Spielbesprechung
Bereits auf der Spielwarenmesse in Nürnberg im Februar 1995 machte ein Spiel ganz besonders Furore: "Die Siedler von Catan". Während die meisten Spieleverlage immer simplere Spiele veröffentlichen, lief dieses anspruchsvolle Spiel ganz gegen den Trend. Ich sprach Reiner Müller, den verantwortlichen Redakteur, darauf an, und seine sehr heftige Reaktion ist bezeichnend: "Gute und interessante Spiele haben weiterhin ihren Markt, die Käufer sind doch nicht dumm! Aber wir Redakteure haben die Aufgabe, diese manchmal etwas komplexeren Spiele so aufzubereiten, daß die Spieler den Zugang zum guten Spiel leichter finden."
"Die Siedler von Catan" ist beim Verlag Franckh erschienen, der schon seit langem für seine Naturbücher und Experimentierkästen unter dem Markennamen "Kosmos" bekannt ist. (Anmerkung KMW: Seit neuestem laufen alle Franckh-Spiele ebenfalls unter dem Markennamen Kosmos). 1984 begann der Verlag eine Spielereihe zu veröffentlichen, die bei recht kleiner Auflage zumeist anspruchsvolle und besonders schön gestaltete Spiele umfaßt. Schon 1985 wurde "Sherlock Holmes Criminal Cabinet" zum "Spiel des Jahres" gekürt, und weitere Auszeichnungen sollten folgen. Zehn Jahre später nun konnte wieder ein Spiel aus diesem Haus die begehrte Auszeichnung erringen.
Selten war die Prämierung eines "Spiel des Jahres" so unumstritten, denn "Die Siedler von Catan" überzeugte auf Anhieb durch seine spielerischen Qualitäten. Bezüglich der Spielregel hat Redakteur Müller seine hohen Ansprüche eingelöst. Auf einem doppelseitigen Blatt sind die wichtigsten Regeln so zusammengefaßt, daß man ohne große Regelerklärung sofort losspielen kann. Stellen sich dann im Verlaufe des Spiels tiefergehende Fragen, dann gibt ein "Almanach" genanntes Heftchen zu jedem Stichwort erschöpfende Auskunft.
Auch das Material selber ist sehr schön und zweckmäßig gestaltet. Fester Karton mit ansprechender Grafik und hübsche Holzfiguren machen das Spiel auch zu einem optischen Vergnügen. Dabei wurde auf die Details große Sorgfalt gelegt, denn die Farben der Steine wurden sofort geändert, als sich herausstellte, daß sich einige bei Kunstlicht nur schlecht unterscheiden ließen. Das Ganze wird zu einem recht moderaten Preis angeboten.
Doch sehen wir uns das Spielgeschehen einmal an. Aus 37 sechseckigen Kartonplättchen wird eine Insel zusammengesetzt. 19 Landfelder sind von 18 Meeresfeldern umgeben. Dort, wo die Ecken der Plättchen aneinanderstoßen, setzt jeder Spieler zwei seiner Siedlungen ein. An eine Längsseite schließt sich eine Straße an. Jedes Feld zeigt entweder Wälder, Wiesen, Ebenen, Felder oder Berge, die entsprechende Rohstoffe produzieren, außerdem bekommt das Feld eine Zahl zugelost. Zu Beginn einer Runde wird gewürfelt. Felder, deren Zahl dem Würfelergebnis entspricht, produzieren Holz, Wolle, Lehm, Getreide oder Erz. Wer eine Siedlung neben einem solchen Feld stehen hat, erhält eine entsprechende Rohstoffkarte. Mit diesen Rohstoffen kann man weitere Straßen und Siedlungen errichten oder eine Siedlung zu einer Stadt ausbauen.
