Leserbeitrag

Cartagena

Cartagena von Leo Colovini, 2-5 Spieler, Winning Moves (2000), Preis ca. 39,95 DM.

Marc Mutz <Marc@Mutz.com> 06.11.2000 14:08

CartagenaCartagena von "Carolus Magnus"-Autor Leo Colovini, wieder im Verlag Winning Moves erschienen, verspricht tatsächlich ein "winning move" zu werden. Einfache Regeln und trotzdem ein abwechslungsreiches und spannendes Spiel.

Worum geht es? Bei Cartagena schlüpft man in die Rolle eines Piratenkapitäns, der seine sechs gefangenen Leute aus der Festung Cartagena befreien soll. Dazu wurde gemeinschaftlich ein Fluchttunnel angelegt, dessen Plan nun fertig vor uns ausgebreitet liegt. Nun geht es darum, seine eigenen Piraten so schnell wie möglich durch den Fluchttunnel zu schleusen, denn das am Ende wartende Schiff fährt sofort ab, wenn einer der Piratenkapitäne alle seine sechs Piraten an Bord gebracht hat.

Die Piraten bewegen sich dabei anhand von sechs verschiedenen Symbolen durch den Tunnel. Auf jedem der sechs Teilpläne des Tunnels befinden sich in verschiedener Reihenfolge jeweils alle sechs Symbole. Piraten können durch Ausspielen einer Symbolkarte auf das nächste unbesetzte Feld gleichen Symbols vorziehen, oder sich durch Zurückziehen auf das vorherige einfach oder zweifach von Piraten besetzte Feld wieder Karten besorgen. In jeder Runde hat jeder Piratenkapitän drei Züge. Diese kann er beliebig auf Vorwärts- (Karten abgeben) und Rückwärtszüge (Karten aufnehmen) aufteilen. Der Knackpunkt dabei ist die Versorgung mit Symbolkarten, denn davon erhält man zu Beginn des Spiels nur fünf.

Durch den variablen Spielplan ergeben sich laut Spielregel "tausende verschiedene Spielpläne". Rechnet man ein wenig nach, kommt man auf 6!*2^12 Möglichkeiten, was ca. 3 Mio. ergibt.

Für Leute, die Strategie höher schätzen als Glück, gibt es noch die Variante, mit offenen Karten zu spielen. Dadurch kann man besser abschätzen, welche Züge als Nächstes möglich sind.

Als Fazit bleibt festzuhalten, dass dieser Colovini, ebenso wie "Carolus Magnus", ein vorzügliches Spiel ist, welches sich ebenso gut mit der Mindestspielerzahl von zwei wie mit fünf Spielern spielt. Auf der Spiel '00 war dies das einzige Spiel, welches ich sofort nach dem Testspiel gekauft habe.

 

Cartagena

Ingo Kasprzak <silfire@bigfoot.de> 06.11.2000 14:37

Cartagena – Piraten laufen um die Wette – Ein Rennspiel ohne Autos

Ich denke, zumindest jeder männliche Leser hier wird sich zu Karneval mal als Pirat verkleidet haben oder fand Piratenfilme klasse. Für mich gilt beides. Und Zorro und Vampir war ich auch mal, aber jetzt komme ich vom Thema ab....

Bei Cartagena darf man zumindest Pirat spielen und muss durch einen langen Gang in das rettende Paddelboot seiner Piratenkollegen gelangen. Wer zuerst seine sechs Piraten im Boot hat, hat gewonnen. Das klingt ziemlich einfach und ist es auch: Auf dem variabel auslegbaren Gang befinden sich jede Menge zufällig angeordneter Symbole, sechs unterschiedliche an der Zahl. Jeder Spieler kann nun 3 Aktionen durchführen, wenn er an der Reihe ist, z.B kann er eine seiner Handkarten mit einem solchen Symbol spielen und darf dann direkt einen beliebigen eigenen Piraten bis zum nächsten FREIEN Symbol vorziehen, welches identisch zu dem auf der gespielten Karte ist. Frei heißt, es darf kein anderer Pirat beliebiger Farbe darauf stehen. Wenn vor dem gewünschten Pirat kein solches Symbol mehr frei ist, landet man im Boot.

Aha...einfach...also: Auf die Plätze, fertig,.......haaaallllltt! Da war noch was: Wie komme ich denn an neue Karten? Genau, dafür gibt’s eine zweite Aktionsmöglichkeit! Folgendermaßen: Neue Karten gibts, wenn man keine Karte spielt, sondern einen Piraten zurückzieht. Dieser Pirat muss soweit rückwärts laufen, bis er auf einem Feld landet, auf dem bereits ein oder zwei Piraten beliebiger Farbe stehen. Entsprechend darf man ein oder zwei Karten vom Stapel nachziehen....und plötzlich kann man nicht mehr drauf losspielen, sondern muss taktieren.

Leider ist es bei dem Spiel so, dass größtenteils die nachgezogenen Karten die Taktik bestimmen, dafür (bzw. dagegen) gibt es dann aber die Möglichkeit mit offenen Nachziehkarten zu spielen. Wenn mans mehr taktisch als glücklich mag, sollte man diese Variante unbedingt vorziehen.

Bleibt nur eine kleine Kritik: Irgendwie erinnert das Prinzip an ein Spiel, in dem ein Hase und ein Igel vorkam...wie hieß es doch gleich....? Jedenfalls war es das erste Spiel-des-Jahres überhaupt.

