Spielbesprechung

Fossil

Scherbenhaufen

FossilDas Spielmaterial ist ein Trümmerhaufen. Ein anonymer Berserker hat eine wunderschöne Sammlung auserlesener Fossilienfunde fein säuberlich mit einer Trennscheibe zerlegt und den ganzen Scherbenhaufen bei Klaus Palesch abgeliefert. Der hatte gerade ein leeres Spielbrett auf dem Tisch, auf dem er nun die Einzelteile ausbreitete, um einen Überblick über die Sammlung zu gewinnen, als ihm eine neue Spielidee in den Sinn kam...

Zu Beginn des Spiels liegen die Fossilienteile, abgebildet auf quadratischen Kärtchen, in einer bunten und bei jedem Spiel neuen Mischung akkurat nebeneinander auf dem Spielplan. Damit's keinen Streit bei der Frage gibt, welche Teile zusammengehören, ist jedes Fossil mit einem eindeutigen Symbol gekennzeichnet, das gleichzeitig den Punktwert des jeweiligen Einzelteils nennt.

Neben den Fossilienscherben sind noch zwei Halbedelsteine im Spiel, nicht auf Karton abgebildet, sondern als echte Klunker. Sie werden auf zwei Fossilienkärtchen abgelegt. Wer am Zug ist, nimmt einen dieser Klunker und bewegt ihn in senkrechter oder waagerechter Richtung auf ein anderes Kärtchen, das er dann an sich nimmt. Große Sprünge sollte man allerdings nicht machen, denn jede Klunker-Bewegung kostet Punkte, je weiter, desto mehr. Zwar nimmt jeder ein ausreichendes Startkapital mit ins Spiel, wer das jedoch aufgebraucht hat, sitzt so lange untätig herum, bis ihm wieder ein paar Punkte in den Schoß fallen.

Fossil SpielbrettBeim Einsammeln der Einzelteile geht es nicht darum, Fossilien zu komplettieren. Das würde ohnehin niemandem gelingen, wenn seine Mitspieler ausgeschlafen sind. Jeder rafft, was er kann, wobei die wenigen Teile mit dem höheren Punktwert zweifellos besonders begehrt sind. Sobald das letzte Teil eines Fossils vom Brett genommen wird, findet eine Wertung statt. Wobei der Spieler, der dieses Teil genommen hat, zuvor noch ein beliebiges seiner Kärtchen mit einem Mitspieler tauschen kann – eine schöne Gelegenheit, seinen eigenen Punktwert zu verbessern.

Die Punktwerte der Kärtchen werden addiert und mit der Anzahl der Karten multipliziert. Das Ergebnis wird dem eigenen Punktekonto gutgeschrieben. Wer kein Teil des abgerechneten Fossils besitzt, wird zur Kasse gebeten; er muß dem erfolgreichsten Sammler dieses Fossils einen Obolus entrichten, dessen Höhe von der Anzahl der Stücke abhängt, die jener gesammelt hat.

Womit sich das Dilemma offenbart, in dem sich die Spieler während der Partie befinden. Konzentrieren sie sich auf einige wenige Fossilien und versuchen, davon möglichst viele Teile einzusammeln, um einen höheren Punktwert zu erzielen, nehmen sie in Kauf, daß sie des öfteren Strafe zahlen müssen, wenn ein Fossil abgerechnet wird, das ihnen fehlt. Auf der anderen Seite erspart die Sammlung eines kompletten Sortiments zwar den Obolus, bringt dafür aber zwangsläufig weniger Punkte. Und birgt zudem noch die Gefahr, daß Einzelstücke weggetauscht werden.

Fossil DetailGegen Ende wird das Geschehen auf dem Spielbrett taktisch. Die Klunker müssen nämlich immer auf einem Kärtchen landen. Da diese immer weniger werden, landen die Steine auch schon mal – absichtlich oder unabsichtlich – in einer Sackgasse, von wo aus sie nicht mehr fortbewegt werden können. Am Ende gewinnt natürlich der Spieler mit der höchsten Punktzahl.

"Fossil" ist ein kleines, nettes Spiel für Jäger und Sammler, nicht aufregend, aber auch nicht langweilig, schnell gespielt, gut durchdacht, nicht frustrierend, kein Highlight, aber besser als der Durchschnitt. Leider steckt's in einer viel zu großen Schachtel. Doch wer jetzt glaubt, daß diese nur dem Zweck dient, den Verkaufspreis in die Höhe zu treiben, wird angenehm überrascht. Mit knapp 30 Mark ist das Spiel auf jeden Fall sein Geld wert.

Die einzigen Kritikpunkte betreffen nicht die Spielidee, sondern das Material (wobei ich ehrlicherweise eingestehen muß, daß ich auch nicht wüßte, wie man's besser machen könnte). Während des Spiels – besonders in voller Besetzung – fällt es nämlich schwer, den Überblick darüber zu behalten, von welchen Fossilien noch wie viele Scherben auf dem Brett liegen und wer schon was und wieviel gesammelt hat. Da hilft's dann nur, wenn alle Spieler ihre Fossiliensorten in derselben Reihenfolge ablegen.

Eher ein Schönheitsfehler sind die breiten Ränder auf den Kärtchen. Der eine oder andere würde ja doch gern mal die Splitter eines Fossils zu einem Ganzen zusammenlegen, doch das geht halt nicht.

Fossil von Klaus Palesch, Grafik: Franz Vohwinkel, 2-6 Spieler ab 10 Jahre, Spieldauer ca. 30 - 40 Minuten, Goldsieber (1998), Preis: DM 29,95

Knut-Michael Wolf

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