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Spielbesprechung

Goldbräu


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CoverWenn der deutsche Journalist Wolfram Weidner über "Fließendes Bayrisch" sprach, meinte er damit nicht (nur) die leidenschaftlich mundartliche Eigenart eines Süddeutschen, sich dem Rest Republik mitzuteilen, sondern eher ein in Bayern als Grundnahrungsmittel anerkanntes Genussmittel: Bier!

Irgendwie verbindet man Biergarten ja doch immer mit Bayern. Ob das nun daran liegt, dass "Goldbräu" aus dem Münchner Hause ZOCH kommt oder ob nun das vorliegende Spiel etwas mit Bayern oder dem ebenfalls die Bier- und Biergärtenkultur pflegenden Nordrhein-Westfalen oder mit einem anderen Bundesland zu tun hat, liegt wohl im Auge des Betrachters. Was in jedem Fall aber zutrifft, ist, dass wir es hier mit einem Spiel zu tun haben, in dem es sich nicht nur um Bier dreht sondern auch um die immer aktuelle Frage "Wer mit wem?".

Nach dem Öffnen der Schachtel, entfaltet man einen Spielplan, der einen großen, rechteckigen und noch ungeteilten Biergarten - Tische, Bänke und Gäste - zeigt. An den Längsseiten drumherum liegen sechs Gebäude, die sich um die Gunst der Gäste in besagtem Biergarten streiten. Die Gebäude sind von oben betrachtet, schön gezeichnet und tragen zur Unterscheidung verschiedene Abbildungen, die ihnen auch die Namen geben ("Zum Hirschen", "Zum Bären" usw.).

In den vier Ecken des Plans liegen schließlich die Absahner - die Brauereien. Diese wiederum versuchen, Ihren Einfluss auf die Biergärten auszuweiten, Personal zu infiltrieren und somit aus dem Wettstreit mit den anderen Brauereien als Oberabsahner hervorzugehen.

Die Spielregel ist alles in allem gut und unterstützt die Spieler mit Beispielen. Ein, zwei detailliertere Angaben hätten das ganze perfektioniert, aber es bestehen keine größeren Lücken. Hilfreich bei der Auswertung und Verteilung der Umsätze ist eine große Tabelle auf der Rückseite der Regel.

Jeder der 3-4 Spieler verfügt (je nach Spieleranzahl) über bis zu 18 Anteilssteine, sechs Cheffiguren sowie drei Aktionskarten in seiner Farbe und ein paar zufällig verteilte Anteilskarten. Weitere Anteilskarten können die Spieler während des Spiels erwerben. Die Anteilssteine und Cheffiguren sind aus Holz, also solide und griffig. Die Karten sind unmissverständlich designed und von ansprechender Qualität. Lediglich das Spielgeld ist ein wenig dünn und damit nicht ganz so handlich.

Zum Material des Spiels gehören ebenfalls einige echte Bierdeckel im Goldbräu-Design. Spätestens hier sollten Sammler hellhörig werden, denn kaum einer wird diese Deckel ihrem eigentlichen Zweck zuführen, sondern sie werden wohl eher als "must-have" in den Schränken verschwinden. Spieltechnisch haben sie keinerlei Bedeutung. Dennoch eine nette Idee.
 

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"Oans...zwoa...g'suffa!"

Die 3-4 Spieler können sich als Anteilseigner der Biergärten und Brauereien verdingen und schöpfen als letztes Glied in der Kette die Gewinne beider Institutionen ab. Wer auf diese Weise am Ende das meiste Geld verdient hat, gewinnt.

Doch bevor es soweit ist, fließt noch eine Menge Bier durch die Zapfhähne, und ab und zu knirschen die Zähne der Mitspieler.

Zu Beginn werden die sechs Biergärten per Zufall an die vier Brauereien verteilt, d.h., jeweils ein Biergarten erhält ein Firmenschild einer Brauerei verpasst. Das hat zur Folge, dass die Hälfte der Einnahmen, die ein Biergarten erwirtschaftet, an die Brauerei fließt, die gerade ihr Schild in dem betreffenden Biergarten zu hängen hat.

Abgerechnet wird aber nur wöchentlich, was bedeutet, dass immer sieben Runden gespielt werden - entsprechend sieben Tagen einer Woche. Am Ende der siebten Runde ist jeweils Zahltag. Es gilt also, mit seinen (mindestens) sieben Aktionen einer Woche darauf hinzuarbeiten, dass man am Ende der siebten Runde möglichst gut aufgestellt ist.

SpielmaterialDazu haben die Spieler grundsätzlich drei Möglichkeiten, die sie anhand ihrer Aktionskarten verdeckt festlegen und dann gemeinsam aufdecken. Sie entscheiden sich dabei zwischen folgenden Aktionen:

1. "Biergarten erweitern", erlaubt es einem Spieler, einen Biergarten, in dem sich gerade einer seiner Chefs befindet, um ein Feld zu vergrößern. Ist er der einzige Spieler, der diese Aktion wählte, darf er sogar um zwei Felder erweitern.

