Leserbeitrag
Café International - Das Kartenspiel von Rudi Hoffmann und Roland Siegers, Grafik : Oliver Freudenreich, 2-5 Spieler ab 10 Jahren. Spieldauer ca. 45 Minuten, Amigo (2001), Preis ca. 11 DM
Hannes Ernst <hannes-ernst@bluewin.ch> 01.05.2001 01:03:
Spielmaterial: Was in der früheren
Brettspielausgabe zusammen mit viel Luft in eine grosse
Schachtel verpackt war, findet als Kartenspiel in einer
kleinen, kompakten Schachtel Platz. Das ganze Spielbrett
mit den 24 Café-Tischchen und der Bar wurde durch 24
Tischkarten ersetzt. Aus den 96 Plättchen mit den
weiblichen und männlichen Gästen aus 12 Nationen
wurden ebenso viele Handkarten. Weltenbürger (Joker)
gibt es dabei keine mehr. Und die Chips zum Festhalten der
erzielten Punkte wurden ganz weggelassen : im Kartenspiel
werden die Gewinnpunkte aufgeschrieben.
Im Kartenspiel-Kaffeehaus setzen sich immer noch Gäste aus denselben 12 Ländern an die Tische. Die Bezeichnungen sind jetzt korrekt : Grossbritannien (früher England) und Zentralafrika (früher Afrika). Russland erhält im Kartenspiel eine neue Flagge, diejenige der Russischen Föderation eben (früher die sowjetische Flagge). Auch die überzeichneten landestypischen Männer- und Frauen-Figuren im Comic Design sind vom Brettspiel übernommen worden. Bloss hat der Grafiker die Gesichter leicht verjüngt, hat hier und da Fältchen oder Bartstoppeln entfernt. Einzig die Britin wurde einer massiveren Schönheitsoperation unterzogen ...
Nur noch fünf Tische haben im Kartenspiel-Café Platz. Vier äussere Tische sind um einen zentralen Tisch angeordnet. Die vier inneren Gäste-Sitzplätze um den Mitteltisch herum sind jeweils auch noch zu zwei anderen Tischen benachbart, während die acht Aussenstühle nur je einem Tisch zugeordnet sind. Sobald alle vier Sitzplätze eines Tischs besetzt sind, wird der Tisch samt zugehörigen Gästen abgeräumt. An seine Stelle wird vom Tische-Stapel eine neue Karte gezogen und hingelegt. Eigentlich passt dieser Vorgang überhaupt nicht mehr zum gemütlichen Kaffeehausambiente des Brettspiels. In unserer Spielerrunde sehen wir die Situation so : Spielhungrige Gäste warten im Café auf ihren Einsatz im Tichu-Turnier. Sobald sich vier geeignete Leute gefunden haben, verschwinden sie freudig ins Nebenzimmer :-) Und auf dem freien Tisch wird ein neues Nationentischtuch ausgebreitet.
Spielablauf: Jeder Spieler startet mit sieben Gästekarten in der Hand. Wer an der Reihe ist, kann bis zu drei Gästekarten an passende Tische legen. Statt dessen kann er aber auch eine neue Gästekarte vom Stapel ziehen. Falls ein Spieler bereits 12 Karten in der Hand hält und keinen Gast an einen Tisch ablegen kann, muss er eine Gästekarte vor sich ablegen. Die so abgelegten Karten bleiben bis zum Spielende liegen und bringen je zwei Minuspunkte ein. Im Brettspiel musste man die nicht verwendbaren Gäste an die Bar setzen.
Gästekarten dürfen nur auf die Sitzplätze
gelegt werden, wenn sie einerseits zu einem Tisch ihrer
Nation benachbart sind und andererseits an keinem Tisch ein
allzu grosses Ungleichgewicht zwischen den Geschlechtern
erzeugen. Jede so abgelegte Karte bringt Punkte. Je besser
die Tische bereits besetzt sind, desto mehr Punkte
erhält der Spieler für den neuen Gast.
