Presseinformation
Italien am Ende der deutschen Kaiserherrschaft. Neben die Feudalstaaten treten im 15. Jahrhundert mehr und mehr die sog. "Signorien", Stadtherrschaften, Symbole eines gewachsenen bürgerlichen Selbstbewusstseins. Anders als im "finsteren Mittelalter" tritt man nun in Kunst und Kultur aus der Anonymität hervor, steht nicht mehr "demütig" hinter seinem Werk zurück, sondern stolz daneben. Humanistische Ideale von Kunst, Bildung und Lebensart werden auf den Schild gehoben, und die aufblühenden Städte im Italien der Renaissance treten untereinander in einen fruchtbaren Wettstreit um die aufsehenerregendsten architektonischen Meisterwerke, die besten Bildungsstätten und alles, was ansonsten noch der allgemeinen Lebensqualität dienlich und förderlich ist. Diesen Hintergrund wählte der Autor Gerd Fenchel für sein Spiele-Epos namens "La Città".
Die Spielfläche von "La Città" zeigt eine sanfte, in kleine Sechsecke gegliederte toskanische Hügelwelt. Noch ehe das Spiel aber richtig beginnt, wird diese Hügellandschaft sich in ein landwirtschaftliches Paradies verwandeln. Das Schicksal bestimmt von Spiel zu Spiel neu, wie die einem dreizackigen Stern ähnlichen Landwirtschaftsfelder auf dem Spielplan verteilt werden, wo sich Wasserquellen befinden und wo wertvoller Marmor lockt.
Sind alle Landschaftssegmente auf dem Spielplan verteilt, beginnen die Spieler bzw. die künftigen Stadtfürsten reihum, je zwei Kastelle zu bauen. Auf jedes Kastell werden 3 Bürgerfiguren ("Bürgereinheiten") gesetzt. Alle landwirtschaftlichen Felder, an die die Kastelle grenzen (es gibt pro Kastell maximal drei angrenzende Felder) dienen als ständige Nahrungsquelle für die Bürger eines Stadtfürsten. Grenzt ein Kastell u.a. an eine Wasserstelle, dann hat man die besten Voraussetzungen, hier später einen kräftig sprudelnden Brunnen zu bauen und damit eine große Stadtgemeinde entstehen zu lassen. Es reicht allerdings auch, wenn man sich erst später vom Kastell aus bis hin zum Wasser ausdehnt.

Ab jetzt entwickelt sich das Spiel nach folgenden Regeln: Der Startspieler greift zu einem Stapel mit verdeckten Karten, die Auskunft geben über die Stimmung im Volke. Drei dieser Karten werden verdeckt, eine offen ausgelegt. Am Ende der Runde werden die verdeckten Karten aufgedeckt und bestimmen zusammen mit der von vornherein offen liegenden, wonach den Bürgern der Städte gerade der Sinn steht: Kultur, Bildung oder Gesundheit.
Was aber können die Städte, die rund um die Kastelle im Laufe des Spiels heranwachsen, tun, um sich auf diesen Gebieten besonders auszuzeichnen? Das bringt uns zu den sog. "Aktionskarten". Jeder erhält pro Runde drei Stück davon. Mit ihnen kann man entweder ein einfaches Bauwerk Statue (Kultur), Klosterschule (Bildung) oder Brunnen (Gesundheit) - errichten, oder ein neues Kastell in die Landschaft stellen, oder einfach Gold kassieren. Zusätzlich bzw. alternativ zu den Aktionskarten können die Spieler auch aus einer Reihe von offenliegenden "Politikkarten" (es gibt "Politikkarten" mit besonderen Gebäuden und solche mit besonderen Aktionen) Zug um Zug eine Karte auswählen und diese sofort spielen. Maximal können pro Runde fünf Karten gespielt werden.
