Spielbesprechung
Das knallharte Musikbusiness ist der Schauplatz dieses kleineren Spiels aus Österreich. Jeder Spieler vertritt ein Plattenlabel und hat drei Gruppen unter Vertrag, die er möglichst weit oben in den Charts plazieren möchte. Die Hilfsmittel dafür: Aktionskarten, Geld und ein vierseitiger Würfel.
Das Spielbrett zeigt die vordersten Plätze einer Hitparade. Der Spielablauf ist sehr einfach: Pro Runde kann jeder zuerst eine Band ins Spiel bringen, wenn er genug Geld hat. Dazu zahlt er die sogenannten Produktionskosten und würfelt. Das Würfelergebnis ist die Plazierung in den Charts. Da der Würfel nur vier Seiten hat, landet jeder Neueinsteiger automatisch auf einem der vorderen Plätze. War auf dem gewürfelten Platz schon eine andere Band plaziert, rutscht sie - und mit ihr alle nachfolgenden - einen Platz nach unten.
Für die zweite Phase pro Runde werden die Aktionskarten eingesetzt, hauptsächlich um eigene Gruppen nach oben zu puschen. In der dritten Phase wird dann schon abgerechnet. Wieviel jeder kassiert, hängt von der Plazierung ab. Die Nummer 1 bekommt kein Geld, dafür aber eine Silber-, Gold- oder Platinscheibe vom verdeckten Stapel der Schallplatten-Preise. Zum Schluß kann jeder sich noch eine neue Aktionskarte kaufen, wenn er will und noch nicht das Limit erreicht hat.
Gewonnen hat nicht etwa, wer das meiste Geld scheffelt, sondern wer als Erster drei gleiche oder drei unterschiedliche Schallplatten-Preise nach Hause tragen konnte. Das Geld wird nur gebraucht, um Bands in die Charts zu bringen und Karten zu kaufen.
Charts ist ein simples, thematisch gut verpacktes Legespiel. Das Spielmaterial sieht allerdings so aus, als hätte man es aus verschiedenen anderen Spielen zusammengesucht. Die im Stil des 60er Jahre-Pop aufgemachten Charts auf dem Spielbrett, die voluminösen Geldscheine, die Aktionskarten mit ihren Rahmen aus Rosen, Bananen und Ketten, das alles paßt zusammen wie die Faust auf dem Eimer. Daß die Chart-Felder auf dem Spielplan zu weit auseinander liegen, um Verschiebungen in der Plazierung vernünftig durchzuführen, selbst darüber könnte man noch mit fest zusammengekniffenen Augen hinwegsehen.
Gravierender ist da schon, daß es von der Spielerzahl abhängt, wie gut das Spiel funktioniert. Scheinbar hat man sich darüber ein paar Gedanken gemacht - aber nicht genügend. Je nach Spielerzahl sind die Charts 6, 8 oder 10 Plätze lang. Von der Spielerzahl hängt auch ab, wieviel Geld auf den einzelnen Plätzen ausgezahlt wird. Da hören die Unterschiede dann aber auch schon auf. Mit dem Erfolg, daß man beim Spiel zu dritt ständig unter Geldknappheit leidet und manchmal allein aus finanziellen Gründe keine neue Platte produzieren kann. Beim Spiel zu fünft dagegen ist eher die Bank knapp bei Kasse.
Unterm Strich ist Charts nicht gerade ein aufregendes Spiel. Überraschungen während des Spielverlaufs gibt es nicht. Und das Spielende kommt manchmal gerade noch rechtzeitig, bevor die Spieler zu dem Schluß kommen: "Jetzt wird's langweilig!"
Charts von Michael Schacht, 3-5 Spieler, Verlag: Piatnik
KMW