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Spielbesprechung

Netzwerk

Ein Taktikspiel in vielen Versionen


Kachelmuster als Vorlage

Schuld sind die Kacheln in der Küche meiner Eltern. Da klebten große weiße Fliesen mit abgeschrägten Ecken an der Wand, in den Ecken saßen kleine dunkle quadratische Fliesen: große Achtecke mit kleinen Vierecken in den Zwischenräumen. Das sah für mich aus wie ein Spielplan. Was fehlte, war die Spielidee. Es dauerte Jahre, bis die herangereift war. Ein fürchterlich langweiliges Seminar, an dem ich teilnehmen musste, brachte schließlich den Durchbruch. In nur wenigen Stunden war das Spiel fertig. Und der Titel war auch sehr schnell gefunden: Netzwerk ergab sich direkt aus dem Spiel.

Stellen Sie sich ein simples Spielbrett vor, beispielsweise ein Schachbrett. Sie können die Spielsteine in die Felder setzen - wie bei Dame. Sie können sie aber auch auf den Linien zwischen den Feldern ziehen - wie bei Go. Netzwerk kennt beide Spielarten.
 

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Die beiden Spieler sitzen sich gegenüber. Jeder hat auf seiner Seite des Spielplans 6 Spielsteine aufgebaut, die in den Feldern stehen. Unmittelbar davor, auf den Schnittpunkten der Feldlinien, stehen 7 Energiesteine. Die Spielsteine hat jeder Spieler in seiner eigenen Farbe, die Energiesteine dagegen sind neutral.


Urfassung:
die normale Ausgabe


Die Spielidee: Meine Spielsteine kann ich nur ziehen, wenn neben ihnen Energiesteine stehen. Die Energiesteine kann ich nur bewegen, wenn ich sie mit meinen Spielsteinen kontrolliere. Spielsteine ohne Energie drumherum sind bewegungslos. Energie ohne Spielsteine drumherum kann niemand nutzen.

Das Spielziel ist eines der bekannten Art: Ich muss die Hälfte meiner Spielsteine auf die andere Seite des Spielplans bringen - die Hälfte der Steine, die noch auf dem Brett sind. Je mehr Steine mein Gegner schlägt, desto weniger brauche ich zum Sieg. Es sei denn, er schlägt alle, dann hat er natürlich ebenfalls gewonnen.


Leider vergriffen:
Roboter als Spielfiguren

Wer am Zug ist, zieht zunächst beliebig viele seiner Spielsteine - mindestens aber einen. Danach darf er beliebig viele Energiesteine ziehen, sofern er sie kontrolliert.

Ein Feld vorwärts zu ziehen, kostet einen Energiepunkt, einen gegnerischen Stein zu schlagen, einen zusätzlichen Punkt, ebenso einen eigenen Stein zu überspringen. Jeder Energiestein kann immer nur einmal genutzt werden, dann ist seine Energie verbraucht und wird erst wieder aufgeladen, wenn der Spieler seinen Zug beendet hat.

Das bedeutet beispielsweise: Steht zwischen zwei Spielsteinen ein Energiestein und sonst keine weiteren drumherum, kann sich nur einer der beiden Steine bewegen, für den anderen ist keine Energie mehr vorhanden.


Kuriosum:
Die Grossen Clowns

Recht schnell merkt man auch, dass man keine zu weiten Züge machen darf. Sonst verliert man den Kontakt zu den Energiesteinen und damit die Kontrolle über sie und kann sie nicht mehr bewegen.

Recht schnell nähern sich die gegnerischen Spielsteine einander und dann kommt ein weiterer Aspekt ins Spiel: Kontrollieren beide Spieler einen Energiestein, können ihn auch beide bewegen. Und damit kann man dem Gegenspieler Energie entziehen.

Es ist also einiges an "Denke" erforderlich, um das Spiel zu gewinnen. Dennoch ist eine Partie in einer halben Stunde durchgespielt.


Bekannte
Verpackung:
Göttinger
Rolle

Netzwerk wurde 1984 von der Edition Perlhuhn ins Programm genommen und landete im selben Jahr auf der "Auswahlliste Spiel des Jahres" (als eines von nur fünf Spielen). Diese Version ist heute noch im Programm (Update: heute nicht mehr!). Leider vergriffen ist die zwei Jahre später ebenfalls in der Edition Perlhuhn erschienene Roboter-Ausgabe: Der Spielplan war größer, die Spielsteine große, wunderschöne Roboter aus Holz.

Kurze Zeit später erschien eine Ausgabe bei fagus; sie war nahezu identisch mit der Urausgabe bei Perlhuhn. Völlig anders, nämlich als Steckbrett gestaltet war eine Ausgabe, die in Indien hergestellt und über den Team-Versand als Dritte-Welt-Spiel vertrieben wurde. Eher ein Kuriosum waren "Die grossen Clowns", eine Netzwerk-Ausgabe beim Münchner Verlag creative games international. Das Spiel wurde 1989 mit handgefertigten und -bemalten Clown- und Seehundfiguren zum Preis von 198 DM angeboten, schaffte den Weg in die Öffentlichkeit aber nur in Form einer Anzeige in der Zeitschrift "Spielhimmel". Ebenfalls nie auf den Markt gekommen ist die Bütehorn-Ausgabe des Spiels. Der Vertrag war unterzeichnet und auf der Nürnberger Spielwarenmesse ein Prototyp des Spiels ausgestellt, doch stand der Buchholz-Verlag zu diesem Zeitpunkt bereits vor dem finanziellen Aus.

2003 bringt die Firma Jumbo ebenfalls ein Spiel mit dem Titel "Netzwerk" heraus. Dieses Spiel ist jedoch nicht identisch mit dem hier vorgestellten Netzwerk, sondern eine Neuauflage des früher im Eigenverlag erschienen "Morisi".

KMW (der sich als Autor des Spiels eine Beurteilung seines Machwerks verkneift...)

Netzwerk von Knut-Michael Wolf, 2 Spieler, Spieldauer ca. 30 Minuten. Edition Perlhuhn (Am Goldgraben 22, 37073 Göttingen, www.perlhuhn.de); Preis: 24 €.

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Weitere Infos über "Netzwerk":
despielbox.de deLuding enBoardgameGeek
deSpielefindex deGoogle
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Letzte Änderung: 08.09.2010 11:48 
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