Spielbesprechung

Serenissima

Wer beherrscht das Mittelmeer?

Serenissima Spielbrett 
 
 
In Nürnberg 1996 noch vorgestellt als "Die Könige des Mittelmeeres", jetzt unter dem Titel "Serenissima" lieferbar, das neue Spiel von Eurogames


"Serenissima", so nannte sich stolz die Republik Venedig im 15. Jahrhundert. Ihre Galeeren beherrschten das Mittelmeer, und seine Handelshäuser bewegten unermeßliche Reichtümer. Doch Spanier, Türken und Genuesen machten Venedig die Vorherrschaft streitig. Diese Situation ist in dem Spiel "Serenissima" abgebildet. Ziel ist es, die Vorherrschaft im Mittelmeerraum zu gewinnen. Dabei zählt die Kontrolle von Häfen, Waren, die in den Häfen gelagert sind, und natürlich Geld. Man baut Galeeren, heuert Seeleute und Soldaten an und versucht möglichst viele Häfen unter Kontrolle zu bekommen. Die Galeeren belädt man mit den Waren, die in den Hafenstädten angeboten werden. Nach mehr oder weniger langer Seereise werden diese Waren dann dort verkauft, wo es sie bislang nicht gab. Natürlich gibt es auch Überfälle, bei denen Schiffe gekapert oder ganze Städte erobert werden. Kämpfe sind aber meist eine kostspielige Taktik. Besser ist es oft, geschickt zu verhandeln und ein weitverzweigtes Handelsnetz aufzubauen. Dargestellt wird das alles mit sehr schönem und aufwendigen Spielmaterial, das eine Partie zusätzlich zu einem Vergnügen macht. Serenissima ist ein raffiniertes Taktikspiel, bei dem alle Register gezogen werden: strategische Planung, Verhandlungsgeschick, Glück und genaue Beobachtung der taktischen Situation. So vergehen die gut zwei Stunden Spieldauer im Fluge, denn ständig sind Entscheidungen zu treffen. Dabei darf man nicht zimperlich sein, denn der Wahlspruch der Serenissima ist: "Alle Mittel sind legitim, solange sie nur der Ausweitung der Macht Venedigs dienen."

Serenissima Detailansicht 
 
 
Galeeren transportieren Waren über das Mittelmeer; die Anzahl der Seeleute (blau) bestimmt die Geschwindigkeit und zählt zur Kampfstärke bei Seegefechten.


Serenissima von D. Erhard und D. Vitale, Verlag: Eurogames, Spielerzahl: 2-4, Alter: ab 10 Jahren, Preis: ca. 70 DM<>

Berthold Heß


Redaktion Reich der Spiele <info@reich-der-spiele.de> 16.04.2001 21:07:

Eines der interessantesten und reichhaltigsten ausgestatteten Spiele ist Serenissima von Eurogames. Das Spiel um die Vorherrschaft im Mittelmeer-Raum im 15. Jahrhundert glänzt zudem durch eine umfangreiche und alle Fragen beantwortende Spielanleitung.

Ziel des Spiels ist es, als Handelsmacht Venedig, Genua, Valencia oder Istanbul möglichst viele verschiedene Waren in die Kontore seiner Häfen zu bringen. Dazu muss man mit seinen Schiffen zu den Städten fahren, die die gewünschten Waren produzieren, diese dort kaufen und in die Heimatdepots bringen. Anfangs hat man nur einen der vier Ausgangsstützpunkte, im Laufe des Spiels kann man aber weitere Orte "übernehmen", indem man dort Seeleute absetzt. Da die Orte immer nur eine der sieben verschiedenen Waren fabrizieren, und die Waren Gold, Edelsteine und Gewürze selten und damit begehrt sind, versucht wenigstens einige dieser Orte zu übernehmen und durch anzuheuernde Seeleute zu verteidigen. Das wollen natürlich alle und schon kommt es zu Konflikten, die aufgrund von Würfelzahlen und der Anzahl der am Gefecht beteiligten Seeleute. Diese sind besonders in der späteren Phase des Spiels häufiger und umfangreicher.

Das Aktionsprinzip bei Serenissima ist sehr durchdacht. Die Schiffe fahren immer so viele Felder weit, wie sie Seeleute an Bord haben. Gleichzeitig ist aber nur Platz für maximal 5 Seeleute oder Waren. Wer also viele Waren transportiert, kommt weniger schnell voran und ist eine leichte Beute für Schiffe mit voller Besetzung. Stört ein Spieler das daraus resultierende Gleichgewicht von Handel und Kampf einseitig durch zu viele Kämpfe oder zu wenig Schlagkraft, läuft er Gefahr das Spiel zu verlieren. Denn am Ende zählen nicht die Seeleute, sondern nur die Waren, die in den Kontoren der eigenen Städte lagern. Dabei wird zwischen Hauptstützpunkten, großen und kleinen Städten unterschieden, die verschieden viele Dukaten für den Verkauf der Waren einbringen. Dieses Geld ist notwendig, um weitere Schiffe zu bauen, Seeleute anzuheuern oder gar Befestigungsanlagen zu bauen. Während Seeleute "nur" Geld kosten, müssen für Schiffe und Befestigungsanlagen auch die entsprechenden Materialien im Hafen lagern. Es ist also Weitsicht angesagt. Will man ein Schiff bauen, benötigt man im Kontor Tuch und Holz. Durch die Schaffung eines Handelsmonopols kann man zusätzlich Geld scheffeln, denn die Mitspieler müssen die heiß begehrten Rohstoffe dann zu überteuerten Preisen kaufen, wollen Sie nicht auf diese verzichten. Ähnlich lohnt es sich einen Mitspieler eine bislang fehlende Ware in seine Kontore zu legen, denn das öffnet neue Märkte und bringt zusätzliche Einnahmen.

