Spielbesprechung
In seinem Spiel Die Siedler von Catan hat Klaus Teuber die Geschichte einer Insel erzählt, die nach ihrer Entdeckung besiedelt wurde. Wie es zu der Entdeckung kam, verrät er nun in einem der neuen Goldsieber-Spiele.
Am Anfang war das Meer, die unendliche Weite des Ozeans. Ein 7 x 10 Felder großes Gebiet ist auf den Seekarten nur als weißer Fleck markiert. Kein Seefahrer weiß, was ihn hier erwartet - eine willkommene Gelegenheit für Spieler, zumindest auf dem Spielbrett ihre Abenteuerlust unter Beweis zu stellen. Jeder schippert fröhlich in die unerforschte Wasserfläche hinein. Wie weit er segeln will, muß er vor dem Zug ansagen. Und weil Expeditionen Geld kosten, muß er die angesagte Strecke auch aus seinen Goldvorräten bezahlen.
Dann sticht das Schiff in See. Auf jedes unerforschte Feld wird ein Kärtchen gelegt, das den Seeweg und - wenigstens in den meisten Fällen - den Teil einer Insel erkennen läßt.
Am Ende des Zuges können Spielsteine auf dem zuletzt entdeckten Inselfragment abgesetzt werden: entweder ein einfacher Kundschafter oder ein Fort oder gleich eine Siedlung. Auch diese kosten natürlich Goldstücke.
Ob sich die Besiedlung lohnt, weiß am Anfang noch niemand. Erst wenn eine Insel vollständig entdeckt ist, ihre Größe also feststeht, stellt sich heraus, ob sich der Einsatz ausgezahlt hat. Wer den größten Spielstein auf eine Insel gesetzt hat, kassiert die meisten Siegpunkte. Wie viele das sind, ergibt sich aus der Anzahl der Felder, über die sich die Insel erstreckt. Auch die anderen Besiedler erhalten Siegpunkte, aber immer nur die Hälfte des nächstgrößeren Siedlers. Wenn nicht nur Kundschafter auf der Insel abgesetzt wurden, wird die Insel noch durch Entdecker-Chips aufgewertet.
So füllt sich allmählich der weiße Fleck der Seekarte mit Eintragungen über den Archipel. Die Folge: mancher Vorstoß in unbekannte Gefilde muß vorzeitig abgebrochen werden, weil die aufgedeckten Kärtchen nicht an die bereits ausgelegten passen. Andere Felder brauchen gar nicht erforscht zu werden, weil von vornherein feststeht, wie es dort aussieht.
Das Spiel endet, wenn alle Felder des Spielplans entdeckt sind. Gewonnen hat der Spieler mit den meisten Siegpunkten.
Auf der Nürnberger Spielwarenmesse war zu erfahren, daß Entdecker ursprünglich dieselben Wurzeln hat wie Die Siedler von Catan. Beide Spiele haben sich jedoch unterschiedlich entwickelt, und so wurden die Entdecker zu einem völlig eigenständigen Spiel.
Das Material ist reichhaltig. Vor der ersten Partie müssen diverse Papp-Bögen auseinandergepöppelt werden. Das Siedlermaterial ist aus Holz, ebenso das Entdeckerschiff, das allerdings ebensogut ein Hobel sein könnte und von einer Spielerin in unseren Runden "eindeutig als Entenkopf" identifiziert wurde.
Mit der grafischen Gestaltung des Spiels war Franz Vohwinkel beschäftigt, und diesmal hatte er eine besonders glückliche Hand, denn mitanzusehen, wie auf dem Spielplan allmählich eine Inselwelt entsteht, macht richtig Spaß.
Weniger gelungen ist das Einkommenstableau, dessen Drehpfeil entscheidet, wieviel Gold jeder Spieler pro Runde erhält (alle bekommen denselben Betrag). Entweder funktionieren Drehpfeile oder sie tun es nicht; unser Exemplar tut's nicht. Das gleiche gilt für den viel zu kleinen Holzstift, mit dem jeder Spieler auf seinem Tableau die Goldvorräte markiert. Und die Zählstrecke für die Siegpunkte hätte man durchnumerieren sollen. Aber das alles sind eher Kleinigkeiten, die den Spielspaß kaum trüben.
Was den Spielverlauf betrifft, so offenbart sich jedem Spieler irgendwann die Erkenntnis, daß er zwar entscheiden kann, welches Seegebiet er erforschen will und wie er eine Inselfläche besiedelt, daß aber letzten Endes - besonders zum Ende der Partie - der Zufall entscheidet, ob die Entscheidungen erfolgreich sind oder nicht. Überraschenderweise stört sich aber kaum jemand daran, daß das Glück in diesem Spiel eine so große Rolle spielt.
Stärker ins Gewicht fällt da schon ein Fehler, den besonders Erstspieler machen: Sie setzen alles daran, gleich zu Beginn eine möglichst große Insel auf dem Spielbrett entstehen zu lassen. Der größte Besiedler einer solchen Mammut-Insel erhält auf der Punkteskala aber einen so großen Vorsprung, daß er kaum noch einzuholen ist. Spiele, bei denen der Sieger vorzeitig feststeht, werden langweilig. Doch wenn man die Ursache kennt, läßt sich dieser Fehler vermeiden, zumindest, wenn das Glück mitspielt...
Alles in allem ist Entdecker ein Spiel, das bei uns noch häufiger auf den Spieltisch kommen wird und die Anschaffung lohnt.
Entdecker von Klaus Teuber, 2-4 Spieler, Spieldauer: ca. 45 Minuten, Goldsieber Spiele, Preis ca. 59 DM
KMW