Spielbesprechung
Ein finsteres Hafenviertel im London des 18. Jahrhunderts ist der Schauplatz des neuen Spiels von Alex Randolph. Der Spielplan, der ein wenig an Heimlich & Co erinnert, zeigt vierzehn, kreisförmig angeordnete Kneipen, in denen zu Beginn des Spiels jeweils 3 Halunken in Form von Spielkarten darauf warten, von Kapitänen angeheuert zu werden. Die Rolle der Kapitäne wird von den Spielern übernommen.
Jeder ist mit einer Spielfigur auf dem Spielplan unterwegs, jede Kneipe ist ein Spielfeld. Um vorwärts zu rücken, hat jeder einen eigenen Satz Zugkarten zur Verfügung, die von 1 bis 7 durchnumeriert sind. Eine achte Karte hat eine Art Joker-Funktion. Eine Spielrunde beginnt damit, daß alle Spieler gleichzeitig eine Karte verdeckt ausspielen und dann aufdecken. Wer die niedrigste Karte ausgespielt hat, zieht mit seinem Kapitän als erster, dann folgen die anderen. Die Zugkarten sind damit verbraucht und kommen endgültig aus dem Spiel. Wer Randolphs Spiel "Top Secret" kennt, kennt auch diese Art, Figuren zu bewegen.
Aus der Kneipe, vor der der Kaptän stehen bleibt, holt er sich die oberste Halunkenkarte. Da diese Karten offen liegen, kann jeder genau planen, wohin er ziehen möchte. Gemeinerweise werden diese Pläne aber hin und wieder durchkreuzt:
Haben mehrere Spieler dieselbe Zugweite ausgespielt, patten sie sich aus und bleiben stehen, wo sie sind. Eine Halunkenkarte bekommen sie trotzdem, sofern sich in der Kneipe vor der sie gerade stehen, noch Halunken aufhalten. Trifft ein Spieler genau auf einen anderen Kapitän, schubst er den anderen auf das nächste freie Feld nach vorn und macht so die Pläne seines "Besitzers" zunichte. Außerdem muß der Geschubste noch eine seiner Halunkenkarten an den Rempler abtreten, falls er gleich viele oder mehr als dieser besitzt.
Natürlich geht es darum, möglichst viele und wertvolle Halunkenkarten einzusammeln. Diese haben Punktwerte und außerdem einen farbigen Rand, mit dem sie sich in unterschiedliche Crews einteilen lassen. Am Ende verdoppelt jeder Spieler die Punktzahl der Crew, von der er die meisten Halunkenkarten anheuern konnte.
Eine Figur habe ich noch nicht erwähnt, und das ist Black Jack. Er bietet seine Dienste Runde für Runde demjenigen an, der ihm den stärksten seiner bereits angeheuerten Halunken abtritt. Mit anderen Worten: Black Jack wird immer wieder neu versteigert.
Black Jack hat seinen eigenen Zugkartensatz, der gut gemischt in der Mitte des Spielbretts liegt. Wer diese Figur bewegt, dem spielt Black Ja ck möglicherweise in die Tasche, denn jeder Kapitän, den er unterwegs überholt, muß einen angeheuerten Halunken an den Spieler abteten, der Black Jack ersteigert hat, sofern er nicht bereits mehr Karten besitzt als der überholte Spieler.
Noch ein Wort zum Joker unter den Zug-Karten. Wer ihn einsetzt, darf eine beliebige Anzahl Felder ziehen, allerdings auf jeden Fall eine andere Felderzahl als die anderen Spieler. Pech nur, wenn gleichzeitig ein anderer Spieler den Joker ausgespielt hat, denn auch diese Karten patten sich aus.
Halunken und Spelunken ist für 3 und 4 Spieler gedacht. Zumindest steht das auf der Spieleschachtel. Möglicherweise wird diese Angabe bis zur Produktion des Spiels noch geändert, denn die Spielregel enthält auch noch eine Regelvariante für 2 Spieler, die - wie Alex Randolph mir verriet - ihm selbst besser gefällt als das "normale" Spiel. Beim Spiel zu zweit ändern sich ein paar Regeln, die die Black Jack-Figur betreffen. Diese Version ist taktischer als das Mehr-Personen-Spiel.
Das neue Kosmos-Spiel gehört in die Kategorie "Leichte Kost". Es ist locker und schnell gespielt und auch relativ schnell erklärt, kurz: "ein netter Appetithappen", wie Bert Heß es formulierte. Ausprobieren sollten Sie eine kleine Regeländerung, mit der wir meistens spielen: Normalerweise dürfen alle Figuren nur im Uhrzeigersinn ziehen. Wenn Sie vereinbaren, daß beliebig gezogen werden darf, wird das Spiel überraschender, allerdings kommt damit auch ein höherer Glücksfaktor ins Spiel.
Halunken und Spelunken, 2 4 Spieler ab 10 Jahre, Spieldauer 20-30 Minuten, Autor: Alex Randolph, Verlag: Kosmos. Preis: ca. 39 DM.
KMW