So spinnt sich langsam aber sicher ein reges Treiben, dass wirklich eine gute und realitätsnahe Simulation des mittelalterlichen Handels ist. Wir hatten bei dem Spiel immer Spaß, auch wenn einige Spieler gegen Ende des Spiels immer wieder auf die Idee kamen, echte Kaperschiffe zu bauen, die dann nur darauf aus waren, wichtige Waren direkt von den Schiffen der Mitspieler zu besorgen. Etwas abschreckend wirkt dieses Spiel allenfalls auf Gelegenheitsspieler, denn es sollten bei vier Spielern mindestens drei bis vier Stunden Spielzeit eingeplant werden.



Peer Sylvester <peerchen@hotmail.com> 04.05.2002 13:29:


Kurzbeschreibung:
Jeder Spieler übernimmt die Kontrolle einer Stadt im Mittelmeerraum und bekommt ein Startkapital, zwei Galeeren in diese Stadt (Venedig, Genua, Istanbul, Valencia) sowie einige Seeleute, die zur Bewachung der Stadt und/oder zur Bemannung der Galeeren dienen können. Das Spiel selbst verläuft in Runden, wobei jede Runde einige Phasen durchläuft. In der ersten Phase bietet jeder geheim Geld für das Recht, sich aussuchen zu dürfen, wann man in dieser Runde ziehen möchte. Anschließend wird gekauft: In jedem Hafen kann eine Handelsware erworben und in die dort stationierte Galeere gelegt werden. Gehört der Hafen einem Mitspieler, so darf der den Preis festlegen, wobei er maximal das Dreifache des Normalpreises verlangen kann (es sei denn, er kontrolliert alle Häfen mit der entsprechenden Handelsware, dann kann er bis zum zehnfachen verlangen). In diesem Fall bekommt der Mitspieler das Geld, ansonsten die Bank. Auch können Galeeren (um mobiler zu sein) oder Festungen (um eigene Häfen besser zu schützen) erworben werden, was allerdings die Präsenz bestimmter Rohstoffe in diesem Hafen voraussetzt. Und es können Seeleute angeheuert werden, wobei die maximale Anzahl an Seeleuten von der Frequentierung des entsprechenden Hafens abhängt. Seeleute können zur Verteidigung des Hafens oder zum Bewegen der Galeeren eingesetzt werden. Die Galeeren werden in der nächsten Phase versetzt und ihre Reichweite hängt von der Anzahl der Seeleute in dieser Galeere ab. Dass jeder Seemann einer Ware den Platz wegnimmt macht die Sache mitunter recht knifflig. Außerdem können Seefelder durch fremde Galeeren blockiert werden: Betreten werden dürfen sie, aber zum Verlassen braucht man die Erlaubnis des anderen. Befinden sich Galeeren im selben Seefeld so kommt es in der nächsten Phase zu Gefechten. Auch können fremde Häfen angegriffen werden. Der Kampf findet per Würfel statt, wobei die Anzahl der Seeleute noch als Bonus draufgeschlagen werden. Befinden sich nach den Gefechten Galeeren in Häfen, die nicht (mehr) durch Seeleute geschützt werden, kann man diesen Hafen durch anlanden einfach in Besitz bringen. Am Ende der Runde werden dann endlich Waren verkauft. Der Platz in jedem Hafen ist begrenzt, es gibt kleine (2 Lager) und mittlere (4) Häfen, sowie die Hauptstädte (6) und in keinem Hafen darf die dort produzierte Ware verkauft werden und jede andere Ware darf nur einmal verkauft werden. Dafür steigen die Preise für die noch nicht dort platzierten Waren im Laufe des Spiels. Am Ende einer bestimmten Zahl von Runden endet das Spiel und Siegpunkte werden gezählt. Siegpunkte gibt es für Geld, den Besitz der eigenen Hauptstadt und vor allem für Häfen, wobei volle Häfen (also Häfen, die ihre maximale Kapazität erreicht haben) deutlich mehr Punkte, als nicht volle. Wer am meisten Punkte hat gewinnt.

Empfehlung:
Serenissima ist ein anspruchsvolles Spiel, bei dem Kampfstärke genauso gefragt ist, wie Geschick beim Warentransport. Es ist komplex und die Spieldauer ist nicht gerade kurz, aber es spielt sich noch etwas schneller als vergleichbare Spiele, wie z.B. Zeitalter der Renaissance. Zudem ist die Ausstattung wirklich gut, wenn auch etwas unübersichtlich. Und es spielt sich hervorragend zu dritt. Wer komplexere Spiele mag, dem sei Serenissma ans Herz gelegt.

Gesamtnote: 4,0 (Durchschnitt aus drei Bewerterungen, 1= Mist, 5 = Absolutes Toppspiel))

Abstrak OOOXO Thema
Glück OOOXO Können
Leicht OOXOO schwierig
Wenig OOOXO viel Aufwand


Greeven il-Vec <Greeven1@gmx.de> 24.12.2004 18:34:

Das Strategie Brettspiel überhaupt!!!Das Glück wurde auf ein Minimum reduziert, wie ich es noch nie gesehen habe.Die Schwierigkeit dieses spieles ist enorm, wenn man die richtigen Gegner hat, welches leider auf mich nicht zutrifft und aufgrund dieser Tatsache möchte ich nach meinesgleichen im Raum Berlin suchen und hoffe auf solche.Das Spiel ist der Hammer... Die Heitersten rules!!!

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