Spielbesprechung
Im Mammutwahljahr 1998 haben auch die Spieleverlage reagiert und eine ganze Anzahl Wahlspiele auf den Markt geworfen. Das Thema ist z.B. bei "Minister" als schlichtes Würfelspiel, bei "Koalition" als flotte Verhandlungsrunde umgesetzt. Den absoluten Wahlkampfmarathon bietet dagegen "Die Macher", daß die beiden engagierten Verlage Moskito und Hans im Glück gemeinsam aufgelegt haben.
In sieben Landtagswahlen versuchen die 3-5 Parteien (SPD, CDU, Grüne, FDP und PDS) möglichst viele Mandate zu erringen. Entscheidend dabei ist das Parteiprogramm. Mit einem Ja zur Gentechnik, einem Nein zum Euro und der Forderung nach mehr Sozialstaat sieht es im ersten Wahl-Land ganz gut aus. Die Bevölkerung ist derselben Ansicht, das verspricht viele Stimmen. Noch flugs ein paar Wahlveranstaltungen abhalten, dann kann hier eigentlich nichts mehr anbrennen. Pech natürlich, wenn die Gegenpartei mit Hilfe der Medienkontrolle die öffentliche Meinung beeinflußt und auf ein Mal der Euro befürwortet wird. Da hilft nur noch eine Koalition, um als Wahlsieger Punkte zu machen.
Das Parteiprogramm muß aber auch auf die nächsten Wahl-Länder abgestimmt werden, die leider ganz andere Themen und Meinungen haben. Da der schwerfällige Parteiapparat nicht von heute auf morgen das komplette Programm austauschen kann, ist vorausschauendes Handeln gefragt! Um den Wahlsieg in einem wichtigen, sprich bevölkerungsreichen Land zu erringen, muß dann auch mal eine Meinung vertreten werden, die im aktuellen Wahlland nicht ganz passend ist.
"Die Macher" ist ein Spiel der knappen Kassen. Wahlveranstaltungen, Medienpräsenz, Mitgliederwerbung und Auftritte der Parteispitze, das alles will bezahlt sein. Von der Wahlkampfkostenerstattung profitieren die Großen am meisten und mit den paar Kröten ist eh kein Staat zu machen. Da liegt es nahe, die Spendenbüchse zu schwenken. Sind die Spenden allerdings zu üppig, könnte ein Verzicht bei der Parteibasis guten Eindruck machen, eine Annahme dagegen sogar einen Mitgliederschwund bewirken. Das ist bitter, denn am Ende zählen neben den einzelnen Wahlergebnissen, der Medienpräsenz und der Übereinstimmung von Programm und Bundesmeinung auch die Parteimitglieder für den Sieg
Wer als gewiefter Parteistratege dieses Spiel gewinnen will, dem wird viel abverlangt. Dazu gehört erst einmal Zeit, denn die angegebene Spielzeit von ca. 4 Stunden gilt eher für erfahrene Spieler. Die erste Partie kann durchaus 6-7 Stunden dauern, da die Regel zwar gut strukturiert aber nicht ganz einfach ist, was zu häufigem Nachschlagen führt. Die Lust an komplexen Spielen ist also eine weitere Grundvoraussetzung, zu der sich noch ein geschärfter Verstand gesellen sollte. Hat man dann die richtigen Spielpartner am Tisch, verspricht "Die Macher" einen echten Spielgenuß, denn die verschiedenen Aktionsmöglichkeiten und daraus resultierenden Folgen greifen nahezu perfekt ineinander und sind gut ausbalanciert.
Daß "Die Macher" auch ihren Platz auf der Auswahlliste zum "Spiel des Jahres 1998" gefunden haben ist dagegen zwiespältig zu bewerten. Die Qualitäten des Spiels für erwachsene und erfahrene Spieler stehen außer Frage, aber wenn sich eine "normale" Familie von der Auszeichnung verleiten läßt dieses Spiel zu kaufen, ist Frust das einzige, was sie sich eingehandelt hat.
Die Macher von Karl-Heinz Schmiel, 3-5 Spieler ab 14 Jahren, Moskito Spiele / Hans im Glück Verlag (1997), Vertrieb: Schmidt Spiele, Preis: ca. 80,- DM
© Martin Wehnert