2. Mit "Chef einsetzen/Biervertrag ändern" hat der Spieler die Möglichkeit, entweder einen seiner Chefs in einen Biergarten zu setzen, an dem er bereits beteiligt ist. Steht dort der Chef eines anderen Spielers, wird dieser schlichtweg gefeuert (der Spieler erhält diesen zurück). Alternativ dazu kann er eines der Brauereischilder austauschen, mit denen die Brauerei den Besitz eines Biergartens anzeigt. Letzteres wird er freilich nur machen, wenn ihm die Brauerei auch (mehrheitlich) gehört, deren neues Schild er in den Biergarten legen will. Ansonsten fließen ja nicht ihm die Einnahmen zu sondern anderen Spielern. Hat nur ein Spieler diese Aktion gewählt, darf er sogar zwei dieser Aktionen ausführen. (Zwei gleiche oder zwei verschiedene).

3. Die dritte Aktionsmöglichkeit ist, eine von zwei ausliegenden Anteilskarte zu kaufen. Mit dieser Aktion legt der Spieler überhaupt erst den Grundstein seiner Anteilnahme. Bereits zu Beginn des Spiels erhält jeder der Spieler mittels dieser Karten Anteile an Biergärten und Brauereien. Der Zufall bestimmt, an welchen Betrieben er anfänglich beteiligt ist. Im weiteren Verlauf gilt es nun, durch kluge Ankäufe von Anteilskarten das Mehrheitsverhältnis an (z.B.) einer Brauerei zu seinen eigenen Gunsten zu verändern. Der Kauf einer Anteilskarte erlaubt es einem Spieler nämlich, einen seiner Anteilssteine in den entsprechenden Betrieb zu setzen. Auch hier hat der Spieler, der sich möglicherweise als einziger für diese Aktion entscheidet, einen Vorteil: er muss nur 2 Taler für eine Karte zahlen, während der Preis bei mehr als einem Interessenten auf bis zu 8 Taler anwächst.

Sobald ein Spieler mindestens einen Anteilstein in einem Betrieb hat, kann er dort mitunter kräftig mitmischen. Im besten Fall kann man sogar dadurch schon einen Chef in den Betrieb setzen, obwohl man nicht die meisten Anteil daran hat.

Die Anzahl der Karten pro Betrieb ist begrenzt. Sobald die letzte Anteilkarte eines Betriebes gekauft (und ausgelegt) wurde, werden alle Anteilsteine, die dort nur einfach vertreten sind, entfernt. Das ändert dann u.U. noch mal drastisch die Gewinnverteilung bei Abrechnung.

Und woher kommen die Einnahmen? Wie im richtigen Leben ist es auch hier die Attraktivität der Biergärten, die über die Einnahmen entscheidet. Zum einen ist es die Größe eines Biergartens, die die Kassen klingeln lässt. Je größer der Biergarten, desto lauter klingeln sie. Aber es gibt auch eine schöne Kellnerin, die das Publikum (wie auch immer...) anzieht und einen Trunkenbold, der die Gäste vertreibt. Auf beide hat man ebenfalls durch Karten, die man kaufen kann, Einfluss.

Ka-tsching

Und dann geht's ans Auszahlen. Nach jeweils sieben Spielrunden werden die Einnahmen ermittelt und verteilt. 50 % der Einnahmen eines Biergartens gehen mal per se an die Brauerei, deren Schild in seinem Garten hängt. Die anderen 50 % teilen sich die Anteilseigner des Biergartens. Jetzt zeigt sich, wer seine Anteile gut verteilt hat. Viele Anteile an einem Mini-Biergarten können dabei genauso wenig ertragreich sein wie umgekehrt. Die schöne Kellnerin jedoch kann selbst einen vergleichsweise winzigen Biergarten erheblich aufwerten, denn sie bringt mal schnell 20 Taler mehr in die Kassen. Der Trunkenbold hingegen schädigt jeden Wirt, bei dem er sich bei Abrechnung aufhält, um 12 Taler.

Wenn die Einnahmen der Biergärten entsprechend der Anteile verteilt sind, wird das an die Brauereien geflossene Geld nach dem gleichen Schema aufgeteilt. Spätestens hier zeigt sich, wer nicht nur ein glückliches Händchen hat, sondern auch skrupellos genug war, den Verdrängungswettbewerb für sich zu entscheiden.

Die Chefs haben bei den Abrechnungen eine besondere Rolle. Einen unteilbaren Rest der Einnahmen sacken sie nämlich ein. Das können schon mal ein paar Taler zusätzlich sein.

