Leserbeitrag

Morisi

Morisi von Corné van Moorsel, 2-4 Spieler, Cwali (2000).

Arne Hoffmann <hoffmann@mathc.rwth-aachen.de> 08.11.2000 09:43

"Oh schau mal, das sieht ja aus wie Siedler von Catan". Das war wohl einer der häufigsten Sprüche, den Corné van Moorsel an seinem Stand in Essen von vorbeigehenden Besuchern hörte. Und ohne sich diese Perle mal näher anzuschauen, verschwanden viele Unwissende direkt wieder.

Zugegeben, durch seinen variablen Spielplan aus Hexagonen und die darauf entstehenden Strassen und Häuser drängt sich dieser Vergleich auf. Nur steckt bei MORISI viel taktische Tiefe hinter dem ganzen. Worum geht es also? MORISI ist die Weiterentwicklung des 1999 im Eigenverlag erschienenden ISI. War ISI nur für 2 Spieler gedacht, so liefert MOR(e)ISI Spielspass für 2 bis 4 Spieler, ohne den Reiz von ISI aufgegeben zu haben. Dank der höheren Auflage können nun auch mehr Spieler in den Besitz dieses Juwels gelangen.

Morisi

MORISI kommt mit sehr wenigen Regeln aus. Ist ein Spieler am Zug, so muss er zuerst seine Spielfigur auf ein freies benachbartes Feld bewegen. Frei heisst, es darf keine andere Spielfigur darauf stehen. Einzige Ausnahme zu dieser Bewegung ist der "Halmasprung": Man kann geradlinig über eine fremde Figur hinüberspringen, sofern das Feld dahinter dann frei ist. Auf dem Zielfeld kann man einen Ertrag einsammeln - diese werden zu Spielbeginn auf den Feldern plaziert - so noch einer vorhanden ist. Nun kann man noch 2 oder mehr beliebige Städte mit Strassen verbinden. Die Städte sind in dem Spielplan vorgegeben (graue Scheiben). Allerdings kosten die Strassen: Für jedes Feld, in das hineingebaut wird, muss ein Ertrag derselben Sorte bezahlt werden. Zusätzlich muss für das letzte Strassenstück (welches in die Zielstadt führt) noch ein weiterer Ertrag passend zum vorletzten Feld gezahlt werden.

Dazu ein Beispiel: Wir wollen die folgenden Städte verbinden:
Stadt1 - Rot - Rot - Grün - Stadt2

Bauen wir die Strasse von Stadt1 zu Stadt2, so müssen wir 2 rote und 2 grüne Erträge bezahlen. Bauen wir die Strasse jedoch von Stadt2 zu Stadt1, so müssen wir einen grünen und 3 rote Erträge zahlen.

Zu beachten sind dabei 2 Regeln: Erstens muss eine Strasse immer mindestens 2 Städte verbinden, sie darf also nicht "in der Pampa" enden. Jedoch darf die Strasse an eine andere eigene angeschlossen werden, wenn sich dadurch neue Verbindungen zwischen vorher getrennten Städten ergeben. Zweitens, und hier liegt der Reiz des Spiels, dürfen keine 2 Strassen parallel durch dasselbe Feld führen. Man darf gegnerische Strassen zwar kreuzen, aber nicht parallel zu ihnen bauen.

Dies sind schon die ganzen Spielzüge. Wie gewinnt man nun das Spiel? Am Spielende wird kontrolliert, welche Stadt zu den meisten anderen über Strassen (egal von welchem Spieler) verbunden ist. Dann wird geschaut, welcher Spieler für diese Stadt die meisten Verbindungen realisiert hat - er gewinnt das Spiel. Um hierfür auch während des Spiels übersicht zu schaffen, werden von einem Spieler Häuser in die Städte gestellt, die er gerade mit einer neuen Strasse verbunden hat.

MORISI ist ein tolles Denkspiel ohne jedes Glücksmoment. Im Grunde ist es ein abstraktes Spiel, das aber mit den Erträgen und den Städten ein passendes Thema bekommen hat. Eine Partie spielt sich locker in 30-40 Minuten, so dass immer Zeit ist für die Revanche, die gefordert wird.

Der einfache Mechanismus mit den vielfältigen taktischen Möglichkeiten sowie das gute Spielmaterial (die Felder sind aus starkem Karton, die Häuser und Strassen aus Holz) machen MORISI zu einer Kaufempfehlung - aber Achtung, die Auflage ist limitiert!
 

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