Spielbesprechung:

Die Sternenfahrer von Catan

Catan – unendliche Weiten

Spielmaterial

Sie haben einen Zeitsprung gemacht, die catanischen Siedler, und sind im Jahr 2700 n.Chr. gelandet. In den dazwischen liegenden Jahrhunderten haben sie die Grenzen ihrer kleinen Ursprungsinsel überwunden und Kolonien im Weltraum gegründet. Die sind nun Ausgangspunkt für Reisen zu noch ferneren Völkern, die Gewinnung neuer Rohstoffquellen und die Errichtung neuer Kolonien.

SpielmaterialWer sich zum erstenmal an den gedeckten Spieltisch setzt, ist beeindruckt von der Fülle an Material. Neben dem großflächigen Spielplan liegen für jeden Spieler kleine Raumtransporter, Kolonien, Handelsstationen und Raumhäfen (aus Kunststoff) bereit, um die unendlichen Weiten des catanischen Weltalls zu entdecken, zu erforschen und zu besiedeln. Die Fähigkeiten dieser "Kleinteile" werden in einem 13 cm großen Mutterschiff verkörpert, das quasi als "Anzeigetafel" neben dem Spielplan steht. Jeder Ausbau dieses Mutterschiffs mit Antriebsraketen, Frachträumen und Bordkanonen wirkt sich auf die Raumflotte aus.

StartaufstellungDer den Cataniern bekannte Weltraum liegt am einen Ende des Spielplans und besteht aus 4 Sonnensystemen mit jeweils drei Planeten, die während des Spiels Rohstoffe produzieren. Siedler-Spieler kennen das Prinzip: Zwei Würfel entscheiden, welcher Planet (Sechseck) produktiv wird. Jeder Spieler besitzt in diesen Sonnensystemen von Beginn an zwei Sied..., pardon, Kolonien und einen Raumhafen. Letzterer ist für die Fabrikation von Raumschiffen zuständig. Die brauchen Sie natürlich, um in die Tiefen des Spielplans vorzustoßen.

Dort liegen weitere Sonnensysteme, jedes ebenfalls drei Planeten groß. Welche Rohstoffe dort zu gewinnen sind, erfahren die Catanier erst beim Anfliegen und können sich dann entscheiden, ob es sich lohnt, hier Kolonien zu gründen. Einige Welten entpuppen sich als Piratennester und können nicht ohne weiteres kolonialisiert werden. Allerdings sind die Piraten beeindruckt, wenn das anrückende Raumschiff mit einer Mindestzahl an Bordkanonen bestückt ist, und geben ihr Nest kampflos auf. Wer angesichts der Erwähnung von "Bordkanonen" befürchtete, daß die Catanier sich zu einem kriegerischen Volk entwickelt hätten, kann also beruhigt sein: sie dienen nur als Drohgebärden, gekämpft wird auch in der Zukunft Catans nicht.

MutterschiffÄhnlich wie die Piratennester müssen andere Welten, die "Eisplaneten" erstmal aufgetaut werden, bevor ein Catanier dessen Rohstoffe nutzen kann. Auch dafür ist eine bestimmte Ausrüstung erforderlich. All dieses Ausrüstungen werden, wie bereits erwähnt, am Mutterschiff angepoppt und angesteckt und gelten dann für alles, was über den Spielplan fliegt.

FreundschaftskarteNeben den Sonnensystemen, die zur Rohstoffproduktion genutzt werden können, haben auch verschiedene fremde Völker Heimatbasen auf dem Spielplan eingerichtet. Dort können die Catanier Handelsstationen einrichten und kommen dadurch in den Genuß bestimmter Eigenschaften, die sich durchweg positiv auswirken. Wer eine Handelsstation gebaut hat, sucht sich aus den "Freundschaftskarten" des kontaktierten Volkes eine aus.

