Leserbeitrag

Bongo

Bongo von Bruno Faidutti, 2-5 Spieler, Heidelberger Spieleverlag (2000), Preis ca. 13 DM.

Ralf-M. Abilgaard <abilgaard@t-online.de> 18.11.2000 13:36:

So ähnlich müssen sich die Wildhüter im Nationalpark fühlen: Tiere suchen, zählen, abgeschossenen Bestand abziehen und das ganze möglichst schnell, da sich deren Tiere auch noch andauernd bewegen. Bei Bongo stehen die Tiere wenigstens still, dafür aber durcheinender, den Zeitdruck machen die Mitspieler und vor lauter Bongos, Rhinos und Gnus schwirrt einem ganz schön der Kopf.

In der Dose, die wie ein winziges Perlhuhn-Spiel geformt ist, befinden sich fünf naturfarbene Tierwürfel, zwei rote Tierwürfel (Wildererwürfel) und zwei gelbe Bambuswürfel, sowie dreißig kleine Holzstäbchen in den Farben Rot, Blau und Schwarz (Trophäenhölzer).

Im Grundspiel läßt man die Wildererwürfel erst einmal außen vor. Die Hölzer werden zur Seite gelegt, die Tier- und Bambuswürfel kommen in die Dose, werden kräftig geschüttelt und auf den Tisch gewürfelt. Jetzt gilt es schnellstmöglich das gesuchte Tier zu finden.

Welches Tier gesucht wird, bestimmen die beiden Bambuswürfel. Diese zeigen entweder ein, zwei oder drei Bambushölzer. Zeigen beide Würfel die gleiche Anzahl, so wird das Tier gesucht, das in der gezeigten Anzahl vorhanden ist. Komplizierter wird der Fall, wenn die Würfel unterschiedliche Anzahlen zeigen. Dann wird nach der jeweils dritten, also der nicht angezeigten Anzahl von Tieren ausgeschaut. Zeigen die Würfel z. B. eins und zwei, so wird das Tier gesucht, welches genau drei mal vorhanden ist.

Die Tiere befinden sich auf den gleichnamigen Würfeln. Diese zeigen entweder Bongos (eine Gazellen Art), Rhinos (Nashorn) oder Gnus (eindeutig und allgemein bekannt). Der Spieler, der als erste das Tier erkennt, das in der gesuchten Anzahl vorhanden ist ruft laut dessen Namen und erhält zur Belohnung ein entsprechend farbiges Trophähenholz - Bongo rot, Gnu schwarz, Rhino blau.

Ganz simpel, wenn es nicht zwei Sonderfälle gäbe, die einem sofort durch den Kopf schießen. Der erste Fall ist einfach: Was passiert, wenn es kein Tier in der geforderten Anzahl gibt? Dann erhält der Spieler ein beliebiges Trophähenholz, welcher als erster "Nichts" ruft. Der zweite Fall wird komplizierter: Was passiert, wenn es zwei Tiere gibt, die in der geforderten Anzahl auf dem Tisch liegen? Hier greift dann dieselbe Regel wie bei unterschiedlichen Bambuswürfeln - es wird das eine Tier gesucht, welches eben nicht in der geforderten Anzahl vorhanden ist.

Gerade durch diese Regel kommt es häufig zu Fehlern: Man sieht daß das Tier gesucht wird, welches zwei mal vorhanden ist, sieht zwei Rhinos und übersieht dabei, daß auch zwei Gnus vorhanden sind. In diesem Fall wäre der richtige Ausruf ja Bongo gewesen, aber einer hat ganz bestimmt schon etwas anderes gerufen. Zur Strafe müssen Vorschreier ein Trophähenholz verschenken. Dieses Schicksal trifft auch die Spieler die ungerechtfertigt Irrtümer reklamieren. Ganz besonders hart trifft es den, der "Nichts" ruft obwohl es etwas zu entdecken gäbe. Dieser Spieler muß alle seine Trophähenhölzer an andere Mitspieler verteilen. Also Vorsicht, denn bei großem Vorrat macht man leicht sein Mitspieler zu sicheren Gewinnern. Wer zuerst von jeder Sorte zwei Hölzer gesammelt hat ist der Sieger dieser Würfel-Safari.

Wem die Verwirrung noch nicht genug ist, der kann sich an der Regel für Fortgeschrittene versuchen und zusätzlich die beiden Wildererwürfel mit in die Dose tun. Wilderer dezimieren den Bestand um genau ein Tier und zwar nach dem schon bekannten System: Gleiches Tier - das Tier welches gezeigt wird, wird abgezogen, unterschiedliche Tiere - das Tier welches nicht gezeigt wird, wird abgezogen. Jetzt kommt es teilweise zu wirklicher Gehirnakrobatik: Gesucht werden zwei - abgeschossen wird Rhino - das ist drei mal da - also jetzt noch zwei mal - aber Bongo ist auch zwei mal da - ergo suchen wir Gnu!

Aufgeschrieben hört sich das alles ungeheuer kompliziert an und die Kritik des Spiels wird länger als die Spielanleitung sein, aber wenn man die Würfel vor sich hat, fällt es einem ganz einfach und das Spiel ist - zumindest in der Grundversion - problemlos auch mit Achtjährigen zu Spielen; was aber nicht heißen soll, daß es sich hierbei um ein reines Kinderspiel handelt. Die Gehirnakrobatik ist auch für Erwachsene sehr reizvoll und kurzweilig und wenn sich nicht alle Spieler todernst nehmen, dann ist Spielspaß hier wirklich garantiert.

Bongo, Würfelspiel von Bruno Faidutti für 2 - 5 Spieler ab 8 Jahren, Spieldauer ca. 20 min. Preis ca. 13,- DM

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