Leserbeitrag

Traumfabrik

Traumfabrik von Reiner Knizia, 2-5 Spieler, Hasbro (2000), Preis ca. 49,95 DM.

Stefan Olschewski <magicsteve@web.de> 16.11.2000 12:42:

Aha, da ist es also, das neue Knizia-Spiel, und dann geht es auch noch um die Traumfabrik Hollywood, um das Ringen um hochkarätige Stars, kurz gesagt - um die wunderbare Welt des Glamours und der Illusion. Und zwar zur Goldenen Zeit des Hollywood-Films, als es noch Stars wie Marylin Monroe und Rock Hudson gab - achja, die gute alte Zeit.

Aber was ist das? Der Spielplan an sich bietet nicht allzuviel Glamour, er ist rein funktional gehalten, ist in insgesamt acht Felder unterteilt, auf denen in jeder Runde (hier heißt es natürlich Quartal) eine bestimmte Anzahl von Produktionschips mit verschiedenen Werten liegt. Das gibt es Regisseure, Schauspieler, Kamerateams, Musiker, Spezialeffekte, Stargäste und Agenturen, die wie ein Joker fungieren und quasi alles darstellen können.

Das Ziel ist klar: möglichst hochwertige Chips bekommen, diese in sein Drehbuch einbauen und möglichst schnell möglichst erfolgreiche Filme fertigstellen.

Traumfabrik

Zu Beginn ist jeder der Mitspieler mit 12 Verträgen ausgestattet (bei 5 Mitspielern nur mit 10). In jedem Quartal wird damit - beginnend beim Startspieler - geboten, wer das höchste Gebot abgibt, erhält alle Chips, die auf dem aktuellen Feld liegen und kann sie nach Belieben in seine zu Anfang drei Drehbücher einbauen. Da es kein Geld zu verdienen gibt, aber trotzdem ständig neue Verträge geboten werden müssen, hat Reiner Knizia das Problem sehr praktisch gelöst, indem die bezahlten Verträge in die Spielplanmitte kommen und unter den übrigen Spielern verteilt werden. Die Taktik dürfte klar sein. Auch bei Feldern mitbieten, die einem nicht so wichtig sind, um den Preis hochzutreiben, dann rechtzeitig aussteigen und das Geld scheffeln. Pech allerdings, wenn die anderen genauso denken und man im Endeffekt seine letzen Verträge für zwei popelige Chips bezahlt, die überhaupt nichts einbringen.
Doch selbst dann kann man noch Glück im Unglück haben - denn auch der schlechteste Film wird am Ende prämiert und erhält zusätzliche Punkte.

Auf diese Weise werden alle acht Felder abgegrast und die jeweils zuerst fertiggestellten Filme in den Kategorien Drama, Abenteuer und Unterhaltung mit einem Filmpreis ausgezeichnet. Am Ende jedes Quartals wird dann noch der erfolgreichste Film des Quartals mit einer Trophäe versehen und am Ende des Spiels, nach dem vierten Quartal werden schließlich noch die großen Filmpreise für den besten Film und die beste Regie vergeben. Auf diese Weise kann ein und derselbe Film mehrmals ausgezeichnet werden, und das ist wichtig - denn Auszeichnungen bringen natürlich zusätzliche Punkte (bis zu 10 pro Preis).

Am Ende zählt jeder die Werte der fertigen Filme und den Gesamtwert der Filmpreise zusammen und addiert dazu noch die Anzahl der übrigen Verträge. Wer dann insgesamt die höchste Summe erzielt hat, gewinnt das Spiel.

Im Grunde ist der Mechanismus sehr einfach, allerdings dadurch auch nicht sehr abwechslungsreich. Immer wieder heißt es bieten, Felder abräumen, Chips einbauen, fertig. Ein wenig Abwechslung bringen da die Partyfelder, in denen nicht geboten wird. Hier darf jeder einen Chip nehmen; derjenige, der am meisten Schauspieler und Stargastchips besitzt, wählt zuerst. Das wars dann aber auch an Abwechslung. Die doch sehr hausbackene Grafik, größtenteils in Grau gehalten, transportiert leider nicht den anfänglich beschworenen Eindruck von bunter Hollywoodwelt. Schade eigentlich. Denn für die etwa 45 minütige Spieldauer reicht die Spielmechanik allemal aus, und es macht sogar richtig Spaß, wenn man plötzlich entdeckt, daß offenbar Alfred Hitchcock der Regisseur von Bambi ist Reiner Knizia persönlich Gaststar in Casablanca!

Alles in allem hält die Traumfabrik nicht ganz, was sie verspricht. Allerdings kann sich das restliche Spielmaterial, die Drehbücher, die 93 (!) Produktionschips und die Verträge (endlich mal kein flatteriges Spielgeld)
durchaus sehen lassen. Und auch taktisch gibt es auf den zweiten Blick einiges zu entdecken. Man muß immer wieder neu abwägen, ob man beim Bieten in die vollen geht, oder lieber eine Runde ganz aussetzt, um seinen Vorrat an Verträgen wieder aufzubauen. Dann kann es aber sein, das einer der Mitspieler mal eben wieder einen Film fertigstellt und die entsprechenden Punkte erhält. Es heißt also auch, immer ein Auge auf die Drehbücher der Mitspieler zu halten, um diesen möglichst die besten Chips vor der Nase wegzuschnappen.
Schön ist, daß bis zum Schluß nicht klar ist, wer gewonnen hat, denn die Abrechnung erfolgt erst ganz am Ende. Und da kann es schonmal sein, daß zwar einer der Spieler Filmpreise en masse gesammelt hat, aber trotzdem verliert, weil ein anderer plötzlich 26 Verträge hinter seinem Sichtschirm hervorzaubert und das gesamte Ergebnis umdreht.

Die TRAUMFABRIK ist sicherlich nicht das beste Kniziaspiel, ist aber durchaus kurzweilig und einfach zu lernen, was auch Gelegenheitsspielern den Einstieg leicht macht - sofern sie sich nicht von dem Design abschrecken lassen.

Ach ja, noch eines: den ersten Exemplaren liegt eine CD mit 19 Filmhits bei, und wenn man diese in den CD-Player schiebt und untermalt von Gene Kellys "Singing in the Rain" den Spielplan unsicher macht, dann kommt tatsächlich ein kleines bißchen Hollywoodstimmung auf und macht die Traumfabrik zu einem multimedialen Erlebnis - wie es sich für einen Film gehört!

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