpielmaterialEin Stapel von Spielsteinen gehört dem Spieler, der den obersten Stein stellt. Ein Turm von 4 schwarzen Steinen mit einem weißen oben drauf, erfreut also den weißen Spieler, der alleine damit ziehen darf.

Das Tückische dabei: ein Turm muss immer so viele Felder ziehen, wie er hoch ist: ein Turm mit zwei Steinen, also zwei Felder, mit drei Steinen drei usw. Das führt bei der Anzahl von 49 Steinen und Feldern dazu, dass ein Turm aus sieben Steinen meist schon völlig unbeweglich ist: es gibt schlicht kein Feld mehr, auf das er in gerader Linie ziehen könnte! Doch vorher gibt es genug Zugmöglichkeiten, unzählige Taktiken sind möglich und immer wieder wird nach dem geschicktesten Zug gesucht und muss die Reaktion des Gegners - fast wie beim Schach - geplant werden.

Irgendwann ist also kein Zug mehr möglich. Dann stellt jeder Spieler seine Türme übereinander, und der höchste Turm gewinnt: so einfach ist das!

Für besondere Würze sorgen dabei noch die roten DVONN-Steine: sie können ganz normal in Türme geraten und dann über das Feld gezogen werden. Es gilt aber die Regel, dass jeder Spielstein auf dem Feld immer direkt oder indirekt mit einem DVONN-Stein in Verbindung sein muß. Sind einmal ein oder mehrere Steine durch leere Felder von den DVONN-Steinen getrennt, werden sie sofort aus dem Spiel genommen und verfallen. Das kann schmerzhaft und spielentscheidend sein, je nachdem, wer durch solche Unachtsamkeit oder Schicksalswendung hohe Türme verliert...

DVONN gehört zum GIPF-Project, dem Versuch Kris Burms, mehrere Einzelspiele theoretisch verknüpfbar zu machen und so ein Spielesystem, basierend auf dem Grundspiel GIPF zu schaffen. Ich habe diese Idee nicht testen können, aber fest steht: je öfter ich DVONN spiele, desto mehr werde ich neugierig auf die anderen Produkte aus dem Hause des sympathischen Belgiers und seines Bruders, die unermüdlich für ihre Idee werben und doch in Deutschland keinen rechten Erfolg haben, wie Burm mir etwas resigniert erzählte. Drei ihrer Spiele, darunter auch DVONN, standen auf der Auswahlliste zum Spiel des Jahres, alle sind prinzipiell einfach vom Spielprinzip und dezent (und gerade damit überzeugend!) von der Ausstattung, und von DVONN kann ich nur sagen, dass es mir und all meinen Partnern ungeheuer viel Spaß gemacht hat - besonders, wenn man sich nicht immer in großartige Geschichten hineinversetzen und lange Regeln studieren, sondern einfach ein schnelles, komplexes und spannendes Spiel genießen will. Ich habe nämlich manches Mal den Überblick verloren zwischen all den Rittern, Königreichen und zu erobernden Meriten... wie wohltuend ist da der schnörkellose Spaß mit DVONN.

DVONN von Kris Burm, 2 Spieler, Don & Co NV. (Das Spiel ist im Handel nur schwer zu finden. Der Autor nennt auf seiner Website www.gipf.com Bezugsquellen.)

Michael Ziemons

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