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Spielbesprechung Der Untergang von Pompeji |
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In diesem Jahr versucht man sich - neben dem nicht wirklich neuen "Tanz der Hornochsen" - mit einem brodelnden Thema, dem Untergang des antiken Pompeji nach dem Vulkanausbruch im ersten Jahrhundert n. Chr.. Noch herrscht Friede in Pompeji. Bürger reisen von auswärts ein, gründen ein Heim, erzählen ihren Verwandten, wie toll doch die Stadt und der Ausblick ins Gebirge ist, so dass diese die Provinz verlassen und ebenfalls zu Städtern werden. Im Spiel heißt das, dass die Spieler reihum Spielsteine (Bürger) in die farbigen Häuser stellen. Nicht wahllos, denn erstens hält ein Spieler immer vier Karten auf der Hand, auf denen Zahlen die Häuser anzeigen, in denen er sich niederlassen darf, und zweitens ahnt der Spieler bereits, dass dem Frieden nicht zu trauen ist, denn er hat die allumfassende und eindeutige Regel gelesen. So platziert er die Steine möglichst nahe an den Ausgängen der Stadt, welche schön von Oliver Freudenreich gezeichnet, rings um die Stadt verteilt sind. Überhaupt ist die Grafik recht gut gelungen, wenn auch ein wenig der Zweckmäßigkeit unterworfen. Für jeden eingesetzten Stein (also für jede
ausgespielte Karte) zieht der Spieler eine Karte nach. Die
neunte Karte, die nachgezogen wird, ist eine Vesuv-Karte.
Dies bedeutet, dass der Vesuv langsam anfängt, seine
Herrschaft über die Stadt anzumelden. Leider merken die
Bürger der Stadt davon noch nichts. Im Gegenteil, sie
freuen sich des Lebens und möchten immer mehr ihrer
Anverwandten um sich herum versammeln. Explodieren tut dann auch der Vesuv. Irgendwann, kurz bevor der Nachziehstapel erschöpft ist, erscheint die Vesuvkarte ein zweites mal, und spätestens dann heißt es für die Bürger Pompejis die Beine in die Hand zu nehmen. Niemand der Spieler setzt mehr Steine ein, sondern nun versuchen die Spieler reihum ihre Verwandten zu retten. Erschwert wird das ganze dadurch, dass an vielen Stellen in der Stadt die Lava durchbricht und droht, diejenigen, die zwar zentral aber vielleicht eher einsam gewohnt haben, zu versteinern. Bevor also ein Spieler zwei seiner Figuren bewegen darf, muss er aus einem Beutel ein Lavaplättchen ziehen und es im Stadtbereich anlegen. Wo er es anlegen muss, zeigt ihm ein Symbol auf dem Plättchen. Plättchen mit gleichen Symbolen müssen aneinander gelegt werden. Sofern er will (oder muss), kann er mit diesem Plättchen ein paar unliebsame Nachbarn aus dem Weg schaffen. Wenn nämlich an der Stelle, wo eben noch der Nachbar den Rasen mähte, plötzlich ein Lavaplättchen liegt, wird dieser von der Lava verschlungen (oder versteinert, ganz nach belieben). Jedenfalls kann dieser nicht mehr gerettet werden. Danach versucht der Spieler noch zwei seiner eigenen Figuren zu retten. Er darf dabei Richtung Ausgang ziehen und zwar immer so viele Felder weit, wie Figuren auf dem Feld stehen, von dem er loszieht. Dazu ist die Stadt mit einem Quadrat-Raster unterlegt, was genau erkennen lässt, wie viele Steine in einem Feld stehen. Wer die meisten eigenen Steine retten konnte, gewinnt. Rette sich wer kann!Es klingt einfach und banal. Und irgendwie ist es das auch. Aber nichtsdestotrotz sehr unterhaltsam und sogar strategisch. Fürchtet man in der ersten Phase des Spiels, in der man die Bürger einsetzt, noch eine halbe Stunde Langeweile auf sich zukommen, wird man spätestens ab der zweiten Vesuvkarte eines besseren belehrt. Wenn nämlich die Lava ausbricht - man weiß nicht genau wo oder wann - und man noch seine puckelige Verwandtschaft zahlreich in der Stadt umherirren sieht, beginnt man plötzlich zu fiebern. Einzelne Bürger können nicht so schnell fliehen, als wenn mehrere auf einem Haufen stehen. Also ist es ratsam, sich zu versammeln, um dann schneller Richtung Ausgang zu kommen. Aber den letzten beißen auch hier wieder die Hunde, denn je weniger von der Versammlung übrig bleiben, desto weniger weit können diese ziehen. Eile ist geboten! Andererseits steht an einer anderen Ecke der Stadt vielleicht einer recht einsam nahe eines Stadttors, den man mit ein, zwei Sprüngen retten könnte. Ein Drama für Bürger und Spieler gleichermaßen. Mit dem Legen der Lavaplättchen versucht man
natürlich, dem Gegner die Wege ins Freie abzuschneiden
bzw. zu verbauen. Nicht selten ist aber der Weg für die
anderen auch der eigene, so dass sich auch hier öfter
die Dilemma-Frage stellt, wen man retten und wen vielleicht
opfern will. Oder schafft man es doch, durch einen
geschickten Zug die Lava zischen sich und den Gegner zu
bringen? |
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Wenn irgendwann alle Ausgänge versperrt sind oder kein Bürger mehr zu retten ist, endet das Spiel. Meistens nach einer guten halben Stunde. Und das war dann beileibe keine langweilige Angelegenheit. Schon in der zweiten Partie kommt auch dem Einsetzen der Figuren eine andere strategische Bedeutung zu, denn man weiß ja nun, worum es geht. Etwas Glück ist schließlich auch im Spiel, erstens beim Nachziehen der Karten und zweitens beim Ziehen der Lavaplättchen. Das Material ist einfach aber solide. Ein Vulkan aus Pappe ziert dreidimensional den Spielfeldrand und erzeugt ein bißchen Atmosphäre. Insgesamt ist es ein rundes, ausgewogenes Spiel. Die Regeln erlauben einen schnellen Einstieg und bieten daher sowohl Wenigspielern als auch Familien Anreize. Für Vielspieler ein schöner Anwärmer für einen langen Abend. Der Untergang von Pompeji von Klaus Jürgen Wrede, Grafik: Oliver Freudenreich, 2-4 Spieler ab 10 Jahren, Spieldauer 30-45 Minuten, Preis ca. 23,-- EUR, AMIGO (2004) Axel Bungart, ab.famir@gmx.de |
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| Letzte Änderung: 16.04.2008 15:37 |
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