Planeten und RohstoffeDer Spielablauf steht voll in der Tradition Catans. Zuerst wird die Rohstoffproduktion ausgewürfelt. Neu ist, dass – zumindest in den Anfangsphasen des Spiels – zusätzlicher Nachschub von der Erde geliefert wird, das heißt, der Spieler am Zug erhält einen weiteren Rohstoff von einem verdeckten Kartendeck. Danach wird gehandelt und gebaut; zur Wahl stehen Neubauten der Raumflotte oder Ausbauten am Mutterschiff. Und schließlich kommt die Raumflotte in Bewegung – und damit auch wieder das Mutterschiff ins Spiel.

Am unteren Ende trägt es einen Klarsichtzylinder, in dem 2 (von 4) farbigen Antriebskugeln sichtbar sind, die die Grundgeschwindigkeit der Raumschiffe regeln. (Die Mechanik ist simpel: Mutterschiff schütteln und die Kugeln sind neu gemischt). Dieses Würfelprinzip gab's schon mal im Goldsieber-Spiel "Ab die Post" und nannte sich dort "Orkanspender". Ähnlich funktionierte auch das Menetekel in Alex Randolphs "Inkognito".

BegegnungskarteHin und wieder, rein rechnerisch in der Hälfte aller Fälle, fällt eine schwarze Kugel in den Zylinder, dann kommt es zu einer Begegnung der dritten Art: Ein Mitspieler zieht eine Begegnungskarte und liest den Anfang des Textes vor, der vom Spieler am Zug eine Entscheidung fordert. Je nach dem, wie er sich entscheidet, widerfährt ihm Gutes oder Schlechtes. Recht oft hängt das Ergebnis von einem Würfelduell ab, das mit einem Mitspieler ausgetragen wird. Gewürfelt wird dabei natürlich wieder mit dem Mutterschiff, und dessen Ausbauten fließen in das Würfelergebnis ein.

Neue Raumschiffe können nur in Raumhäfen gebaut werden. Davon hat jeder Spieler zu Beginn das Spiels nur einen auf seiner Heimatkolonie. Der Weg von dort ins All ist weit, und darum empfiehlt es sich, weitere Häfen in den Tiefen des Alls zu errichten. Dazu muß dort allerdings erstmal eine Kolonie eingerichtet werden, die per Transporterrakete durchs All geschleppt wird.

RaumflotteMaterialmäßig ist das nett gelöst: Die Transporterrakete wird auf die Kolonie gestöpselt und kann fortan in der Bewegungsphase entlang der Sechseckkanten über den Spielplan geschleppt werden. Hat sie ihren Bestimmungsort erreicht, wird die Transporterrakete ausgeklinkt und steht für neue Transporte zur Verfügung. Soll die Kolonie zu einem Raumhafen ausgebaut werden, wird ein Raumhafenring darüber gestülpt.

Wer Begegnungen mit fremden Völkern sucht, stöpselt seine Transportrakete an eine Handelsstation und schleppt diese durchs All. Wer eine Reise plant, muß sich also vorher überlegen, welches Ziel er anvisiert. Denn fremde Völker lassen sich nicht kolonisieren und Handelsstationen lassen sich nicht auf unbewohnten Planeten errichten.

Bekanntlich dreht sich in Catan alles um Siegpunkte, daran hat sich auch in der Zukunft nichts geändert. So gibt es mannigfaltige Gelegenheiten, an Siegpunkte zu kommen. Die Errichtung neuer Kolonien bringt Siegpunkte, ebenso das Auftauen von Eisplaneten und das Ausheben von Piratennestern. Stützpunkte bei fremden Völkern bringen gleich zwei Siegpunkte; die sind allerdings nicht auf Dauer sicher, denn wenn ein anderer Spieler mehr Stützpunkte errichtet (was im Verlauf des Spiels aber immer höhere Anforderungen an die Ausstattung des Raumschiffs stellt), dann müssen diese Punkte an ihn abgetreten werden.

