Spielbesprechung
Der Name des neuen Spiels aus dem Zoch-Verlag mutet ebenso
abenteuerlich und fremdländisch an, wie der Autorenname: Zoltan Aczel. Doch
sind beim Autorennamen noch ungarische Wurzeln festzustellen, bleibt der
Spieletitel fremd.
Weder Kollegen, noch Presseunterlagen - leider auch die
Spielanleitung nicht - lassen sich über Ursprung und Sinn von
Tokami aus.
Eine Spur könnte nach Japan führen. Hier kennt man den Begriff "kami" für Gott - bei uns sind vielleicht die Kamikaze-Flieger des Zweiten Weltkriegs, die Piloten des Götterwindes, bekannt. Für "to" könnte man eine sinojapanische Ableitung für "groß" annehmen, was aber weit hergeholt ist. Das drängt sich schon von daher auf, daß ein Geschicklichkeitsspiel mit dem "großen Gott" schwer in Einklang zu bringen ist!
Eine weitere Spur führt in das Reich des Sprachspiels - und scheint auf Anhieb die Lösung bereitzuhalten: Wer die drei Silben "to", "ka" und "mi" ein wenig miteinander kombiniert und das "t" als fränkisches weiches "t" umlautet, kommt auf "Mikado"! Das weist - gewollt odet nicht gewollt - auf ein Spielprinzip hin, dem Tokami folgt: Die Spielermüssen mit Geschick Holzteile umstapeln bzw. umgruppieren. Dabei sollten die Teile nicht aus dem großen X herausfallen.
Spielmaterial
Der Zoch-Verlag ist für seine holzstarrenden Spielmaterialien bekannt und hoch dekoriert worden. Diesem seinem Prinzip treu geblieben, ist auch sämtliches Spielmaterial von Tokami aus Holz. Freilich ist das nicht sehr viel: "Zwei zusammensteckbare Brettchen, 36 Stäbchen", das ist die knappe und zutreffende Beschreibung des Spielmaterials in der Spielanleitung. Während die beiden "Brettchen" schwarz sind, sind die Stäbchen in vier verschiedenen Fraben lackiert: rot, gelb, blau und grün.
Die Spielanleitung bescheidet sich auf zwei DinA5-Seiten. Hauptsächlich sind diese mit Text beschrieben, doch ob der guten Strukturierung sowie den graphischen Darstellungen lassen sich die wenigen Regeln schnell verstehen oder nachschlagen. Im Anschluß an die Regeln werden anhand von 11 Abbildungen mögliche und nicht erlaubte Züge graphisch aufgeführt. Dadurch sind einem schnellen Verstehen Tür und Tor geöffnet.
Tokami fordert Geschick und Fingerspitzengefühl der Spieler ebenso, wie ballistisches Vorstellungsvermögen. Wer ein gutes Auge dafür hat, wo sich welche Massen abstützen, wird leicht gewinnen. Ziel ist es, die meisten Stäbchen regelgerecht aus dem X zu ziehen. Je nach Anfangsposition ist das leichter oder schwerer; da den Spielern zwar eine Startposition empfohlen, nicht aber vorgeschrieben ist, bestimmen alle mit, wie schwer der Dunchgang werden soll.
Stäbchen bekommt man in zwei Phasen: Zunächst muß man ein beliebiges Stäbchen aus seiner Startposition in eine höhere Lage bringen. Nach Abschluß dieser Phase muß das Stäbchen mit irgendeinem Teil seiner selbst höher liegen, als voher. In der zweiten Phase darf man sich ein Stäbchen als Belohnung nehmen. In beiden Phasen sollte jedoch kein Stäbchen herunterfallen, denn sonst zählt alles negativ!
Das muß nicht notwendig heißen, daß man verloren hat, denn schafft man es, irgendwann ein Stäbchen der Farbe zu bekommen, die in einer eigenen Phase heruntergefallen waren, darf man die negativen (farbgleichen) Stäbchen wieder weglegen. Auch zu beachten ist, daß rote Stäbchen zwar nichts positiv, wohl aber negativ zählen. Demzufolge ist angeraten, rote Stäbchen möglichst nicht vom X zu holen.
Eine letzte, durchaus sinnvolle Regel besagt, daß ein gerade umgeschichtetes Stäbchen von dem nachfolgenden Spieler nicht gleich wiever verwendet werden darf - nicht zum Umlegen und nicht als Belohnung. Ansonsten liefe sich das Spiel tot.
Tokami hebt das bekannte Mikado vom Tisch in ein X - also in die Luft. Was man bei Mikado nicht darf, ist kontrolliert bei Tokami erlaubt: Die Teile dürfen sich innerhalb des X bewegen, jedoch nicht aus ihm herausfallen. Das erfordert geschickte, ruhige Hände und Wagemut zu gleichen Teilen.
Die Farbregel (rot zählt nur negativ) ebenso, wie die Zugregeln garantieren ein spannendes und anregendes Taktieren. Auch wenn man einmal einen Fehler macht, bleibt man durch den möglichen Ausgleich bis zuletzt im Spiel - ja kann sogar trotzdem noch gewinnen! Und wenn das nicht mehr möglich scheint, bieten sich noch genügend Möglöichkeiten, den Mitspielern ballistische Fallen zu stellen.
Der Preis von über 40,00 DM erscheint auf den ersten Blick hoch. Absolut gesehen ist er das auch - bedenkt man, daß mit Tokami "nur" eine interessante Variante von Mikado zu erwerben ist. Gerät aber die hohe Qualität der Holzteile in den Blick, die durch ihre Griffigkeit das Spielen auch abseits des X anregen, relativiert sich der Preis und erscheint nun wieder als durchaus angemessen. In beiden Fällen bleibt Tokami ein empfehlenswertes, flottes Geschicklichkeits- und Taktikspiel.
Jürgen Henrich
Tokami
Zoltán Aczél
Zoch Verlag
2-5 Spieler
ab 10 Jahre
Dauer: 20-30 min.
Preis: ca. 42,50 DM
persönliche Note: 2+
Albrecht Werstein <a.werstein@zoch-verlag.com> 19.09.2000 19:06
Der Verdreher hin zu Mikado wurde voll erkannt.
Ansonsten ist TOKAMI japanisch und heißt sieben Götter.
Auf den Namen kamen wir, weil ein befreundeter Japaner in München ein Restaurant gleichen Namens betreibt und wir es aufgrund der Silbenverdrehung hin zum fränkischen Mika"d"o recht originell fanden.