Spielbesprechung
Dieses Spiel ist wirklich in wenigen Sätzen erklärt. 36 Plättchen mit Fischen unterschiedlicher Werte werden zufällig in einem Raster von 6 X 6 Feldern ausgelegt. Es besteht Zugzwang, wobei die eigenen Fische senkrecht oder waagerecht gezogen werden. Ziehen darf man nur, um gegnerische Fische zu schlagen. Diese müssen einen gleich hohen oder niedrigeren Wert haben als die eigene Figur, sonst können sie nicht geschlagen werden. Das Schlagen ist eher ein Fressen, denn eroberte Fische werden unter den eigenen gelegt, so daß sich ganze Stapel bilden. Die Zugregeln bewirken, daß eigene Fische oft isoliert sind und man nicht ziehen darf, weil senkrecht und waagerecht keine Beute gemacht werden kann.
Kann keiner der Spieler mehr ziehen, ist das Spiel beendet. Man zählt alle eigenen überlebenden Fische und addiert die gefressenen dazu. Wer so in mehreren Partien zuerst 60 Punkte machen konnte, gewinnt das Spiel. In der Regel ist das nach etwa drei bis sechs Partien der Fall. Es gibt aber auch ein schnelles Ende, wenn man in einer Partie alle Gegner fangen konnte.
Eigentlich ist Da Capo ein Spiel für zwei Personen. Es gibt aber auch eine Variante für drei Spieler. Bei vier Mitspielern werden zwei Teams gebildet. Sogar eine Solovariante wird geboten.
Das Spielprinzip ist sehr gut durchdacht. Schon nach kurzer Zeit rauchen die Köpfe. Obwohl man nur wenige Fische im Auge zu behalten hat, ist es doch äußerst trickreich, den besten Zug auszuknobeln. Oft ist der beste Zug aber auch nur derjenige, bei dem man am wenigsten Verluste hat. Durch den zufälligen Aufbau ergeben sich immer wieder neue Konstellationen. Natürlich gibt es auch schon mal unglückliche Verteilungen der Fische, die eine Partei benachteiligen. So etwas gleicht sich aber dadurch aus, daß meist mehrere Partien gespielt werden. Um eine Seite nicht direkt am Anfang zu schwächen, darf man unter bestimmten Umständen seine beiden stärksten Fische vor Spielbeginn an eine andere Stelle legen.
Sid Sackson hat wieder einmal mit ganz wenigen Spielelementen ein sehr spannendes und anspruchsvolles Spiel geschaffen. Daß Da Capo nach unserer Einschätzung ein sehr gutes Spiel ist, sollte klargeworden sein.
Dennoch ist die vorliegende Ausgabe grausam gemacht. Das beginnt mit dem Titel, der so gar keinen Bezug zum Spiel hat. Die Fischlein sind ja ganz hübsch gezeichnet, der Plan, der mit zwei Reihen Rettungsringen "verschönert" wurde, wirkt ziemlich bieder und langweilig.
Eine Katastrophe aber ist die Spielregel. Wir brauchten drei oder vier Ansätze, bis wir uns die nun wirklich einfachen Regeln zusammengesucht hatten. Teile fanden wir nur im Abschnitt für vier Spieler, und auch der Rest war äußerst unglücklich gegliedert und beschrieben. Die übersichtlichste Darstellung gibt noch der Text auf dem Schachtelboden.
Es ist Piatnik hoch anzurechnen, daß sie gerade jetzt gegen den Trend ein ausgezeichnetes und anspruchsvolles Spiel herausgeben. Aber dann sollte man den Zugang zu diesem Spiel nicht durch eine schlechte Spielregel erschweren. Und ein attraktiver Titel würde dem Verkauf sicherlich auch nicht schaden. Sehr schade!
Da Capo von Sid Sackson, 1 - 4 Spieler, Piatnik, ca. 39 Mark
Berthold Heß