Spielbesprechung
Es gibt Spiele, bei denen schon die Verpackung Lust macht; man möchte sie unbedingt haben, einfach nur, weil sie so schön aussehen. Bei den Spielen aus dem noch relativ unbekannten Verlag „Queen Games“ ist das so: Sie sind alle ausnahmslos schön gestaltet, und man weiß gar nicht, mit welchem man anfangen soll, um zu testen, ob der schöne Schein hält, was er verspricht. Ich habe das bei „Silberzwerg“ getan.
Es geht, wie könnte es anders sein, darum, in tiefen Bergwerken (Moria lässt grüßen) nach kostbaren Edelsteinen zu graben; dazu steht uns ein Team von Buddelzwergen zur Verfügung, die wir verdeckt mit Aufträgen versehen. Es gibt vier verschiedene Sorten von Edelsteinen, und jeder Buddelzwerg kann pro Runde einen jeder Farbe fördern.
Ihre Anführer sorgen für die Würze des Spiels. Faustgleich haben sie zwei Seelen in ihrer Brust, oder besser: zwei Gesichter, können gute Silberzwerge oder gemeine Schattenzwerge sein. Ebenfalls verdeckt, setzen wir sie nach Belieben ein, gut oder böse, um uns zu helfen oder den Gegner zu ärgern. Schließlich hebt jeder seinen Sichtschirm, und die Aufträge an die Zwerge werden offenbar: der Reihe nach führt jeder den seinen aus.

Das Graben nach den Edelsteinen findet nun nicht ganz ziellos statt: es gibt Aufträge, eigene und allgemeine, die wir erfüllen oder verfallen lassen können – nur kostet das, zumindest bei den eigenen Aufträgen, eine saftige Strafe. jeweils 8 Edelsteine gleicher oder verschiedener Farben werden pro Auftrag gefordert, und nur vier Runden bleiben uns Zeit, diese herbeizuschaffen – je nach Anzahl der Schattenzwerge, die der Gegner einsetzt, kann das ganz schön schwer werden! Gott sei Dank gibt es die Edelsteinbörse, an der wir bei Bedarf zu- oder verkaufen können; doch hier ist der Preis, wie immer an einer Börse, nicht unbedingt dann günstig, wenn wir ihn brauchen. Die Anzahl der in der jeweiligen Farbe tätigen Buddelzwerge bestimmt nämlich den Preis.
Wenn alle im Spiel befindlichen Aufträge erfüllt bzw. verfallen oder ein Spieler als erster 600 Silbertaler erzielt hat, ist das Spiel beendet. „Silberzwerg“ ist ein sehr schönes Spiel, das viel Spaß macht. Zu zweit eher konstruktiv, mit vier Spielern dagegen konfrontativer, sorgt es für Spielspaß und dauert auch nicht allzu lang. Zwar hemmt der starre Ablauf der bestimmten Einzelheiten eines Zuges, die genau nach Plan verlaufen müssen, die Spontanität, doch soll „Silberzwerg“ ja auch hauptsächlich ein Taktikspiel sein, in dem man das alles genau vorausplant – und doch bleibt Spannung, denn man kann (dank Sichtschirm) zwar raten, aber nicht wissen, was der Gegner wohl an Aktionen plant. So geht das alte Spiel los: Was glaubt der Gegner, was ich glaube, was er glaubt, (usw. usf.) das ich tue...
Wer gut rät, den oder die Mitspieler geschickt ärgert mit den Schattenzwergen und doch auch ein Silberzwerg bleibt, kann gewinnen – Spaß haben werden aber alle, die sich in die Bergwerke der Zwerge trauen.
Silberzwerg von Gerd Deininger und Andreas Michaelis, Grafik: Franz Vohwinkel, 2-4 Spieler ab 10 Jahren, Queen Games
Michael Ziemons <ziemel@web.de> 09.01.2002
Denis <denisfischer@gmx.de> 11.01.2002 15:29:
Silberzwerg ist wirklich ein gutes Spiel, dass eine ernste Spielrunde auflockern kann. Neben dem schönen Spielmaterial und den einfachen Regeln macht vor allem das Ärgern der Mitspieler durch das Einsetzen der Schattenzwerge Spass, denn oft geht so eine schon sicher geglaubte Auftragskarte verloren bzw. ihr Wert sinkt, da man diese dann ja erst in der nächsten Runde erfüllen kann. Und wer finanziell gut betucht ist, kann seine Mitspieler auch schon mal insofern ärgern, als das er einen gesamten (Rest-)Edelsteinbetrag aufkauft.
Weiter positiv anzumerken ist, dass das Spiel in jeder Besetzung gleich viel Spass macht (auch zu Zweit!) und die relativ kurze SPielzeit von 45-60 Minuten, die man aber auch anhand der Zahl der Auftragskärtchen variieren kann. Insgesamt ein wirklich gutes Spiel.