Dieses Spektakel wiederholt sich zwei weitere Wochen, und dann sollte der Sieger feststehen.

Goldesel?

Keine Frage: bei Goldbräu handelt es sich um ein Wirtschaftsspiel und das sogar im doppelten Wortsinn. Es geht zum einen darum, seine Investitionen in Anteile möglichst sinnvoll zu tätigen. Je weniger Spieler sich gleichzeitig für die ausliegenden Anteile interessieren, desto geringer ist der Preis, den man dafür zahlen muss. Alleine daraus ergeben sich schon vielfältige Überlegungen. Außerdem muss man die Fläche seines Biergartens vergrößern und darauf achten, dass man auch seine Chefs unters Volk bringt. Beides zählen wir mal zu den Produktionsfaktoren. Aber selbst, wenn man einen rieseigen Biergarten errichtet und seinen Chef auf den Thron gehievt hat, nützt es einem nichts, wenn man nicht genügend Anteile an dem Betrieb hat. Dann hat man die ganze Aufbauarbeit geleistet, und die anderen füllen sich die Taschen.

Es ist also ganz besonders eine Frage des Timings. Wann erweitere ich, wann setze ich Personal ein, wann kaufe ich Anteile?! Man sollte sich davor hüten, einen gut erscheinenden Zug zu früh zu machen. Insbesondere in den letzten Spielrunden einer Woche werden die bis dahin getätigten Aktionen oft durch Gegenaktionen der Mitspieler über den Haufen geworfen. Besonders die Chefs sitzen dauernd auf einem Feuerstuhl. Das ist "hire and fire" par excellence. Andererseits: wenn ich zu lange zögere und den Anschluss verpasse, kann ich zu einem späten Zeitpunkt womöglich nichts mehr bewegen.

Diese Gratwanderung hinzubekommen und dabei möglichst viele Faktoren zu berücksichtigen, wird einem erst nach ein paar Partien gelingen. Natürlich entscheidet auch hier möglicherweise am Ende das Quäntchen Glück. Aber wer geschickt antizyklisch agiert, kann den anderen immer eine Nase voraus sein. Man sollte nicht vergessen: wer als einziger eine bestimmte Aktion wählt, hat einen doppelt so großen Aktionsradius, als wenn zwei oder mehr Spieler eine Aktion wählen oder spart zumindest viel Geld.

Eine Steigerung in der zweiten Spielhälfte erfährt das Spiel dadurch, dass die einmal platzierten Anteilsteine keineswegs uneingeschränkt sicher sind. Durch das Entfernen einzelner Anteilsteine bei Ausliegen aller Anteilkarten eines Betriebes kann plötzlich eine sicher geglaubte Einnahmequelle versiegen. Dem gilt es rechtzeitig entgegenzuwirken.

Der besondere Reiz liegt auch darin, dass ich mit einer Brauerei, die mir überwiegend gehört, viel Geld machen kann, obwohl ich in dem oder den Biergärten, die für die Brauerei schuften, keinen Finger rühre.

Wer die Bedingungen, zu denen Wirtschaften ihr Bier verkaufen (müssen) und die Abhängigkeiten von den Brauereien ein wenig kennt, der spürt, wie nah dran dieses Spiel gerade im letzten Punkt an der Wirklichkeit ist. Ob gewollt oder ungewollt: das Strampeln der Wirtschaften um den Markt bei gleichzeitiger Ankettung an bestimmte Produkte haucht Goldbräu Leben ein.

Aber selbst, wenn man das weg lässt, ist die Spielidee erfrischend sommerlich, sogar im Dezember. Mit ein paar Freunden in einem Biergarten zu sitzen und Goldbräu zu spielen gäbe dem ganzen den perfekten Rahmen. Die einzelnen technischen Elemente sind zwar nicht neu, aber in der Verbindung ergeben sie eine interessante Variante. Zu viert bleibt das Spiel längere Zeit spannend als zu dritt, da mehr Anteile der Betriebe im Spiel sind. Funktionieren tut es in jedem Fall. Ein bißchen Überblick ist gefragt, ein bißchen rechnen und etwas Skrupellosigkeit, dann wird es auch Gelegenheitsspielern nicht zu mathematisch.

Ob ich mein Glas aber auf die mitgelieferten Bierdeckel stellen würde..... Man neigt dazu, vielleicht einen zu opfern.

GOLDBRÄU von Franz-Benno Delonge, Grafik: Franz Vohwinkel, 3-4 Spieler ab 10 Jahren, Spieldauer 60-90 Minuten, Preis ca. 25,00 EUR, Zoch Verlag (2004)

Axel Bungart, ab.fakir@gmx.de

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Weitere Infos über "Goldbräu":
despielbox.de deLuding enBoardgameGeek
deSpielefindex deGoogle
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Letzte Änderung: 16.04.2008 15:38 
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