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Spielbesprechung

Tom Tube

Im Röhrenrausch
 

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Spricht man Autoren, die ihr Spiel im Eigenverlag veröffentlichen, auf die finanzielle Problematik eines solchen Unterfangens an, erhält man häufig überraschende Antworten. Roland Goslar, nebst Tobias Goslar einer der Autoren des bei "Kronberger Spiele" erschienenen "Tom Tube", kontert auf diesbezügliche Nachfrage so humorvoll wie trocken: das mit den Finanzen sei alles nicht so schlimm, schließlich habe er ein festes Einkommen in der Hinterhand, an dem sich die Gläubiger im Notfall gütlich tun könnten.

CoverBei "Tom Tube", einem thematisch im Weltraum angesiedelten Zweipersonenspiel, ergab sich zudem die Motivation zu dem gewagten Schritt wie von selbst durch die Probleme, das eigene Werk den renommierten Verlagen schmackhaft zu machen. Weltraumthema? Nein, so kann man schon mal gar nicht anfangen. Drei Stanzbögen, Holzmaterial und auch noch einen Spielplan? Um Gottes Willen - wer hat soviel Geld, wer soll das bezahlen? Wie, und dann noch eher abstrakt und nur für zwei Spieler ausgelegt? Das ist dreist, sehr dreist. So hagelte es für den ehemals "Major Tom" betitelten Zweier eine Absage nach der anderen, da es so gar nicht den aktuellen Wunschvorstellungen der Redakteure entspricht: wo Spiele des Jahres mit maximal zwei Stanzplättchen, drei Zeilen Regel und idealer Spielbarkeit mit 2 bis 6 Spielern gesucht werden, ist nicht viel Luft für dermaßen Unorthodoxes.

Major Tom, wir haben ein Problem

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Diese Umstände sorgten also dafür, dass sich auf dem Tisch letztlich ein "Tom Tube" einfindet, auf dessen Schachtel kein bekanntes Logo prangt. Nun denn, schauen wir mal, was dieser Eigenverlags-Tom so alles kann. Der Spielplan wird ausgebreitet, die Legeplättchen in Rautenform gemischt und daneben drapiert. Dazu gesellen sich diverse Steinchen. Jeder erhält seine Spielfigur, die er auf das Startfeld setzt, dazu gibt's einen Energiestein sowie neun dreiecke Plättchen gratis. Sobald sich die zwei Solarsteine je Farbe auf den Solarstationen des Spielplans eingefunden haben, dürfen wir beginnen.

Das Spielziel ist simpel: Tom und Dave, verkörpert durch die beiden Spieler, sind Astronauten, die danach trachten, möglichst schnell ihre zwei Solarsteine in die eigene Basis zu befördern und nebenher noch lukrative Sondersteinchen einzusammeln. SpielplanDer aktive Spieler hat dabei die Wahl zwischen zwei Aktionen: Entweder nimmt er sich eine der verdeckten Rauten und baut damit das Röhrensystem auf dem Spielplan aus oder er bewegt seinen Astronauten über selbiges. Beim Bau des Röhrensystems ist man natürlich darauf bedacht, möglichst kurze Wege von seiner Basis zu den eigenen Solarstationen zu bauen. Dabei ist zu beachten, dass man Röhren der eigenen Farbe oder zumindest die gestreiften neutralen benutzt - Röhren in der Farbe des Gegners dürfen nur nach Abgabe von entsprechenden Sondersteinen bereist werden. Sollten beim Legen von Rauten freie Dreiecke auf dem Spielplan gebildet werden, in die natürlich ohne mutwilligen Einsatz einer Schere keine handelsübliche Raute mehr hineinpasst, so werden diese mit Dreiecken aus dem eigenen Vorrat gefüllt.