Alle Bauwerke sind auf kleinen sechseckigen Plättchen abgebildet. Diese Plättchen müssen immer an ein bestehendes eigenes Stadtgebiet angelegt werden. Der Wert der mittels einfacher Aktionskarten errichteten Gebäude ist immer "1". Höherwertige Gebäude (Universitäten, Badehäuser, Palazzi, Dome) kosten Gold und finden sich unter den Politikkarten. Durch das Anlegen der Gebäude-Plättchen kommen sich die Stadtgebiete der Spieler näher. Bald rücken einige so nahe zusammen, dass sie in Konkurrenz zueinander treten. Was das bedeutet, sehen wir, wenn wir einen Sprung ans Ende einer Runde machen.
Alle haben gebaut, was Karten und Gold hergaben, nun wartet jeder gespannt darauf, was Volkes Stimme sagt. Dazu werden die eingangs erwähnten Volksstimmenkarten nun vollständig aufgedeckt. Resultat: Der Mehrheit des Volkes ist nach Bildung. Städte, die nahe beieinander liegen, müssen nun die Abwanderung unzufriedener Bürger befürchten. Und zwar dann, wenn die eine Stadt weniger Schulen und Universitäten besitzt als die andere. Befindet sich in nächster Nähe noch eine weitere Stadt, die bildungsmäßig gerade nicht auf dem höchsten Stand ist, dann wandern auch von dort Bürger zur Konkurrenz ab. Durch derlei Zuwanderung kann eine Stadt ihre Bevölkerungszahl über das normale Maß hinaus vermehren (das "normale Maß" ist, dass jede Stadt pro Runde automatisch um eine Bürgereinheit wächst).
Wehren können sich die betroffenen Städte manchmal durch das Ausspielen bestimmter Politikkarten. Da gibt es z.B. eine, mit deren Hilfe man eigene Bürger kurzfristig doch in der Stadt hält, obwohl man eigentlich weniger als andere zu bieten hat. Eine andere Politikkarte wiederum beschert einer Stadt ausnahmsweise einen etwas größeren Zulauf an Bürgern. Warum aber soll man überhaupt bestrebt sein, möglichst viele Bürger in eigene Städte zu locken? Ganz einfach: Weil auf jedes Bauwerk, mit dem man seine Stadt vergrößert und verstärkt, ein Bürger gesetzt werden muß. Vertrackt ist nur, das all diese Bürger auch mit Lebensmitteln versorgt werden wollen. Also leben die Stadtfürsten mit dem ständigen Konflikt, ihre Aktionskarten nicht nur für prestigeträchtige Gebäude zu verwenden, sondern auch für Bauernhöfe; und diese sollten zudem auch noch auf möglichst fruchtbarer Erde errichtet werden das gilt es, bei der Ausdehnung der Stadtgrenzen zu berücksichtigen. Können am Ende einer Runde nicht alle Bürger einer Stadt ernährt werden, dann wandern die zu kurz gekommenen auf Nimmerwiedersehen aus. Unter Umständen kann dies sogar dazu führen, dass bestehende Gebäude verfallen.
Das Spiel endet nach sechs Runden. Jeder eigene Bürger bringt einen Punkt, dazu gibt es je drei Bonuspunkte für jede eigene Stadt, die aus den Bereichen Kultur, Bildung und Gesundheit mindestens je ein Gebäude besitzt. Der Fürst mit den meisten Punkten gewinnt.
La Città von Gerd Fenchel, 2-5 Spieler ab 12 Jahren, Spieldauer 60-150 Minuten, Kosmos (2000), Preis ca. 59 DM
Fritz Gruber
Hagen <hagenschulze@web.de> 07.08.2002 18:27:
Wahnsinns Ausstattung! Es macht schon Spaß seine Städte aufzubauen, einziger Nachteil dieser Stadtbausimulation ist, dass man seinen Gegenspielern nicht so richtig einen reinwürgen kann sondern das das Spiel wie ein ruhiger (schöner) Fluss dahindümpelt. Etwas mehr Spannung in den späteren Phasen hätte das ganze noch abgerundet. Ansonsten: Kann man zwischendurch gut spielen - vorm Kauf am besten irgendwo mal eine Runde probespielen.