Spielbesprechung
Kupferkessel Compagnie ist "Ein taktisches
Karten-Lauf-Spiel für begeisterte
Zauberköche" - so zumindest steht es auf der
Rückseite dieses recht kompakten Spiels. Trotz der recht
handlichen Packungsgröße von ca. 15 x 20 cm
ließe sich diese fast noch mal auf die Hälfte
reduzieren.
Die Schachtel enthält neben 2 Spielfiguren jede Menge
Karten, die sich grob in 2 Kategorien einteilen lassen: 56
Zutatenkarten und 13 Rezeptkarten.
Es gibt insgesamt 14 unterschiedliche Zutaten und jede Zutat
hat einen Wertungspunkt einer ganz bestimmten Farbe zwischen
1 und 4 in. Die Rezeptkarten sind für eine Regelvariante
reserviert. Daneben gibt es noch 4 Eckkarten und 2
Übersichtskarten.
Ziel des Spiels ist es, als "Zauberkoch" möglichst viele gleiche Zutaten zusammeln.
Die Grundregeln des Spiels sind sehr einfach und schnell
erklärt: Aus den gemischten Zutatenkarten wird ein 6 x 6
Karten großes Feld, offen ausgelegt. In die Ecken
kommen die 4 Eckkarten - 2 von diesen bilden die
Startfelder für die jeweiligen Spielfiguren in schwarz
und weiß.
Als Startkapital bekommt jeder
"Zauberkoch" eine Zutat offen vor sich, in seinen
"Zauberkessel" gelegt. Diese Zutat gibt an, wie
weit man ziehen darf; ist neben der Zutat eine 1 abgebildet,
darf man ein Feld weit ziehen, bei einer 2 zwei Felder usw.
Ist der Zug beendet, wählt man aus der Reihe, vor der
man nun steht, eine Zutat aus, nimmt sie auf und legt sie
offen ganz oben auf seinen persönlichen Ablagestapel, in
den "Zaubertopf". Die entstandene Lücke im
Spielfeld wird mit einer Zutat vom Zutatenstapel
gefüllt. Ist der Zutatenstapel aufgebraucht, wird noch
so lange weiter gespielt, bis ein Spieler aus einer Reihe die
letzte Zutat nimmt.
Nun wird gewertet: Einzelne Zutaten bringen einem hierbei
überhaupt nichts - es kommt sogar noch viel
schlimmer, sie zählen Minuspunkte. Hat man von einer
Zutat zumindest zwei Karten, gibt dies Null Punkte. Drei und
vier gleiche Zutaten bringen Pluspunkte.
Irgendwie erinnert mich dieses Spiel an eine Art
Memory-Spiel mit offenen Karten - was sicherlich auch
irgendwie zutrifft, zumindest wenn man Memory mit
Gedächtnis in Verbindung bringt. Und ein
einigermaßen gutes Gedächtnis braucht man, damit
man auch immer weiß, was bereits an Zutaten weiter
unten im Zaubertopf drin ist.
Was auf den ersten Blick recht einfach aussieht (es ist auch
nicht wirklich schwer), bietet auf den zweiten Blick jedoch
gewisse taktische Zugmöglichkeiten: Welche Zutat soll
ich denn nun sammeln, die giftigen Pilze, die
Schleimtöpfe, das Glas mit den Kulleraugen oder doch die
Flasche mit dem Zaubertrank? Aber es stellt sich nicht nur
die Frage nach der Zutat als solches, also Schleimtöpfe
oder Pilze, sondern auch die Frage, ob ich nun die Pilze mit
dem Wertungspunkt 1 oder z.B. 4 nehmen soll, falls zwei
gleiche Zutaten in einer Reihe liegen. Denn in
Abhängigkeit von meiner aufgenommenen Zutat darf ich in
der nächsten Runde zwischen 1 und 4 Felder weit ziehen.
An dieser Stelle kommt man schon mal kurz ins grübeln.
Und wenn man dann noch von seinem Mitspieler überholt
wird und sich dieser vor einen stellt, ist eh alles dahin. In
diesem Fall muss man das Feld mit der gegnerischen Figur
überspringen, d.h. es wird nicht mitgezählt -
alle lange im Voraus berechneten Züge sind dahin.
Neben dem reinen Sammeln von mehreren Karten einer bestimmten Zutat, gibt es noch weitere Möglichkeiten Punkte zu machen, so z.B. gibt es Punkte für den Spieler, der die meisten Zutaten mit einer 1 hat. Oder hat ein Spieler Karten gesammelt, die Wertungspunkte in seiner Spielfarbe aufweisen, erhält er für diese Karten die doppelte Anzahl an Punkten.
Eine weitere Möglichkeit Punkte zu machen, sind die
Rezeptkarten, die eine Variante oder Erweiterung des Spiels
bilden. Jeder Spieler bekommt am Anfang verdeckt zwei
Rezeptkarten auf die Hand. Gelingt es ihm die Zutaten oder
Kombinationen zu sammeln, die auf dieser Karte stehen, gibt
es Bonuspunkte.
Alles in allem ein in den Grundzügen einfaches und kurzes Spiel für 2 Personen zu einem vernünftigen Preis. Etwas verwirrend ist die Angabe bezüglich des Alters. Auf der Schachtelrückseite heißt es "Für Familien mit Kindern ab 8 Jahren" und in der Spielregel dagegen "für 2 Spieler ab 6 Jahren". Rein gefühlsmäßig denke ich schon, dass dieses Spiel Kindern gefällt, nur ob dies Spiel auch schon für 6 jährige geeignet ist, glaube ich nicht ganz, zumindest würde in diesem Fall sicher die taktische Komponente verloren gehen.
Kupferkessel Co. von Günter Burkhardt, Grafik: Franz Vohwinkel, 2 Spieler ab 6 Jahren, Spieldauer ca. 20-30 Minuten, Goldsieber (2001), ca. 20 DM
Petra Schmidt 25.10.2001
Der Autor bietet auf seiner Homepage auch eine Spielvariante für 3 Spieler an: