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Erster Eindruck

Die Brücken von Shangrila


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CoverJames Hilton berichtete in seinem 1933 erschienenen Roman "Lost Horizon" von "Shangri-La", einer utopischen Welt im Himalaja. US-Präsident Roosevelt war davon so begeistert, dass er Camp David 1942 unter dem ursprünglichen Namen "Shangri-La" errichtete. Und Leo Colovini war offenbar ebenfalls so angetan davon, dass er sein neuestes Spiel in "Shangrila" (ohne Bindestrich) ansiedelte.

Der Spielplan zeigt eine zerklüftete Landschaft mit dreizehn Dörfern, die durch ein Netz verschlungener Wege miteinander verbunden sind. Jeder Weg von Dorf zu Dorf führt über ein tiefes Tal, das von einer Holzbrücke überspannt wird. In jedem der Dörfer lebten einst sieben weise Meister, jeder von ihnen ein Spezialist seines Fachs. Da gab es Regenmacher, Drachenzüchter, Yeti-Flüsterer, Gebetsmüller, Sterndeuter, Heiler und Feuerbewahrer. Irgendwann sind sie alle ausgestorben und die Spieler versuchen nun, die verwaisten Posten mit ihren eigenen Meistern zu besetzen.

Bei Beginn des Spiels sind einige Posten bereits neu besetzt, eine Anlaufphase ersparen wir uns auf diese Weise. Wer am Zug ist, hat drei alternative Optionen. Entweder setzt er eins seiner Meisterplättchen auf einen freien Posten in einem beliebigen Dorf. Oder er schickt zwei Schüler zu Meistern, die bereits in den Dörfern hausen. Schüler- und Meisterplättchen sind identisch. Ob ein Plättchen Schüler oder Meister ist, ergibt sich aus seiner Position auf dem Brett.  Meister liegen direkt auf dem Spielplan und bewegen sich auch nicht mehr von der Stelle (es sei dann, man jagt sie aus dem Amt, aber dazu kommen wir noch). Schüler dagegen liegen huckepack auf einem Meisterplättchen und warten nur darauf, in die weite Welt geschickt zu werden. Wobei sich die weite Welt in diesem Fall auf die anderen 12 Dörfer von Shangrila beschränkt.

Und genau das ist die dritte Option: Die Wanderung der Schüler. Wer am Zug ist, bestimmt, in welchem Dorf sich die Schüler auf den Weg machen, und er bestimmt auch ihr Ziel, ein benachbartes Dorf. Bedingung ist, dass er einen eigenen Schüler in dem Dorf hat, in dem nun der Aufbruch stattfindet. Auf den Weg machen sich nicht nur die eigenen, sondern auch die Eleven der anderen Spieler. Am Zielort besetzen sie offene Posten und werden dadurch zu Meistern in den entsprechenden Disziplinen.

Was aber ist, wenn diese Posten schon von anderen Meistern besetzt sind? Dann spielt die Stärke der Dörfer eine Rolle, die sich aus der Anzahl der Plättchen ergibt. Wenn das Ausgangsdorf stärker ist, vertreiben die Schüler etablierte Meister ihrer Disziplin aus dem Amt und nehmen statt dessen ihre Stelle ein. Ist das Ausgangsdorf schwächer, verabschieden sich die betroffenen Schüler mit einem "Na gut, dann eben nicht!" auf den Lippen vom Spielplan. Von dieser Möglichkeit macht man gern Gebrauch, um Schüler der Mitspieler wieder in den Vorrat zurückzuschicken.
 

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Spielmaterial

Eine Schülerwanderung hat Folgen: Die Brücke, über die sie führt, ist nur zum einmaligen Gebrauch bestimmt. Nach der Wanderung bricht sie in sich zusammen. Das bedeutet, zwischen diesen beiden Dörfern gibt es keinen Weg mehr. Und daran ändert sich auch bis zum Spielende nichts mehr. Ist ein Dorf völlig von der Außenwelt abgeschnitten, dürfen dort auch keine Meister mehr eingesetzt werden (das war die erste Option, die ein Spieler hat.)

Das Spiel endet, wenn die vorletzte Brücke eingestürzt ist. Gewonnen hat dann der Spieler, der die meisten Meister im Amt hat.

Shangrila hat mir beim ersten Spielen mit einem Prototyp außerordentlich gut gefallen. Die Regeln sind einfach, der Spielablauf aber verlangt einiges an Überlegung. Entfernt werden Erinnerungen an Colovinis "Clans" geweckt, doch "Die Brücken von Shangrila" spielen sich deutlich anders. Auch der Dilemma-Faktor ist höher: Ich möchte immer mehr unternehmen, als ich kann. Mit ca. 30-45 Minuten ist die Spieldauer recht kurz, kurz genug, um gleich eine zweite Partie folgen zu lassen.

Auch wenn's gewagt ist, nach nur einer Partie eine Kaufempfehlung auszusprechen: Ich tu's!

Die Brücken von Shangrila von Leo Colovini, 3-4 Spieler ab 10 Jahren, Spieldauer ca. 30-45 Minuten, Kosmos (2003), Preis ca. 24,95 Euro

KMW

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Weitere Infos über "Die Brücken von Shangrila":
despielbox.de deLuding enBoardgameGeek
deSpielefindex deGoogle
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Letzte Änderung: 16.04.2008 15:39 
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