Spielbesprechung

Wer wird Millionär - elektronisch

Eine nur auf den ersten Blick ungewöhnliche Symbiose bildet HASBRO mit dem Familiensender Super RTL. Eine erfolgreiche Kinder-Show und die "Domino Range", das Spiel zum D-Day, waren u.a. die Früchte dieser Kooperation. Nur wenig ungewöhnlich ist daher auch, daß eine RTL-Sendung die Vorlage eines erfolgreichen Konzepts für ein Familienspiel lieferte: die elektronische Version der europäischen Knaller-Quiz-Show "Wer wird Millionär?". Nach der Brettspiel- und Computerversion kommt nun der Mix aus beidem: die Computerversion für die Handtasche (oder den Reisekoffer).

GesamtansichtAn frühere MB-Spiele erinnernd hat die HASBRO-Tochter Tiger Electronics ein Spiel entwickelt, das mit seinem Äußeren Ufo-Charakter vermittelt. In blauem und transparentem Kunststoff gehalten und mit grünen und roten Blinklämpchen versehen, haben wir einen knapp dreißig Zentimeter im Durchmesser großen Teller vor uns. Ein stabiler Kunststoffuß sorgt für sicheren Stand auf dem Tisch. Auf der Oberseite befindet sich eine Leiste mit vertikal verschiebbaren Sichtblenden, die zum Abdecken der Fragen dienen. Am unteren Rand der Oberseite liegt das Bedienfeld und damit das Herzstück des Spiels. Bis dahin: die Verarbeitung ist gut. Der Teller ist handlich, der Kunststoff wirkt nicht fragil oder empfindlich. Das Bedienfeld mit allen zum spielen erforderlichen Tasten ist übersichtlich und gut bedienbar. Es wird von Leuchtdioden (teilweise blinkend) unterstützt und erinnert in der Aufmachung sofort an den großen Fernseh-Bruder. Ein gewisser Wiedererkennungswert ist also gegeben.

Die erste Überraschung ist die sehr kurze Spielanleitung. Rechnet man bei elektronischen Spielen doch mit einer etwas umfangreicheren Erklärung, beschränkt sich das Regelheft hier auf das Wesentliche.

Nach dem Einlegen der Batterien (Schraubenzieher erforderlich!) kann's losgehen. Die Originalmusik ertönt (etwas krächzend) aus dem kleinen Lautsprecher. Danach wird man - und das das gesamte Spiel hindurch - von einem Moderator dazu aufgefordert, bestimmte Eingaben zu machen oder Vorbereitungen zu treffen. Dazu gehört zunächst auch das Einschieben der Fragekarte, die Eingabe eines Codes, der der jeweiligen Fragekarte zugeordnet ist und die Eingabe, wie viele Spieler teilnehmen (1-6).

Detail1.500 Fragen auf insgesamt 100 Karten stehen den Spielern zur Verfügung. Eine davon (frei wählbar) wird von oben unter die verschiebbaren Sichtblenden geschoben. Hat man alles richtig gemacht und ist den Anweisungen des Moderators gefolgt, kann man nun die erste (untere) Frage auf der Karte lesen. Es folgt die Anweisung an die Spieler, die Frage vorzulesen und über das Bedienfeld die Antwort einzugeben. Haben dies alle Spieler gemacht, kommt die Auflösung. "Wie im Fernsehen" leuchtet die richtige Antwort auf und der Moderator teilt den Spielern mit, wer die Frage richtig beantwortet hat und damit noch im Rennen ist. Ebenso verabschiedet er sich (mit leicht zynischem Unterton) von denen, deren Mut zur Lücke zu groß war. Danach schiebt man die erste Sichtblende nach unten (über die erste Frage) und kann somit die zweite Frage lesen. So spielt man sich von Runde zu Runde, von Frage zu Frage nach dem altbekannten Prinzip.

Was überzeugt?

