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Spielbesprechung

Kakerlakenpoker

Alles anders, als man's kennt

So manches Spielziel ist hinlänglich bekannt. Beispielsweise als Erster alle Karten loszuwerden oder als Erster ein Quartett zu sammeln. Das gibt's auch beim Kakerlakenpoker. Allerdings ist das hier keine Definition für eine Siegbedingung, sondern das Gegenteil. Wer sich als Erster vier gleiche Karten andrehen lässt, verliert. Ebenso, wer an die Reihe kommt, um eine Karte auszuspielen, aber keine mehr auf der Hand hat. Aber fangen wir vorn an...

Acht unniedliche Tiere sind jeweils achtfach auf den Spielkarten abgebildet. Von "igitt" bis "eklig" ist alles vertreten: Stinkwanzen, Kröten, Ratten und anderes Getier, das man nicht unbedingt in der Wohnung haben möchte. Der Grafiker hat sich die Mühe gemacht, jede einzelne Karte individuell zu gestalten.

Der Kartenstapel wird gut gemischt und komplett unter den Spielern verteilt. Wer an der Reihe ist, wählt eine seiner Karten aus, schiebt sie einem seiner Mitspieler zu und behauptet, dass darauf ein bestimmtes ungezieferliches Tier abgebildet ist. Der Empfänger der Karte hat nun die Wahl: Annehmen oder weiterschieben. Schiebt er sie weiter, darf er sich die Karte geheim ansehen und dann einem Mitspieler zuschieben, der sie noch nicht hatte. Ob er dabei die Behauptung seines Vorgängers wiederholt oder ein anderes Tier nennt, das auf der Karte abgebildet sein soll, bleibt ihm überlassen.
 

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Spielmaterial

Wer die Karte annimmt - spätestens der letzte Spieler in der Runde muss sie annehmen - muss nun laut entscheiden, ob die Behauptung über das abgebildete Viehzeug stimmt oder nicht. Erst danach darf er die Karte aufdecken. Und dann stellt sich heraus, wer die Karte offen vor sich auslegen muss, der Spieler, der sie abgegeben oder der sie bekommen hat. Immer wenn der Empfänger mit seiner Aussage falsch liegt, hat er sich damit die Karte eingefangen.

Ein konkretes Beispiel:
Anke schiebt Kristin eine Ratte zu und behauptet, es sei eine Kakerlake. Sagt Kristin "Stimmt!", muss sie die Karte offen vor sich ablegen, weil sie falsch getippt hat. Sagt sie "Stimmt nicht!", bleibt die Karte bei Anke. Zeigt die Karte eine Kakerlake statt der Ratte, ist das Ergebnis umgekehrt.

Auf diese Weise sammeln sich im Verlauf des Spiels vor den einzelnen Spielern verschiedene Tiere, die sie sich haben andrehen lassen oder die sie nicht los geworden sind. Wer das vierte Exemplar einer Sorte einfängt, hat verloren - alle anderen dürfen sich gemeinsam über den Sieg freuen.

Kakerlakenpoker ist ein Glückstreffer für den Drei Magier Verlag, der in diesem Jahr sein 10-jähriges Bestehen feiert. Erklärt man einer Spielrunde die Regeln, zucken die erst mal gelangweilt mit den Schultern. "Na gut, probieren wir's mal..." Dann aber springt ganz schnell der Funke über. Die vertrackte Logik hat man bald im Griff. Und dann versucht man, seine Mitspieler mit mehr oder weniger subtilen Tricks reinzulegen und ihnen Karten unterzuschieben. Wobei man sich bei den theoretischen Überlegungen darüber, was die Mitspieler wohl denken, gelegentlich selbst ein Bein stellt.

Kakerlakenpoker hat gleich mehrere Zielgruppen. Es ist ein kommunikatives Partyspiel, ein Absackerspiel nach langen Spieleabenden und auch ein Spiel für Nichtspieler. Es ist allerdings kein Spiel für Zwei, auch wenn der Verlag eine spezielle Regel für das 2-Personen-Spiel liefert. Zu dritt, besser noch zu viert sollten Sie wenigstens sein, wenn Sie Kakerlakenpoker spielen. Und dann sollten Sie es sich keinesfalls entgehen lassen!

KMW

Kakerlakenpoker von Jacques Zeimet, Grafik: Rolf Vogt, 2-6 Spieler ab 8 Jahren, Spieldauer ca. 20-30 Minuten, Drei Magier (2004).

PS: Die Regeln werden fünfsprachig geliefert: deutsch, englisch, französisch, italienisch und - koreanisch, da sich Korea inzwischen zu einem wichtigen Absatzmarkt für deutsche Spiele entwickelt hat.

PPS: Kartenspieler werden auf den ersten Blick monieren, dass die kleinen Symbole für die Kartensorten nur in einer der vier Kartenecken zu finden sind. Dass das bei diesem Spiel kein Manko ist, merken Sie gleich bei der ersten Partie, die kleinen Symbole sind hier praktisch überflüssig.

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Weitere Infos über "Kakerlakenpoker":
despielbox.de deLuding enBoardgameGeek
deSpielefindex deGoogle
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Candle <candle@web.de> 23.11.2004 16:45:

Mh, das mit den nur für Rechtshänder vorhandenen Symbolen empfinde ich entgegen der Spielebesprechung sehr wohl als Manko - wo ist für die Graphiker eigentlich das Problem, auch an die andersherum fächernden Linkshänder zu denken?? Ansonsten ist das Spiel top.

 
Letzte Änderung: 16.04.2008 15:39 
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