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Aladin und Co. schlagen den Drachen ein Schnippchen und sichern sich die wertvollsten Artefakte
Lange bevor hierzulande die Sonne aufgeht, tricksen Aladin und seine Freunde die Drachen in ihren Höhlen aus, um sich dadurch wertvollen Schmuck zu sichern. Aber nicht nur Drachen stehen auf dem täglichen Abenteuerplan, sondern es winken auch lukrative Plätze in der Stadt. Und besonders hoch her geht es im Palast, wo wertvolle Artefakte auf diejenigen warten, die nicht nur reich sind sondern auch ihre Gegenspieler am besten über den Tisch ziehen können - falls sie den Wächter überlisten und man ihnen überhaupt Zutritt zum Palast gewährt. Möge Allah mit ihnen sein!
Der Spielplan von Morgenland ist dreigeteilt. Unterhalb der Stadt bewachen fünf Drachen ausgewählte Schätze in ihren Höhlen. In der Stadt selbst gibt es einen Basar, in dem man Schätze tauschen kann, oder man trifft sich mit Aladin, um wertvolle Zauberkarten zu bekommen. Aber auch andere spannende Orte warten auf Besucher. Und schließlich thront über allem der Palast, in dem die tapferen Söhne und Töchter Allahs um Artefakte feilschen.
Jeder Spieler führt eine Gruppe von acht aufrechten unterschiedlich starken Abenteurern, die jede Runde neu auf dem Spielplan verteilt werden. Dabei fallen bereits erste Voreinscheidungen, denn an vielen Orten erhalten nur die Stärksten etwas. Aber wenn Allah gnädig ist, kann manchmal sogar der Nachwuchs den großen Reibach machen.
Am wichtigsten ist natürlich der Palast, denn nur dort kann man die wertvollen Artefakte erwerben. Deren Anzahl entscheidet nicht nur über Sieg oder Niederlage, sondern ihre speziellen Eigenschaften können für so manche Überraschung sorgen.
Morgenland von Richard Breese, Grafik: Doris Matthäus, 3-5 Spieler ab 10 Jahren, Spieldauer ca. 60-90 Minuten, Hans im Glück (2000), Preis ca. 60 DM.
Volker Weitzel
Sönke Weidemann <soenke.weidemann@t-online.de> 28.09.2000 19:45
Für Bruno Faidutti (Ohne Furcht und Adel) ist Morgenland das herausragende Spiel des Jahrganges 2000 - und Recht hat er (IMHO)! Verständlich genug für Gelegenheistspieler bietet es eine Spieltiefe, die auch den Spielefreak nicht unterfordert. Die Spieldauer, mit 60-90min. angegeben, wobei 90 min. aber eher als Untergrenze anzusehen ist, ist angefüllt mit vielen verzwickten Entscheidungen, gelungenen Bluffs und hinterhältigen Fallen. Das Ganze ist garniert mit einem traumhaften Spielplan. Einzig der Aufbau der Spielregel ist ein doch etwas verunglückter Versuch, das Erfolgskonzept der Siedler von Catan zu kopieren.
Vom ersten Abenteurer-Plättchen an, das der Startspieler verdeckt auf den Plan ablegt, herrscht Interaktion pur: Da jeder Spieler immer nur einen Abenteurer zur Zeit ablegen kann, beeinflussen die Aktionen der Mitspieler augenblicklich mein Vorgehen. Will ich die nötigen Schätze erbeuten, mir das Recht sichern , als einziger auf dem Markt mein Edelsteinvorrat zu vergößern oder die Möglichkeit zum Zaubern aufrecht zu erhalten: so viele Möglichkeiten, so wenig Abenteurer!
Beim Einsetzen hat der hinten sitzende Spieler natürlich die besten Möglichkeiten zu reagieren. Dafür hat der Startspieler einen großen Vorteil: bei Pattsituationen, die öfter vorkommen, als man glaubt, ist er derjenige, der den Nutzen aus dem abzurechnenden Feld ziehen darf. Der Startspielerwechsel ist übrigens auf sehr elegante Art gelöst: In der Karawanserei muß mit der Stärke der Abenteurer um dieses Vorrecht geboten werden.
Ziel ist es, mit seinen Schätzen möglichst viele der im Palast liegenden Artefakt zu erhalten. Doch auch hier liegen Tücken verborgen: Oft genug ist man zwar mit seinen Abenteurern hier am stäksten vertreten, kann aber die nötige Schatzkombination nicht aufbringen! Ein einsamer, schwacher Abenteurer kann so lächelnd billig zu wertvollen Artefakten kommen.
Die Artefakte selbst können ebenso wie die Zaubersprüche das Spielgeschehen kräftig durcheinander wirbeln. Abenteurer verdoppeln sich oder wechseln mit anderen die Plätze, der Drache kehrt unvermutet zurück etc. Alles wirkt fein aufeinander abgestimmt, nichts ist nur aufgesetzt.
Ein Tip zum Schluß: Die Einsteiger-Spielregel sollte man getrost ignorieren und gleich mit der Profivariante beginnen. Viel Spaß!