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Spielbesprechung Zug um Zug Europa |
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Jeder dachte unwillkürlich an das System von Carcassonne, Alhambra etc., die zahlreiche Erweiterungen in Kombination mit dem Grundspiel anbieten und somit einen unvergleichlichen Variantenreichtum ermöglichen. Man rechnete mit einer Zusatzkarte, die die europäische Landkarte zeigt und auf der es gilt, die Verbindungen nach altem Muster herzustellen. Umso erstaunter ist die Spielewelt, als das neue Zug um Zug Europa im Frühjahr 2005 als komplettes Spiel erscheint, Packungsgröße, -inhalt und sogar -aufmachung sich demzufolge gleichen wie (zweieiige) Zwillinge und damit sich auch der Preis eher vollmundig ausspricht. Zug um Zug Europa kommt somit als eigenständiges Spiel daher und nicht als Erweiterung (im o.g. Sinne). Wer A(merika) sagt ...Zugegeben, der Erweiterungscharakter
ist in einem Punkt unumstößlich: die vorbildlich illustrierte Spielregel ist –
bis auf die Neuerungen – für beide Spiele identisch. Man hat wie bisher drei
Möglichkeiten, wenn man an der Reihe ist: a) Waggonkarten ziehen oder b) eine
Zugverbindung bauen oder c) neue Aufträge ziehen. Eine vierte neue Option ist
d) Bahnhof bauen. Soweit es um die Punkte a)-c) geht, wurde an der kurzen, prägnanten
Regel nichts verändert, was überdies bestätigt, dass bereits die Regel von Zug
um Zug alles sagte, was gesagt werden muss. Auch das Material ist im Wesentlichen unverändert: es gibt für jeden 45 Waggons, Waggonkarten in acht Farben, Joker- und Auftragskarten und natürlich den Spielplan. Die Auftrags- und Waggonkarten sind nun alle in Standardkartengröße. Außerdem – und das ist dann endlich neu – gibt es für jeden Spieler drei Bahnhöfe in seiner Farbe, die er im Laufe des Spiels verbauen kann. Selbst bei weniger genauer Betrachtung des Spielplans wird gleich klar, warum das Spiel seinen Namen trägt. Das Zielgebiet der bahntechnischen Entwicklung liegt zwischen dem französischen Brest im Westen und Rostow am Asowschen Meer im Osten; es erstreckt sich zwischen Stockholm im Norden und Palermo bzw. Smyrna im Süden (alle Angaben leicht stilisiert). Drüber und DrunterUnd noch eines fällt gleich auf:
manche Strecken sind seltsam gezackt umrandet, andere tragen ein
Lokomotiv-Symbol. Und da sind wir dann spätestens bei den Neuerungen angelangt.
Wer nämlich seine Zugverbindung über den Alpen fortführen möchte, muss hierzu
einen Tunnel nutzen, da Züge bekanntlich nicht über Gebirge fahren. Ein solcher
Tunnel wird auf dem Spielplan durch gezackt umrahmte Streckenfelder angedeutet.
Der Spieler muss in diesem Fall zunächst die erforderliche Anzahl an
Waggonkarten der entsprechenden Farbe vorweisen, muss dann aber zusätzlich vom
Nachziehstapel drei Karten verdeckt ziehen und aufdecken. Die meisten Tunnelverbindungen
sind recht kurz, so dass es oft einfach nur ärgerlich ist, wenn man mehr Karten
ausspielen muss. Allerdings gibt es auch längere Tunnel, bei denen schon eine
Portion Glück dazu gehört, um die Verbindungen herzustellen. Die Krönung ist
die – bislang politisch verborgene aber nichtsdestotrotz sensationelle –
Tunnelverbindung von Stockholm nach Petrograd mit einer Länge von acht
Streckenabschnitten (exclusive etwaiger Zusatzkarten). Das entspräche in
Wirklichkeit wohl einem Tunnel von rund 1.200 km Länge oder anders ausgedrückt
einer Untertageverbindung von Paris nach Wien. Wer indes z.B. Sizilien bahntechnisch mit dem Festland verbinden möchte, muss hierzu eine Fähre nutzen. Das bedeutet, dass, sofern über’s Wasser gefahren werden soll, eine bestimmte Anzahl an Lokomotiven (Jokern) bei der Anbindung verwendet werden muss. Wie viele das sind, ist durch entsprechende Anzahl von Lokomotiven-Symbolen auf den jeweiligen Strecken gekennzeichnet.
