Spielthema

Puzzles

Puzzlevergnügen in neuen Dimensionen

Puzzles sind spätestens seit der Wiedervereinigung ein ganz großer Renner im Freizeitmarkt. Nachdem sie zunächst besonders in den neuen Bundesländern boomten, rollt die Erfolgswelle längst auch im Rest der Republik. In ganz Europa sind Puzzles ein echter Renner. Dabei hat das Puzzle, wie wir es kennen, eine recht lange Tradition.

Etwa 1767 zerlegte der englische Kartograph und Zeichenlehrer John Spilbury eine Landkarte von England und Wales, um sie von seinen Schülern wieder zusammensetzen zu lassen. Schnell verbreitete sich diese Idee, und so dienten die Puzzles zunächst dem Geographieunterricht. Zu Beginn des Jahrhunderts konnte man dann die Puzzles maschinell herstellen, und ein regelrechtes Puzzlefieber brach aus. Jetzt ist diese Spielform ein wahrer Volkssport geworden.

Über mehr als hundert Jahre hat es bei der Grundidee des Puzzles kaum Änderungen ergeben. Die Teile waren unregelmäßig geformt, und als Material wird Holz oder Pappe verwendet. Der Schwierigkeitsgrad ergibt sich aus der Zahl der Teile, die zwischen einem Dutzend bei Puzzles für Kleinkinder bis zu 12.144 bei einem Rekordpuzzle schwankt. Aber auch wenn das abgebildete Motiv große, gleichfarbige Flächen hat, wird es schwieriger.

Bis heute dominieren idyllische Motive den Markt. Neuschwanstein, niedliche Tiere oder romantische Landschaften stehen immer noch ganz hoch in der Gunst der Käufer. Einige zaghafte Versuche, Neuerungen einzuführen, verliefen im Sande. So gab es gelegentlich kreisrunde Puzzles oder aber die "Super Star Puzzles" von Heye, bei denen alle 216 Teile die gleiche Form hatten.

In den letzten Jahren aber haben die Verlage dem altehrwürdigen Puzzle ganz neue Dimensionen eröffnet. Die Motive werden aus viel mehr Themengebieten genommen. Bilder aus dem Bereich Fantasy, Kinofilm, Comicfiguren, Esoterik und im Ausland sogar recht gewagte Erotikmotive wollen zusammengesetzt werden. Ganz aktuell sind "Magic-Eye-Puzzles", bei denen sich mit dem richtigen "Schiel-Blick" hinter dem sonst sichtbaren Bild weitere Motive erschließen. Auch beim Material gibt es Neues. Da entstehen Metallicpuzzles oder Puzzles, die im Dunkeln leuchten. Aus Schaumstoff wird eine Puzzle-Serie gefertigt, mit denen man dreidimensionale Häuser, ganze Straßenzüge oder sogar das Schloß Neuschwanstein als großes Modell zusammenpuzzelt.

Seit 1993 bringt der Verlag F.X.Schmid seine Reihe der "Krimi-Puzzles" heraus. In einem kleinen Heftchen wird ein Kriminalfall geschildert. Ohne eine Vorlage ist nun eine Puzzle mit 500 oder 1.000 Teilen zusammenzusetzen. Ist das geschehen, kann man mit genauer Beobachtungsgabe und etwas Deduktion den Kriminalfall lösen.

Im letzten Jahr nun hat der amerikanische Anbieter Hasbro/MB eine ganze Flut von Puzzles nach Deutschland gebracht, die dem Puzzleliebhaber ganz neue und ungewohnte Herausforderungen bieten. Bei den "Quasselteilen" müssen die Teile, die alle die gleiche Form haben, ohne Vorlage zusammengesetzt werden. Die richtige Reihenfolge ergibt sich aus der Geschichte, die auf den Teilen erzählt wird. Ähnliches bietet "Straßentüftel", wobei Straßenschilder die Hinweise geben. Wer ein Puzzle immer vom Rand her löst. wird an "Eck-Connection" verzweifeln, das 16 Ecken, 28 Seiten und 650 Teile mit geraden Kanten aufweist. "Multi-Picture" hingegen hat gar keinen Rand. "Doppelt gemoppelt" bildet dasselbe Motiv auf Vorder- und Rückseite ab, nur eben um 90 Grad gedreht.

Da Puzzler alles ganz genau nehmen müssen, sei nicht verschwiegen, daß einige dieser Puzzleneuheiten auch Fehler enthalten. So gibt es nicht nur Qualitätsunterschiede, sondern auch einige Ungereimtheiten, die aber letztlich den Spielspaß nicht verderben.

1995 nun ist die rasante Weiterentwicklung des Puzzles offiziell anerkannt und ausgezeichnet worden. Stellvertretend für die vielen neuen Puzzle-Ideen hat die Jury "Spiel des Jahres" für das "3-D-Krimi-Puzzle" von MB einen außerordentlichen Sonderpreis vergeben. Das ist insofern besonders bemerkenswert, weil es in den 16 Jahren, wo es den Preis "Spiel des Jahres" gibt, erst zwei solcher Sonderpreise gegeben hat. 1980 war dies "Rubiks Zauberwürfel" als "Solitärspiel" und 1988 "Sauerbaum" als "Kooperatives Spiel".

Das "3-D-Krimi-Puzzle" wird dreidimensional rund um den Verpackungskarton aufgebaut. Auch hier gibt es keine Vorlage. Es ist die Ansicht eines Hochhauses zusammenzusetzen, wobei man ins Innere sehen kann. Die einzelnen Puzzleteile müssen so in eine sinnvolle Reihenfolge gebracht werden, daß ein Kriminalfall gelöst wird. So wird nicht nur das Puzzle in drei Dimensionen gebaut, auch die geistige Herausforderung stellt sich in mehrfacher Hinsicht. Durch die vielen neuen Ideen hat das etwas betuliche Puzzlen ganz frischen Schwung bekommen.

Aktuell in Nürnberg auf der Spielwarenmesse stellte MB jetzt dreidimensionale Puzzles vor, wo ganze Häuser, der Eiffelturm oder Big Ben aus Kunststoffstücken zusammengesetzt werden. Bei Ravensburger leuchten die Puzzles jetzt sogar farbig, und eine ganz tolle Neuerung kommt mit den "Sculpture-Puzzles" aus England (Really Usefull Games Ltd). Dort setzt man zunächst flache Scheiben aus den bekannten Puzzleteilen zusammen. Dann wiederum werden diese Scheiben zu ganzen Figuren zusammengefügt. Auch bei F. X. Schmid gibt es Neues, denn die Storys der Krimi-Puzzles werden jetzt von bekannten deutschen Krimiautoren geschrieben. Es tut sich also immer wieder was in der Puzzleszene.

Dorothea & Berthold Heß

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