Spielbesprechung
Putzig, diese pelzigen Bären, die da mit Honigtöpfen im Arm und glücksseligen Gesichtern über den Weg tapsen, um ihre Beute in ihr Versteck zu schaffen. Meine ausgewachsene Spielrunde ist allerdings weniger begeistert: "Müssen wir denn jetzt unbedingt ein Kinderspiel spielen?" Doch der Schein trügt.
Vier bunte Holzbären gehen an den Start zu einem 13 Felder-Lauf. Angetrieben werden sie durch Karten, die die Spieler reihum ausspielen. 1 oder 2 Felder dürfen sie vorrücken, die Kartenfarbe verrät, welcher Bär sich in Bewegung setzt, ein bunter Kartensatz gestattet die freie Bärenauswahl. Das bärige Rennen endet, sobald der erste Bär das Ziel erreicht.
Wenn jeder Spieler jeden Bären bewegen darf, wer hat denn dann das Spiel gewonnen? Um diese Frage beantworten zu können, müssen wir den kleinen Mathematiker in uns bemühen. Zunächst mal gibt's Punkte für den Spieler, der den Bären ins Ziel gesetzt hat, als Bonus sozusagen. Für alle Spieler gibt's dann weitere Punkte, die Anzahl hängt davon ab, welche Karten sie auf der Hand behalten haben und wo die dazu passenden Bären bei Spielende stehen.
Jedes Feld der Rennstrecke ist mit einem Punktwert versehen. Wer nicht mal den halben Weg geschafft hat, rutscht ins Minus. Pluspunkte gibt's nur auf dem letzten Drittel, je weiter vorn, desto mehr. Diese Punktwerte werden mit den Werten der übriggebliebenen Handkarten multipliziert, wobei jedes Einer-Kartenpaar den fünffachen Punktwert bringt. Konnten Sie mir folgen? Das hört sich etwas komplizierter an, als es sich dann bei Spielende rechnet. Achtjährigen allerdings, die als unterste Altersgrenze auf der Schachtel genannt sind, werden die Köpfchen rauchen. Außerdem haben sie Probleme, die bis zu 15 Karten, die zu Beginn ausgeteilt werden, auf der Hand zu halten.
Die Spieltaktik ist klar: Jede Karte, die ich ausspiele, fehlt mir am Ende für die Punktwertung. Spiele ich sie aber nicht aus und der Bär bleibt hinten, bringt sie mir nur Minuspunkte. Ein schönes Dilemma! Wenn's an dem Spiel etwas auszusetzen gibt, dann nur, daß es die falsche Zielgruppe anspricht. "Honey Bears" ist kein typisches Kinderspiel, sondern macht eher größeren "Kindern" Spaß.
Honey Bears von Dr. Reiner W. Knizia, 2-4 Spieler ab 8 Jahren, Piatnik (1998), Preis ca. 22 DM.
KMW
(Rezension aus Heft 5/98 der spielbox)