Ein Gast auf
den Innenstühlen punktet an bis zu drei Tischen. Deshalb
und weil die Nationalität eines Gastes auf einem
Innenstuhl zu irgend einem von drei benachbarten Tischen
passen kann, wird der zentrale Tisch jeweils sehr viel
schneller voll als die vier Aussentische. Für Tische mit
passenden Gästen aus ausschliesslich einer Nation gibt
es die doppelte Punktezahl. Das Spiel endet, wenn entweder
einer der beiden Zugstapel oder die Kartenhand eines
Spielers leer ist.
Das Kartenspiel bietet - wie auch schon das Brettspiel -
nicht allzu grossen Raum für taktische
Überlegungen. Der Spielausgang hängt stark von den
gezogenen Karten ab. Wer das Pech hat, häufig Landsleute
zu ziehen, deren beide Tischkarten bereits abgräumt
worden sind, kann das Spiel nicht gewinnen. Immerhin muss der
Spieler oft abwägen, ob er eine wenige Punkte bringende
Karte schon in dieser Runde oder gewinnbringender erst
später an einen Tisch platzieren soll. Beim Abwarten
geht er aber das Risiko ein, dass der Tisch unterdessen von
einem Mitspieler komplettiert und abgeräumt werden
kann.
Wegen der fehlenden Joker-Gästekarten ist der
Handlungsspielraum im Vergleich zum Brettspiel deutlich
kleiner. Da beim Kartenspiel bis zu drei Gäste an die
Tische gelegt werden können, muss der aktive Spieler
genau überlegen, in welcher Reihenfolge die Karten am
meisten Punkte einbringen. Eine gute Konzentration ist daher
erforderlich. Ebenso muss man sich unbedingt merken, von
welcher Nation bereits beide Tischkarten abgeräumt
worden sind.
Fazit : Café International hat für mich in der klassischen Brettspielausgabe den grösseren Spielreiz. Es sieht einfach schön aus, wie sich das Café zunehmend bevölkert. Und ich finde es spannender, mir aus dem Beutel blind ein neues Plättchen "aussuchen" zu dürfen, statt einfach die oberste Karte nachzuziehen. Die Joker-Gäste des Brettspiels erweitern die Möglichkeiten, das Spielgeschehen zu beeinflussen. Das Kartenspiel kann ich hingegen als unkompliziertes, gut funktionierendes Ablegespiel für 3 bis 5 Personen auf Reisen empfehlen.
Variante für 2 Spieler : Während Café International auf dem Brett sehr gut auch zu zweit spielbar ist, funktioniert das Kartenspiel in der vorliegenden Form nur mit 3 - 5 Spielern richtig. Zu oft passiert es nämlich, dass beide Spieler bei vollen Kartenhänden mehrere Runden hintereinander keine passende Gästekarten nachziehen können. Das Spiel artet dann zu einer monotonen, Minuspunkte anhäufenden Warterei auf die befreiende Karte aus; Handlungsspielraum und Spielfreude adieu.
Abhilfe schaffen hier Jokerkarten ! Wir nehmen aus einem Doppel-Romme-Spiel alle 6 Joker. Jeder Spieler kriegt zu Beginn drei Jokerkarten auf die Hand. Die Jokergäste können je nach Bedarf jede beliebige Nation repräsentieren und auch jedes Geschlecht annehmen (pro Runde höchstens ein Joker und nur als vierter Gast eines Tisches). Dadurch wird Café International zu einem spannenden Zweier-Patience-Spiel.
Brettspiel-Ausgaben von Café International :
1989 Mattel (Spiel des Jahres)
1998 Relaxx
1999 Amigo
Hannes Ernst
Claudia <claudia.niesert@worldonline.de> 20.03.2002 17:44:
Da die "offizielle" Kritit nicht gerade zum Kauf ermutigt, wollte ich es selber kurz anpreisen:
Das Kartenspiel hat im Gegensatz zum Brettspiel den erheblichen Vorteil, dass es handlich ist und man es überall spielen kann.
Ausserdem ist es meines Erachtens nicht weniger taktisch als das Brettspiel.
Ich finde das Kartenspiel eine sehr gelungene Alternative zum Brettspiel!