Leserbeitrag
Monza, 2-6 Spieler ab 5 Jahre, Spieldauer ca. 15 Minuten, HABA (2000), ca. 25 DM.
Dr. Arne Claussen <claussen@mail.wz.nrw.de> 31.01.2001 22:57:
Mit der HABA-Herbst-2000-Neuheit "Monza" können endlich auch mal die Kleinen ihre Runden über das Spielfeld drehen - und mit ihnen diejenigen, die jung geblieben sein wollen und nur darauf warten, dass die Blagen alt genug sind, damit sie bei den Rennen für "Große" mitspielen können.
Die bis zu sechs Boliden rasen um ein Rennoval, das aus drei nebeneinander liegenden Bahnen mit in sechs Farben gedruckten Feldern besteht, so dass insgesamt ein hübsch bunter Parcour entsteht. Zwischendurch gibt es ein paar Schickanen, die die Spurbreite auf zwei bzw. ein Feld einengen. Die zufällig verteilten Farben der Felder finden sich auf den sechs Farbwürfeln wieder, mit denen die kleinen Schumis ihre Renner vorantreiben. Einmal geworfen sucht sich der Spieler eine Farbwürfelkombination zusammen, mit der er möglichst weit vorankommt - also im besten Fall bis zu sechs Felder, im schlechtesten Fall keines: Motor abgewürgt. Auf zu überfahrenden Feldern stehende Wagen der Mitspieler stören nicht, die werden einfach übersprungen. Steht auf dem angepeilten Endfeld schon ein Mitspieler, so wird der vom Spieler ausgebremst, sprich ein Feld nach hinten gesetzt. Das Kind, das nach einigen Würfelrunden zuerst die Ziellinie überquert, gewinnt und bekommt das goldene Gummibärchen umgehängt - natürlich ohne Rindergelantine!
Der Spielmechanismus ist den Kindern schnell erklärt, durch das Suchen der Würfelkombination, die den Wagen am weitesten trägt, kommt ein schönes Tüftelelement hinzu, welches auch die Aufmerksamkeit der Kinder bei der Stange hält. Nett, und pädagogisch bestimmt wertvoll.
Wenn dann aber schon die Vierjährige fragt, seit wann man denn auf der Straße über andere Autos drüberspringen darf und warum man andere Autos nach hinten schiebt, wenn man auf ihnen landet - ist mir im Straßenverkehr tatsächlich auch noch nicht gelungen -, dann kommt man schon in Versuchung, die Regeln etwas anzupassen ... - nur ein kleines bisschen, die Sammlung an Rennspielen im Regal gibt ja manchen Anhaltspunkt. Hier mein Vorschlag:
1. Von anderen Autos besetzte Felder dürfen nicht überfahren werden, dies gilt natürlich auch für das Endfeld.
2. Die Zugreihenfolge wird geändert: nicht stumpf der Sitzreihenfolge nach; derjenige zieht zuerst, der am weitesten vorne liegt, und so weiter bis zum hintenliegenden, Innenbahn vor Außenbahn.
3. Das Spiel gewinnt, wer beim Zieleinlauf in der gleichen Runde noch am weitesten kommt.
Die Regeln haben sich bei meinen beiden Kindern bewährt und sind durchaus nicht zu kompliziert für die Zielgruppe. Der hinzugekommene "Realismus" steigert eher noch die Motivation.
Ob ohne oder - besser - mit Regelvariante, ein schönes Spiel für Kinder mit einem Reiz auch für Erwachsene. Das angegebene Spieleralter "fünf" ist eher hoch gegriffen, Vierjährige begreifen die Regeln auch ohne Probleme und haben ihren Spaß. Im Hinblick auf das Material - hübsche Holz-Boliden, sechs Farbwürfel, Spielplan - und den Spielwert ein empfehlenswertes Mitbringsel nach einem überstundenreichen Arbeitstag, oder was für Gründe sonst ein schlechtes Gewissen bereiten können ...