Letztendlich hat man ein nettes Familienspiel, sofern die Familie nicht weniger als zwei, aber auch nicht mehr als fünf Personen umfasst – na ja, und wenn man mit Kindern spielt, sollte man nicht zu böse taktieren und eher die Glücksvariante bevorzugen. Da ein Spiel nur 30-45 Minuten dauert, wird’s aber auch in einer Erwachsenenrunde nicht langweilig, sondern eher gemütlich.

P.S: Gemütlichkeit macht sich bei diesem Spiel auch besonders mit 1-2 Flaschen Wein breit...dann aber auch besser ohne Kinder! ;-)

 


Ralf-M. Abilgaard <abilgaard@t-online.de> 24.11.2000 17:13:

Das Spiel spielt sich wirklich hevorragend, sowohl in der einfachen Version mit Kindern und Gelegenheitsspielern, wie auch in der wesentlich taktischeren Variante. Leider steht der Preis in keinem Verhältnis zum Inhalt der Schachtel. Ein Statz kleine Karten, sieben Pappteile und dreißig Standard-Pöppel können keine DM 40,- kosten. Obendrein schauen die deutsche und die englische Spielanleitung aus, als hätte man sie kurz durch den Kopierer gejagt.

Wenn man die Austattung mit anderen Verlagen vergleicht, so bieten diese wesentlich mehr für weniger Geld (Kardinal und König, Carcasonne, Igel ärgern, die Mauer - um nur einige Beispiele von Groß- und Kleinverlagen zu nennen. Verglichen sind hier natürlich nur die Ausstattungen nicht die Spielideen).


Jochen Krumpe <dscheikei@t-online.de> 28.11.2000 17:09:

Cartagena - "Ein Rennspiel ohne Autos" aber auch ohne Spannung, Spaß und Schokolade!

Eines vorweg. Nicht, dass mich jemand falsch versteht, ich möchte hier nicht als Spaßbremse oder Prol auftreten, der alles zunichte machen muss. Ich habe nur mit Cartagena ziemlich genau das Gegenteil von dem erlebt, was Marc Mutz in seinem Beitrag hier auf der Seite schreibt. Und weil es sich so gut eignet, werde ich mich etwas an seiner Spielekritik orientieren. Also Marc, bitte nicht böse sein. Du weißt ja, Meinungen sind verschieden.

Aber jetzt zum Spiel.

Ich habe mir Cartagena auf der Spielemesse in Stuttgart angesehen und hatte gleich einen schlechten Start, weil ich erst mal eine deutsche Anleitung suchen musste, die dann auch noch sehr enttäuschend ausfiel. Es ist zwar schön, dass die Anleitung so kurz und auch leicht und schnell verständlich ist. Aber muss man deswegen gleich die Gestaltung derselben vernachlässigen (wenn daran überhaupt etwas gestaltet ist)?! Die Anleitung erweckt irgendwie den Eindruck, als wolle der Autor sagen "Hey, endlich habe ich die Spielregeln fertig. Die lege ich jetzt ganz schnell auf meinen Kopierer, damit die erste Auflage in den Handel kann". Will heißen, die Anleitung besteht aus einem quadratischen Blatt Papier ohne Deckblatt oder Titel und könnte bei unachtsamen Menschen schon mal zusammen mit der Postwurfsendung einer Klassenlotterie im Altpapier entsorgt werden.

Auch dem Spielmaterial selbst hätte man etwas mehr Aufmerksamkeit schenken können. Obwohl die einfachen (aber bewährten) "Mensch ärger dich nicht" Spielfiguren schon wieder einen nostalgischen Charme ausstrahlen.

Bei dem Spiel geht es darum, seine Figuren (Piraten) durch einen Gang von A nach B zu bekommen. Auch etwas, was es mit "Mensch ärger dich nicht" gemeinsam hat. Die Art und Weise, wie man dies anstellt, unterscheidet sich jedoch vom Klassiker.

Man muss hier ein Symbolkärtchen ausspielen und dann einen seiner Augenklappenträger auf das nächste gleichartige, von keinem anderen Piraten besetzte Symbol ziehen. Soweit so einfach. Das Problem ist nur, wie kommt man an neue Kärtchen. Für den Nachschub muss man nämlich selbst sorgen. Das geschieht, indem man eine seiner Augenklappen zum vorigen Piraten zurückzieht und sich dafür ein oder zwei Symbolkärtchen nehmen darf. Diesen Weg, für Kartenersatz zu sorgen, finde ich eigentlich ganz interessant. Nur leider ist das Spiel drum herum ziemlich dröge. Es kommt weder Spannung auf, noch kann man seine(n) Gegner richtig ärgern. Und auch in der Taktikversion, in der alle Karten offen liegen, ändert sich weder an der Spannung noch an der Strategie etwas. Nicht im positiven und auch nicht im negativen Sinne.

Und was nutzt es mir da noch, dass durch das variable Spielbrett tausend Kombinationen möglich sind. Oder wie Marc Mutz nachgerechnet hat, ca.3 Mio. Das einzige, was sich 3 Mio. mal ändert, ist die Form der hohlen Gasse, durch die unsere Freibeuter der Meere kommen müssen. Die Abwechslung wird dadurch nicht positiv beeinträchtigt ;-). Ich vermute, dass man das Spielbrett nur deswegen zerteilt hat, um das Spiel in einen kleineren Karton zu bekommen.

Vielleicht fehlt dem Spiel nur eine "Rauswerfregel" (wie bei Mensch ärger dich nicht), um es spannender zu machen, wer weiß.

Als Fazit bleibt festzuhalten, der Stand von Winning Moves war der, an dem ich mich auf dieser Messe am kürzesten aufgehalten habe und Cartagena war das einzige von mir getestete Spiel, bei dem ich mich sofort entschieden habe, es NICHT zu kaufen.

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