Auch Ruhm verhilft zu Punkten. Der läßt sich ernten, wenn Begegnungen erfolgreich verlaufen. (Sie erinnern sich? Zu Begegnungen kommt es, wenn eine schwarze Kugel ins Hinterteil des Mutterschiffs fällt). Wer Glück hat, darf sich als Belohnung einen Ruhmesring an das Mutterschiff stecken. Ungefähr so, wie man früher Kerben in seinen Colt schnitzte...

Klaus TeuberKlaus Teuber bei der Vorstellung seines neuen Spiels.

Das ist - in groben Zügen - der Spielablauf der "Sternenfahrer von Catan". Zweifellos ein neues Spiel mit einer ganzen Menge neuer Ideen. Zweifellos aber auch mit typisch catanischen Spielmechanismen, die bereits seit den Siedlern von Catan bekannt sind. Für die Sternenfahrer spielt das Schicksal in Form von Glückselementen eine größere Rolle als für die Siedler, spielentscheidend aber sind die Zufallselemente nicht geworden. Für mich ist die Mischung aus Glück und Taktik ausgezeichnet gelungen.

Natürlich reicht eine erste Partie nicht aus, um eine endgültige Bewertung abzugeben. Beispielsweise müssen spätere Partien zeigen, wie schnell sich die originellen Begegnungskarten, die Entscheidungen von den Spielern verlangen, abnutzen. Zunächst leben sie vom Überraschungseffekt. Da jedoch nur 32 Karten im Spiel sind, ist dieser bald dahin.

SpieleschachtelDie Spieldauer liegt generell zwischen 2 und 3 Stunden. "Generell" heißt, sie kann auch darüber oder darunter liegen. Bei einer Vorstellung des Spiels in einer größeren Journalistenrunde lag die Dauer zwischen 105 Minuten und knapp 4 Stunden. Erfreulich dabei: Während ein Spieler am Zug ist, werden auch die anderen immer wieder ins Spielgeschehen involviert. Keine Zeit also für Langeweile.

Das Material ist sehr liebevoll gestaltet. Das gilt auch das für das im Vorfeld im Spielerforum bereits gescholtene, große Mutterschiff. Wer das Spiel gespielt hat, muß zugeben, daß es - mit viel Liebe zum skurrilen Detail - den Geist Jules Vernes heraufbeschwört.

Bleibt die Frage nach dem Preis. 90 DM sind für ein Spiel viel Geld. Dafür erhält man jedoch eine extradicke Spieleschachtel mit jeder Menge eigens für das Spiel angefertigter Materialien. Wobei wir die zahlreichen unterschiedlichen, von Franz Vohwinkel in gewohnter Klasse gestalteten Karten und Kärtchen bisher noch zu erwähnen vergaßen. Material und Spielreiz zusammengenommen läßt sich der Kaufpreis als angemessen einstufen.

Ach ja, und was ist mit dem Ergänzungssatz für den 5. und 6. Spieler? Den wird es wohl nicht geben. Zumindest ist der Spielplan nicht erweiterbar. Aber vielleicht unterschätze ich jetzt auch den Einfallsreichtum der catanischen Götter....

Die Sternenfahrer von Catan von Klaus Teuber, 3 und 4 Spieler ab 12 Jahren, Spieldauer 90-120 Minuten (KMW: 2-3 Stunden), Kosmos (1999), Preis ca. 89 DM.

KMW


Sönke Weidemann <soenke.weidemann@t-online.de> 09.08.2000 19:56
Eine kleine Ergänzung bzgl. der Spielerzahl:
Nach etlichen Partien zu dritt und zu viert zeigt sich
meiner Meinung nach, daß die Sternenfahrer eher für
drei Spieler geeignet ist. Zu viert wird es sehr schnell sehr voll auf dem Plan, was in all unseren 4-Personen-Partien dazu führte, daß ein Spieler bald aussichtslos zurück lag und eigentlich hätte aussteigen
können. Zu dritt funktioniert das tadellos.