Es gewinnt bekanntermaßen, wer am Ende die meisten Punkte sammeln konnte. ...muss auch E(uropa) sagen??Die enge Verwandtheit zu Zug um Zug (Amerika) führt unweigerlich zum Vergleich der beiden Versionen. Kurz gesagt gibt es bei Zug um Zug Europa ganze drei Neuerungen. Die Tunnel, die Fähren und die Bahnhöfe. Alle drei Elemente tragen erheblich dazu bei, das Spielgeschehen zu beeinflussen. Insbesondere die Bahnhöfe eröffnen Möglichkeiten, die sich einem u.U. erst nach ein paar Spielen erschließen. Nach einer Partie fällt einem manchmal auf: hätte ich hier einen Bahnhof gebaut, hätte ich das Ziel noch erreicht. Das ganze wird also taktischer und planvoller. Bei Zug um Zug (Amerika) ist es die Länge der Strecken, die meist den Reiz ausmacht. In Europa gibt es überwiegend kurze und mittlere Strecken, daher entfällt die Langstrecken-Punkte-Hascherei weitgehend. Entscheidend ist eher das Überlegen, wie eine Strecke überhaupt (noch) genutzt werden kann. Wer schneller baut, hat die beste Strecke für sich. Dadurch tritt der Konflikt zwischen „Karten ziehen“ und „Strecke nutzen“ stärker in den Vordergrund. Besonders im Spiel zu zweit wird dies deutlich: konnte man bei Zug um Zug anfangs noch Karten sammeln, bis die Hand schmerzte, um dann fast in einem Rutsch zu bauen, ist dies in Europa kaum mehr möglich, da die Räume viel enger sind und damit die zur Verfügung stehenden Strecken bei Bebauung durch den Gegner ggf. entfallen. Umwege sind hier zwar auch möglich, aber zum Teil nur unter erheblich erschwerten Bedingungen (z.B. Tunnel). Und das Nutzen der Bahnhöfe sollte bestenfalls im Notfall genutzt werden, denn jeder nicht verbaute Bahnhof bringt am Ende Punkte. Letzteres ist aber schon bei drei Spielern (und mehr) unumgänglich, weil sich schnell alles knubbelt und die Strecken schneller belegt sind, als man Karten ziehen kann. Darüber hinaus reizt auch hier eine schnelle Erledigung der anfänglichen Aufträge zum Nachziehen von Aufträgen. Und die Kürze der Strecken bewirkt häufiger, dass diese noch erfüllt werden können. Alles in allem ist die Neuauflage von Zug um Zug rundum gelungen. (Ein bisschen) mehr Spiel, aber viel mehr Spannung. Es bleibt sicher diskussionswürdig, ob man sich für diese Erweiterung der Regeln ein komplett neues Spiel kaufen muss. Ein zusätzlicher Plan, dazu die Bahnhöfe und ein einzelnes Blatt mit den Erweiterungsregeln – und für wenig(er) Geld hätte man den gleichen Effekt gehabt. Aber anders betrachtet sind da ja noch diejenigen, die Zug um Zug (I) noch nicht haben und die sich, wenn sie in den Genuss von Zug um Zug Europa kommen möchten, dann beides zulegen müssten. Insofern nehmen wir Zug um Zug Europa als Perfektionierung von Zug um Zug in Sachen Unterhaltung zur Kenntnis und empfehlen es uneingeschränkt als Spiel für sich. Zug um Zug Europa von Alan R. Moon, Grafik: Julien Delval, 2-5 Spieler ab 8 Jahren, Spieldauer 30-60 Minuten, Preis 29,50 EUR, Days of Wonder (2005) Axel Bungart ab.fakir@gmx.de |
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| Letzte Änderung: 16.04.2008 15:38 |
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