Spielbesprechung
Rechtzeitig zur Fußball-Weltmeisterschaft kommt, ausgerechnet aus dem diesbezüglich gebeutelten Nachbarland, ein neues Brettspiel zum der Sportart, bei der alles darum geht, das Runde so oft wie möglich ins Eckige zu befördern. Doch mag der Ball auch rund sein, ein Spiel dauert hier mitnichten 90 Minuten, sondern nur 25, denn wir spielen, statt in großen Stadien, doch letztlich nur "Straatvoetbal" - niederländischen Straßenfußball. Höre ich da Stimmen, die auf "Ironie des Schicksals" plädieren?
Doch auch wenn einem ob dieser delikaten Thematik ein
leichtes Grinsen übers Gesicht huschen sollte, legen wir
dieses vorerst einmal ab und wenden uns dem Spiel zu.
Wie
bereits gesagt, wird bei "Street Soccer" Fußball in
einer seiner kompakteren Formen aufs Spielbrett umgesetzt,
dementsprechend gibt es hier Limitierungen. Zwei Spieler
treten mit aus je vier Feldspielern und einem Torwart
bestehenden Teams über 25 Runden gegeneinander an.
Nachdem der Anstoß ausgewürfelt wurde, geht's zur
Sache. Pro Wurf mit einem handelsüblichen Sechsseiter
darf man eine seiner Spielfiguren um die aktuelle Augenzahl
bewegen. Sollte diese, wie beim Fußball mitunter
wünschenswert, dabei dem Ball begegnen, wird letzterer
geschossen. Während sich die Figuren nur waagrecht oder
senkrecht auf dem in schickem Karogrün gehaltenen
Spielfeld bewegen dürfen, vermag der Ball sich durchaus
auch diagonal fortzubewegen, darf dafür jedoch maximal
einmal um 45 Grad abbiegen. Gelangt er dabei zu einer anderen
eigenen Figur, wird diese ihn mit Sicherheit
weiterschießen. Clou bei der Sache: pro Kontakt
zwischen Ball und eigener Spielfigur darf man einen Bonus von
1 auf den Würfelwurf addieren, so dass bei geschicktem
Passspiel schon mit moderaten Augenzahlen weite Strecken
zurückgelegt werden können.
Wie gehabt: das Runde muss ins Eckige
In alter Manier dient dieses Treiben natürlich dazu, Siegpunkte - hier mögen wir sie, dem Thema sei Dank, zur Abwechslung mal "Tore" nennen - zu ergattern. Nach Ablauf der 25 Runden, in denen jeder Spieler je einen Zug macht, können wir dann das Ergebnis ablesen und uns mehr oder minder zufrieden zurücklehnen. Es sei denn es herrscht Gleichstand, denn dem Gesetz der Straße folgend kann es hier immer nur Einen geben - und der wird in einer Verlängerung über weitere 10 Runden ermittelt. Reden wir nicht drumherum: "Sudden Death" in Form des "Golden Goal" bringt hier die Entscheidung; bleiben wir hier dennoch torlos, ist dem der Jubel gewiss, der in der regulären Spielzeit zuletzt "einnetzen" konnte.
Ein Partie "Street Soccer" ist somit, Verlängerung
ausgenommen, meist nach kurzweiligen 25 Minuten beendet und
spielt sich erfrischend zügig. Das Spielgeschehen, das
zu Beginn den Anschein macht, es sei doch von reichlich
Würfelglück abhängig, entpuppt sich nach vom
WM-Fieber genährter Spielpraxis als durchaus taktisch
geprägt. Im Rahmen normalen Würfelglücks
entscheidend ist das Stellungsspiel, was sowohl das
geschickte Decken des Balles, die gewählte Formation der
eigenen Figuren hinsichtlich des gewünschten Ergebnisses
als auch gekonntes Passspiel anbelangt. Zudem bringt der
Würfel, steht man denn nun endlich mal frei vor dem
gegnerischen Tor, genau die richtige Portion Adrenalin ins
Spiel: mach' ich das Ding nun rein oder stolpere ich
bloß fußkrank über das Leder? Auch sonst
ist's wie im richtigen Leben, gehe ich im Angriff aufs Ganze,
laufe ich Gefahr, mir Konter einzufangen und nur mit
Mühe wieder eine Abwehr aufzubauen - das Mittelfeld
wäre schon froh um etwas mehr eigene Trikots. Liege ich
kurz vor Schluss in Führung, heißt mitunter die
Devise Defensivspiel und aus diesem Grunde "alle Mann
zurück". Am besten fährt man bei ausgewogenem
Spielstand auf alle Fälle mit einem guten Mittelfeld,
denn nur so kann der Ball auch gut laufen. Hierbei kommt
einer Besonderheit des Straßenfußballs besondere
Bedeutung zu: nach einem Tor erfolgt ein Abstoß vom
besiegten Keeper aus, so dass man die eigene Hälfte
bezüglich genügend anspielbarer Figuren nie ganz
aus dem Blickfeld verlieren sollte.
Gelungener Spaß für Zwischendurch
Alles in allem präsentiert sich "Street Soccer" als ein feines Spiel für die gediegene Fußballbegeisterung zwischendurch. Schnell gespielt reizt es auch zur Revanche; die dem Spiel innewohnende Taktikkomponente in Verbindung mit dem Spannung erzeugenden Glücksfaktor erscheinen diesbezüglich in einem guten Verhältnis. Abgerundet wird das Ganze durch schönes Holzmaterial, das aufgrund seiner Größe auch haptisch überzeugen kann, sowie eine spieldienliche Illustration. Die Anleitung, in vier Sprachen beiliegend, ist im Großen und Ganzen eindeutig, lediglich in einigen Detailfragen etwas unsauber formuliert. Unterm Strich bleibt in Anbetracht der Aktualität und des durchaus vorhandenen Anspruchs des Spiels eine Empfehlung. Damit schafft es Holland dieses Jahr doch noch zur WM und wir, zumindest bei farblich passender Ausgabe des Spiels, das knackige Orange gerne auf unserem Spieltisch wieder.

Street Soccer von Corné van Moorsel mit Illustrationen von Christof Tisch. Für 2 Spieler ab 10 Jahren, Spieldauer ca. 25 Minuten. Erschienen bei Cwali (2002). Preis: 18 Euro für eine, 35 Euro für beide Ausgaben mit den Spielerfarben Blau/Orange bzw. Rot/Gelb. Bezugsquelle: Cwali, Einsteinstraat 4H, 6227 BX Maastricht (Niederlande). Tel.: +31 (433) 61 20 14. E-Mail: info@cwali.com, Website: www.cwali.com.
Roman Pelek, 11.06.2002