Jede Aktion benötigt unterschiedliche Kombinationen. So kostet eine Straße Holz und Lehm, während eine Siedlung aus Holz, Lehm, Getreide und Wolle geschaffen wird. Damit die Spieler jetzt nicht nur um die Rohstoffe würfeln, treibt man Handel. Zum einen können die Spieler ihre Karten untereinander tauschen. Zum anderen gibt es aber auch noch Hafenfelder, wo man gegen den Vorrat tauschen kann. Ständig sind irgendwelche Rohstoffe knapp und hoch begehrt. Und jeder Spieler baut schnell seine Straßen und Siedlungen aus, damit er möglichst viele Rohstoffe produziert. Für Wolle, Getreide und Erz kann man sich noch Entwicklungskarten kaufen, die einem mit positiven Ereignissen weiterhelfen.
Ein weiteres Zufallselement bringen die Ritter und Räuber. Sie unterbinden die Produktion auf einem Feld, und außerdem darf man beim Gegner eine Rohstoffkarte ziehen. Aktiv werden sie durch einen Würfelwurf oder die entsprechende Entwicklungskarte. Das Spiel gewinnt, wer als erster zehn Entwicklungspunkte ausweist. Diese gibt es für Siedlungen und Städte, aber auch für bestimmte Entwicklungskarten oder den Bau der längsten Straße der Insel.
Das Spielgeschehen ist immer wieder anders und neu herausfordernd. Es bietet genau die richtige Mischung aus Glück und Taktik und ist nach knapp anderthalb Stunden beendet. Immer neue Herausforderungen ergeben sich auch daraus, daß die Insel Catan jedesmal anders aufgebaut werden kann. Da gibt es auf einmal Gebiete, in denen sich beispielsweise die Holzproduktion konzentriert, so daß dort angesiedelte Spieler auf diesen Rohstoff nahezu ein Monopol haben. Um es dem Anfänger aber nicht zu schwer zu machen, gibt die Spielregel einen sehr ausgeglichen Musteraufbau der Insel vor, mit dem man zunächst spielen sollte.
"Die Siedler von Catan" ist ein weiteres Meisterstück von Klaus Teuber, vielleicht sogar sein bisher bestes Spiel. Der Zahntechnikermeister hat sich als begnadeter Spieleautor erwiesen, dessen Ideen bereits dreimal zuvor als "Spiel des Jahres" ausgezeichnet wurden (1988 "Barbarossa", 1990 "Adel verpflichtet", 1991 "Drunter und Drüber"). Er besteht kompromißlos auf Qualität, so daß er oft auch die Veröffentlichung eines seiner Spiele ablehnt, wenn der Verlag seine Ansprüche nicht erfüllen will. Diese Einstellung hat uns jetzt dieses ausgezeichnete Spiel geschenkt. Aktuell ist Anfang 1996 jetzt noch ein Ergänzungssatz erschienen, mit dem man das Spiel jetzt auch zu fünf oder sechs Spielern spielen kann. Weitere Neuerungen werden im Herbst folgen, so ein Kartenspiel und eine Version auf CD-ROM.
Die Siedler von Catan von Klaus Teuber, 3 oder 4 Spieler, Kosmos-Spiele, ca. 59 Mark
Die Siedler von Catan Ergänzungssatz von Klaus Teuber, 5 oder 6 Spieler, Kosmos-Spiele, ca. 25 Mark
-Dorothea & Berthold Heß
FightdemoN <FightdemoN@a-topmail.at> 02.04.2001 16:59:
"Die Siedler von Catan" bzw. "Die Sternenfahrer von Catan" sind GENIAL. Ich besitze "Die Siedler von Catan", "Das Kartenspiel für 2 Spieler", "Die Sternenfahrer von Catan", "Die SEEFAHRER Erweiterung",
"Die STÄDTE & RITTER Erwieterung" und die 2 Kartenspielerweiterungen "Politik & Intrige" und "Wirtschaft & Fortschritt"..... und bin hellauf BEGEISTERT!!!!!!!
Klaus Teuber ist GENIAL!
Hagen <hagenschulze@web.de> 07.08.2002 18:02:
Die Siedler von Catan ist mit eines der besten Spiele. Unzählige Möglichkeiten in Form von eigenen Szenarien lassen das Spiel nie langweilig werden. Man kann beim Kauf der Siedler nicht danebenliegen.