Reist man hingegen mit seinem Astronauten, so geschieht dies von einer vollständigen Kugel - diese werden durch die Ecken der Rauten sukzessive gebildet - zu einer anderen. Wobei die Bewegung maximal so weit geht, bis man auf einen Sonderstein trifft oder die bereiste Röhre in einer Kugel abbiegt. Von den Sondersteinen können wir drei Arten treffen: den gewöhnlichen Energiestein, der bei manchen Rauten nach dem Legen derselben sofort platziert wird. Dieser bringt am Ende einen Siegpunkt und ermöglicht das Reisen von Kugel zu Kugel über die Kante einer Raute, ohne dass eine Röhrenverbindung benötigt wird. Exemplar Nummer zwei ist der Kontrollstein: ein solcher findet sich auf Kugeln, die das Ende einer Sackgasse bilden. Zwei Punkte gibt's hierfür, und wer ein solches Exemplar abgeben kann, darf im aktuellen Zug auch Röhren der gegnerischen Farbe benutzen. Das exotischste Gestein ist jedoch der Alien-Stein: zu finden auf isolierten Kugel ohne Anbindung an das Röhrennetz bringt ein solcher doch glatt fünf Punkte und im Notfall die Möglichkeit des Tauschs in mehrere andere Steinchen.

Gib Gas, ich will Spaß

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Mit diesem überschaubaren Regelwerk kann es also zur Sache gehen: Tom und Dave dürfen Gas geben und durch die Röhren flitzen. Dabei entpuppt sich das Spiel als relativ trickreich: Detaildie Rauten optimal anzulegen, ist gar nicht so einfach, wie man meinen mag. Zu Beginn irritiert die Form den Quadrate und Hexfelder gewohnten Spieler doch merklich und es braucht ein paar Partien, um die subtilen Kniffe des Spiels zu entdecken. Wird das Spiel anfänglich meist deutlich entschieden und mutet zunächst in der zweiten Hälfte wie ein Abzählen der Züge an, so gewinnt es doch mit jeder weiteren Partie merklich an Spannung. In gleichem Maße, wie die Entscheidungen knapper werden, wächst auch das Vergnügen an "Tom Tube". So entdeckt man sukzessive, wie man taktisch wertvolle Steine aufs Brett bringen und abgrasen oder den Gegner blockieren kann. Auch der Glücksfaktor beim verdeckten Ziehen der Rauten ist gar nicht so hoch, wie man zuerst vermuten mag. Durch die freie Platzierung ist jedes irgendwie sinnvoll zu nutzen - entweder zum eigenen Vorteil oder zum Schaden des Gegners. Ebenso ist die Wertung bei Spielende durchdacht: selbst wenn der andere schneller heimgekehrt ist, bedeutet das noch nicht automatisch den Sieg. Obwohl die Distanz des eigenen Raumfahrers zur Basis dem Gegner weitere Punkte einbringt, kann man ihn durch eingesammelte Sondersteinchen noch übertrumpfen. Und wenn man nicht aufpasst, endet das Spiel sogar vorzeitig, wenn keine Raute mehr gelegt werden oder einer der beiden Astronauten den Heimweg nicht mehr bewältigen kann.

Zurück bleibt angesichts der reizvollen taktischen Möglichkeiten ein sehr positiver Eindruck von "Tom Tube", das jedoch beileibe nicht nur spielerisch zu überzeugen weiß. Das Material ist üppig und professionell produziert, die Grafik genügt höchsten Ansprüchen. Die farbige Spielanleitung, sowohl in deutsch als auch in englisch beiliegend, ist klar strukturiert und vermittelt die zum Teil ungewöhnlichen Mechanismen dank gelungener Beispiele sehr gut. Ruft man sich nun ins Gedächtnis, dass der ganze Spaß gerade mal mit 15 Euro zu Buche schlägt, so lässt dies aus Käufersicht etliche aktuelle Veröffentlichungen renommierter Verlage reichlich alt aussehen. Bei soviel Professionalität wäre den Goslars zu wünschen, dass anstelle der Gläubiger die Käufer Schlange stehen.

Roman Pelek

Tom Tube von Roland und Tobias Goslar mit Illustrationen von Tobias Goslar. Für 2 Spieler ab 10 Jahren, Spieldauer ca. 30 Minuten. Erschienen 2003 bei Kronberger Spiele (www.kronberger-spiele.de). Preis: ca. 15 Euro für die Standardausgabe, 25 Euro für die (hier abgebildete) limitierte Auflage mit handbemalten Zinnfiguren.

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Weitere Infos über "Tom Tube":
despielbox.de deLuding enBoardgameGeek
deSpielefindex deGoogle
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Letzte Änderung: 16.04.2008 15:42 
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