Leserbeitrag

Ulysses

Ulysses von Andrea Angiolino und Piergiorgio Paglia, 3-5 Spieler, Winning Moves (2001)

Andreas Zimmermann <andreas@cosim.de> 06.11.2001 14:58:

CoverVorweg sei gesagt, worum es geht. Als Spieler übernimmt man die Rolle eines Gottes und versucht, das Schiff des Odysseus an die Orte zu bringen, die zu Anfang des Spieles in Form von Zielkarten zugelost wurden. Wer zuerst alle vier Ziele ansteuern konnte, gewinnt das Spiel.

Insgesamt 290 Karten wollen zunächst sortiert werden! Die oben bereits erwähnten Zielkarten werden nach Farbe sortiert und nach dem gründlichen Mischen ziehen die Spieler von jedem Stapel eine Karte. Die Farben entsprechen vier Zonen auf dem Spielplan, so dass die Ziele eines jeden Spielers einigermaßen verteilt sind. Jeder Spieler erhält noch einen Holztempel (bestimmt die Anzahl der Karten, die man zu Beginn einer Runde nachziehen darf) und das Schiff des Odysseus wird nach Troja gestellt. Nach dem Verteilen der Aktionskarten kann es nun endlich losgehen.

Eine Runde besteht immer aus folgenden Aktionen:

  1. Stärken der eigenen Position: innerhalb dieser Aktion hat man 5 Möglichkeiten, d.h. man kann neue Karten nachziehen (Pandora-Aktion) , Häfen mit der Plagekarte sperren, Blockaden aufheben, gegen Ablage von Handkarten neue Tempel erwerben und Zielkarten wiederum gegen Ablage von Handkarten austauschen (wird gerne vergessen!)


  2. neues Ziel vorschlagen: einfach ein Ziel bestimmen, das mit dem alten Standort des Schiffes verbunden ist (darf natürlich nicht blockiert sein)


  3. Einspruch einlegen: ein Spieler kann jetzt, wenn ihm das vorgeschlagene Ziel nicht passt, Einspruch einlegen (mit der Einspruch-Karte) und ein anderes Ziel vorschlagen. Nun müssen alle anderen Spieler entscheiden, ob Sie passen, den Einspruch oder den ersten Vorschlag unterstützen. Dazu legen sie solange Einspruchskarten aus, bis eine Partei gewonnen hat. Gleichstand kann es nicht geben, da man nur weitere Einspruchskarten ausspielen darf, wenn dadurch die eigene Partei in Führung geht.

    Besonderheit: man kann auch nachdem schon Einspruch eingelegt wurde, ein 3. Ziel vorschlagen; natürlich man muß aber, um erfolgreich zu sein, auch mehr Einspruchskarten auf sich vereinen als das 1. und das 2. Ziel.


  4. Das Schiff des Odysseus an den neuen Ort ziehen. Je nach Ausgang evtl. Einsprüche in der vorherigen Aktion, zieht das Schiff nun zu seinem neuen Ziel: wurde der Einspruch gegen das erste Ziel zurückgewiesen oder kam es gar nicht zum Einspruch, so zieht das Schiff zum ersten Ziel. Sollte ein Einspruch erfolgreich gewesen sein, so zieht das Schiff zu diesem Ziel.
Normalerweise beginnt dann der nächste Spieler die neue Runde; sollte aber gegen das erste Ziel kein Einspruch erhobenCover oder ein Einspruch zurückgewiesen worden sein, so kann der Spieler, der am Zug war, weiter am Zug bleieben, indem er eine Wind-Karte ausspielt. Jetzt kann der Spieler wieder obige Aktionen durchführen, aber es beginnt keine neue Runde, d.h. es werden auch keine neuen Karten nachgezogen. Solange die Voraussetzungen erfüllt sind (erstes Ziel durchgesetzt und Wind-Karte ausgespielt), kann ein Spieler beliebig oft am Zug bleiben.

Das Spiel endet, wenn das Schiff die 4 Ziele erreicht hat, die den Zielkarten eines Spielers entsprechen. Jedesmal, wenn das Schiff ein solches Ziel erreicht, deckt der Spieler, der die Zielkarte besitzt, diese auf. Wer als erster seine 4 Karten aufdecken konnte, gewinnt das Spiel.

Wie spielt sich nun Ulysses? Nun, unsere erste Spielrunde verlief einigermaßen chaotisch, da die Bedeutung der Karten nicht sofort klar wurde. In der Spielregel sind den Kartenbezeichnungen leider keine Symbole zugeordnet. Wenn man diese Klippe in Odysseus-Manier umschifft hat, erwartet den Spieler ein kurzweiliges Spiel, das Spaß macht. Dem einen oder anderen mag die Glückskomponente durch die blind gezogenen Karten zu hoch sein; ohne Einspruch-Karten hat man eine eher schlechte Position. Mit den Pandora-Karten und den Tempel-Aktionen kann man das zum Teil ausgleichen, in dem man den Kartendurchsatz auf der Hand erhöht. Ein weiterer Kritikpunkt ist vielleicht der direkte Anschluß der Farbzonen auf dem Spielplan. Ein neutrales Feld dazwischen könnte besonderes Glück beim Zulosen am Anfang des Spiels ein wenig neutralisieren. Aber alles in allem ein nettes, spannendes Spiel für Leute, die sich nicht immer das Gehirn über ihre nächsten Spielzüge zermartern wollen.
(az)

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