Ebenso wie das Spielgehäuse sind auch die Fragekarten gut gestaltet. 100 Karten bieten zunächst ausreichend Spielspaß. Die Fragen sind speziell für das Spiel entwickelt und nehmen - genau wie in der Show - mit ansteigender Gewinnsumme an Schwierigkeit zu. Während jedoch in der Show spätestens ab 64.000 DM schon eine gehörige Portion Allgemeinwissen vonnöten ist, sind die Fragen im Spiel durchaus noch beantwortbar. Kurz gesagt: der Schwierigkeitsgrad ist absolut ausgewogen für ein Familienspiel, bei dem die Million dann doch nur geistig gewonnen wird. Schön umgesetzt sind auch die bekannten Joker (50:50, Telefon und Publikum). Beim 50:50-Joker werden die verbliebenen Antworten elektronisch angezeigt. Der Telefonjoker kann auch tatsächlich so eingesetzt werden, was voraussetzt, daß man jemanden hat, der mitspielt und das vielleicht noch nachts um halb eins. Beim Publikumsjoker gibt's eine Besonderheit. Spielt man nämlich mit mehreren Spielern, bilden deren Antworten das Abstimmergebnis, was also ein ganzes Stück Realität ins Spiel einbaut. Nur beim Spiel zu zweit birgt dies eher eine Gefahr, weil die einzig auswertbare Stimme (des Mitspielers) eben auch gleichzeitig das Abstimmergebnis liefert. Beim Spiel alleine ist die Publikumsbefragung dann fiktiv und damit gewissermaßen dem Zufallsgenerator ausgeliefert.

Spielspaß und ein Spannungsbogen ist durch den ansteigenden Level der Fragen ebenfalls vorhanden. Ein klarer Vorteil zur Brettspielvariante ist, daß man nicht fuschen kann. Es ist nicht möglich, zu einer ausgesuchten Frage zu springen, um sich die Antwort anzeigen zu lassen.

Was wäre zu verbessern?

So ansprechend die Moderation des Spiels durch die Computerstimme anfangs auch ist: gerade beim Spiel zu mehreren nervt sie etwas. Denn nach wenigstens zwei, drei Runden ist jeder mit der Technik des Gerätes vertraut. Da benötigt man eben nicht mehr den Hinweis, daß man die Frage laut vorlesen und dann die Antwort eintippen soll. Da aber die Computerstimme unbeeindruckt jeglichen Tastendrucks ihr Sprüchlein aufsagt, wird's dann schon mal der Freundlichkeit zu viel. Leider kommt die Qualität der Sprachausgabe auch nicht an die sonstige Qualität des Spiels heran. Zwar immer verständlich, doch irgendwie krächzend hat man hier etwas gespart. Die knappe aber eigentlich ausreichende Spielanleitung hätte den ein- oder anderen Hinweis auf eine falsche Bedienung (z.B. Karte falsch herum eingesteckt) beinhalten können, denn der Hinweis der Computerstimme ist zuweilen mißverständlich.

Zum Schluß ist noch zu bemerken, daß das Spiel (zur Zeit?) nicht EURO-fähig ist. Wenn also am 01.01.2002 die D-Mark nicht mehr das ist, was sie mal war, ist es auch das Spiel nicht mehr. Beim Preis von ca. 120 DM möchte man aber sicher auch nach dem Weihnachtsgeschäft noch zeitgemäßen Spielspaß haben.

Alles in allem ist "Wer wird Millionär" ein, zwei Runden am Abend gesellschaftsfähig. Der Nerv-Faktor des Moderators ist beim Spiel zu zweit weniger heftig. 1-6 Spieler können sich einen spannenden Wettkampf um die Million bieten. Stellt man die Fragen in den Mittelpunkt (was ja auch der Fall sein sollte), hat man sicher ein außergewöhnliches Spiel mit der Originalmusik und den Soundeffekten aus der Fernseh-Show.

Wer wird Millionär, 1-6 Spieler ab 8 Jahren, Hasbro (2001), ca. 120 DM

Axel Bungart, e-mail: ab.fakir@gmx.de


Enlortte Grisha <varo.roos@roos-online.de> 09.02.2008 09:23:

Das Spiel wer wird millionär mit 1.500 Fragen ist echt super,doch es könnte viel billiger sein.Ich würde es gerne kaufen,leider ist es mir zu viel teuer !

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