 


Georg Gindl <gindl.georg@surfeu.at> 02.05.2001 20:08:

Inzwischen gibt es auch Erweiterungen für 5 und 6 Spieler.


Stauber Doris <09933-8350-0001@t-online.de> 28.06.2001 22:08:

Wir spielen die "Sternenfahrer von Catan" mittlerweile schon zu sechst. Ich kann die Erweiterung nur empfehlen, denn es sind interessante neue Freundschaftskarten dabei. Uns hat immer gestört, daß das Spiel ab einem gewissen Punkt immer sehr schnell beendet war. Deshalb sind wir jetzt gerade dabei, neue Begegnungskarten zu schreiben, bei denen vor allem den schlechteren Spielern weitergeholfen wird, und die besten Spieler ein bißchen gebremst werden. Das macht das Spiel noch um einiges interessanter.

Alles in allem ist es eines der besten Spiele, die ich je gespielt habe. Ich kann es nur weiterempfehlen.

Viele Grüße


Alexander <RhenDark@cycosmos.com> 23.10.2001 14:35:

Also wir haben das Spiel nur ein einziges Mal gespielt. Dieser Zusammenbau der "liebevollen" Raketen und anderes ist ziemlich kindisch....


clemens bergthaller <clemmons@gmx.de> 25.12.2001 16:40:

Ich spiele Sternenfahrer von Catan bereits seit über zwei Jahren. Seit dem ist es mein Lieblingsspiel. Einziges Manko sind die Plastikfiguren, insbesondere die Mutterschiffe,
denn bei fast allen sind mittlerweile die Halterungen für Antriebe abgebrochen. Plastik bricht eben, Holz nicht so leicht.
Ansonsten wünsche ich mir mal neue Spielvarianten (so wie das Siedlerbuch)!!!


Hagen <hagenschulze@web.de> 07.08.2002 18:10:

Ein tolles Spiel! Aber vorsicht: Die Verpackung hält was sie verspricht - so viel Spielmaterial, dass ein Null-Acht-Fuffzehn-Wohnzimmertisch schnell vollgebaut ist (und das ohne 5 & 6 Spieler Erweiterung)... Macht Spaß - kaufen!


Bernd <bulla12@freenet.de> 07.01.2004 14:33:

Wir spielen Sternfahrer jetzt seit ca. 2 jahre und haben bis jetzt viel Spass damit gehabt.Seit es die Erweiterung für 6 Spieler gibt können auch alle mitspielen.Grosses Manko ist allerdings die `übersichtliche Spieleanleitung` und die gute verarbeitung der Sternschiffe.Ersteres ist einfach zu kompliziert aufgebaut,das heist wenn mann eine Pos.des Spiel sucht geht das grosse blättern los.Zweiteres ist es Ärgerlich das die Halterungen der Antriebe mitlerweile fast alle abgebrochenbsind.bei dem Preis des Spieles mit Erweiterung recht ärgerlich.Ansonsten muss man sagen ein gutes Spiel mit Suchtfaktor 20.Es wird auch mnach mehrmaligen Spielen nicht langweilig.Wünschenswert währe irgend wann mal eine Erweiterung.Weiter so!!!!!

Mfg bernd


Torsten <Promille@gmx.net> 30.12.2004 14:04:

Hallo !! Wir "spielten" auch die Sternenfahrer - nächtelang. Doch irgendwann wurde uns das zu langweilig, weil sich eigentlich immer dasselbe Spiel entwickelte. Da haben wir uns Gedanken gemacht, wie wir das Spiel attraktiver machen könnten! Wir haben ein neues Spielbrett entworfen, bei dem man z.B. die Planeten austauschen kann, auf denen auch mehr als 3 Rohstoffplaneten enthalten sind usw. usw. Am Anfang des Spieles werden die Planetenplatten aus einem Stapel gezogen und ins Spielfeld eingesetzt.

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