Presseinformation
Ein Spiel, bei dem es tierisch abgeht.
Eine der großen Forderungen, die von Teilen der deutschen Spielekritik seit einiger Zeit wieder an die Spiele-Verlage herangetragen werden, lautet: "Macht mehr einfache, aber dennoch originelle und witzige Familienspiele!" - Da nun aber gerade die einfachen Dinge, wenn sie denn gleichzeitig auch wirklich gut sein sollen, am schwierigsten zu bekommen sind, freut sich der KOSMOS-Verlag umso mehr, daß Stefan Dorra ihm ein Spiel anvertraut hat, von dem sich Gelegenheitsspieler ebenso wie Vielspieler begeistern lassen werden.
Stefan Dorras neues Familienspiel basiert auf Szenen, wie wir sie täglich, ob in Wanne-Eickel, Lüdenscheid, Karlsruhe oder Weimar erleben: Eine sorgfältig aus roten, blauen, grünen, gelben und violetten Eimern errichtete Pyramide steht still und erhaben in der Gegend herum... und plötzlich kommt irgend so ein Schwein und schmeißt sie um. Es hätte aber auch ein Hammel, ein Gockel, ein Pferd oder ein Stier sein können - wobei der Stier natürlich nur auf die roten Eimer losgeht. Die Menschen sind verzweifelt, rufen nach "law and order", und es soll sich, da ja Wahljahr ist, auch schon eine Partei gefunden haben, die, für den Fall eines Wahlsieges, dafür sorgen will, daß jeder Deutsche, der künftig eine Eimerpyramide baut, dies in Frieden und Freiheit tun kann. Der österreichische Bundeskanzler Schüssel betonte schon vor drei Jahren, daß Eimer in Österreich noch nie etwas zu befürchten hatten; und das würde auch unter einer Regierung Schüssel so bleiben. - Stefan Dorra nun, Spiele-Erfinder und Pädagoge zugleich, meinte, es wäre schon viel gewonnen, wenn Deutschland wieder zu einem spielerischen Umgang mit Eimern zurückfände; daher sein Spiel "Alles Im Eimer".
Zu Beginn baut jeder der drei bis sechs Spieler eine Pyramide aus fünfzehn Eimern auf. Diese Eimer besitzen verschiedene (fünf) Farben (drei Eimer pro Farbe). Entsprechend den Eimerfarben gibt es verschiedenfarbige Karten mit unterschiedlichen Werten (1 - 8). Jede Kartenfarbe zeigt eine bestimmte Tierart (Gockel, Hammel, Schwein, Pferd und Stier). Wer am Zug ist, legt z.B. zwei rote Stier-Karten mit dem Gesamtwert "Fünf" aus. Der nächste Spieler muß nun seinerseits eine oder mehrere (maximal drei pro Zug) rote Stier-Karten auslegen, die in der Summe mindestens um einen Wert höher als Fünf liegen (nachziehen darf man übrigens immer nur eine Karte!). Dieses Spiel setzt sich rundherum fort, bis ein Spieler nicht mehr in der Lage ist, zu überbieten. Der betroffene Spieler muß dann einen Eimer der entsprechenden Farbe aus seiner Pyramide entfernen. Es wäre natürlich ein Riesenpech, wenn in solch einer tierisch prekären Situation nicht wenigstens ein roter Eimer möglichst weit oben auf der Pyramide stünde, also an einer Stelle, wo sein Fehlen nicht auch noch andere Eimer mit ins Trudeln bringt. Müsste nämlich ein Eimer entfernt werden, der sich in der Mitte der Pyramide befindet - oder gar noch weiter unten - dann verlieren selbstverständlich auch noch andere, darüber stehende Eimer das Gleichgewicht und fallen ebenfalls. - Gewonnen hat derjenige, der am Schluß die meisten Eimer noch in seiner Pyramide stehen hat.
Die im obigen Absatz beschriebenen Spielabläufe umschreiben im Prinzip auch schon die gesamte Spielregel. Daneben läßt "Alles im Eimer" aber reichlich Platz für taktische Raffinessen. Schon am Anfang, beim Aufbau der eigenen Eimerpyramide, zeigt sich der Könner. Jeder Spieler erhält ja zunächst zwölf Karten auf die Hand. Natürlich wird er die Eimer jener Farbe, von der er nur wenige, bzw. nur Karten mit niedrigen Werten besitzt, möglichst weit nach oben stellen, weil er sich ausrechnen kann, daß diese Eimer am ehesten zum Fallen verdammt sind. Auch dem Bluffen sind Tür und Tor geöffnet. Es kann z.B. durchaus sein, daß ein gewitzter Spieler sich mal einen weit oben stehenden Eimer "abschießen" läßt, obwohl er noch genügend Karten der entsprechenden Farbe gehabt hätte, um dieses "kleine Unglück" zu verhindern. Wird die gleiche Farbe dann von einem übelwollenden Spieler gleich noch mal angespielt, dann zeigt der vorher betroffene Spieler in dieser Farbe plötzlich doch noch ungeahnte Kräfte und die Eimerlawine bricht zur Verblüffung aller über einen anderen herein.
Die große Kunst bei "Alles im Eimer" besteht auf jeden Fall darin, sich möglichst immer dann geschlagen zu geben, wenn der Schaden, den man erleidet, relativ gering ist, und sich im übrigen die Kräfte, d.h. die Karten für jene Situationen aufzusparen, wo der Fall eines Eimers eine ganze Lawine purzelnder Eimer nach sich ziehen würde.
Alles im Eimer von Stefan Dorra, 3-6 Spieler ab 8 Jahren, Spieldauer ca. 20-30 Minuten, Kosmos (2002), Preis ca. 18 €
Fritz Gruber