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Big City

Für glückliche Stadtplaner

Haben Sie schon einmal gebaut? Was war denn schlimmer: Der Papierkrieg um die Baugenehmigung? Das Zusammenbekommen der Finanzierung? Oder der Ärger mit den Handwerkern? Wie muß das erst sein, wenn man als Stadtplaner den Bau einer kompletten Großstadt verantwortet?

Bei "Big City" ist das alles dann doch recht einfach. Acht Stadtteile mit jeweils acht bzw. neun Bauplätzen bilden die Stadt. Zu jeder Parzelle gibt es eine Karte. Die Stadtteile werden frei aneinandergelegt, so daß die City immer wieder andere Grundrisse hat.

Big CityZu Beginn sind aber noch nicht alle Stadtteile erschlossen und im Spiel. Die Spieler bekommen nun Grundstückkarten auf die Hand. Diese können ausgespielt oder umgetauscht werden. Beim Tausch und auch beim Nachziehen ist man nicht völlig dem Zufall ausgeliefert, denn die Karten sind in acht Stapeln nach den Stadtteilen sortiert, so daß gezielt für ein Viertel gesammelt werden kann.

Andererseits hat jeder auch nicht mehr als fünf bzw. sechs Karten zur Verfügung. Diese Karten erlauben es, auf den zugehörigen Grundstücken Gebäude zu errichten. Zunächst gibt es nur Wohnhäuser und Geschäftshäuser, die jeweils ein, zwei oder drei Felder einnehmen.

Je größer das Gebäude ist, umso mehr Punkte bringt es. Aber man braucht Glück, um die Karten für drei zusammenhängende Parzellen zu bekommen. Zusätzliche Punkte gibt es, wenn die Wohnungen am Stadtrand bzw. die Geschäfte in der Innenstadt liegen.

Entschließt sich jemand, das Rathaus zu bauen, entfaltet das Spiel erst seine vollen Möglichkeiten. Jetzt dürfen die übrigen Stadtteile angelegt werden, außerdem stehen jetzt eine ganze Reihe von Sonderbauten zur Verfügung.

Kirche, Post, Kino, Bank und Kaufhaus bekommen aber nur unter eng gezogenen Bedingungen die Baugenehmigung. So benötigt die Bank beispielsweise zwei benachbarte Geschäftshäuser, das Kino zwei Wohnhäuser. Besonders schwierig und wertvoll ist das Kaufhaus. Es muß zwischen einem Wohnhaus, einem Sonderbau und einem Geschäftshaus stehen und außerdem an der Straßenbahn liegen.

Top oder Flop?

Von der Tram war bislang noch nicht die Rede, denn auch die kann erst gebaut werden, nachdem das Rathaus steht. Nur eine Bahnlinie gibt es in "Big City", sie um zwei Felder zu verlängern, kostet einen Zug. Wer neben der Straßenbahn baut, bekommt den Punktwert verdoppelt.

So zieht man seine Karten, sammelt zusammenhängende Grundstücke und bereitet das Setzen wertvoller Gebäude vor, indem zuerst die notwendigen Nachbarhäuser gebaut werden.

Big CityAber so ein geduldiges Sammeln von Karten ist nicht ungefährlich, denn es gibt auch noch je zwei Parks und Fabriken. Mit der entsprechenden Karte setzt man diese an beliebiger Stelle auf den Plan. Die Karten der so belegten Parzellen sind jetzt wertlos. Zwischen zwei und vier Felder werden mit einem Schlag blockiert.

Außerdem beeinflussen Park (positiv) und Fabrik (negativ) auch noch Bauten, die man daneben setzt. Die Gefahr, daß eigene Kartenserien auf einmal wertlos sind, vor allem aber die Unsicherheit, welche Karten man zieht, führt meist dazu, daß sehr schnell gebaut wird. Ohne sich mittelfristig eine Infrastruktur aufzubauen, errichtet man schnell die kleinen Gebäude. Später kann dann aus Materialmangel kaum noch agiert werden.

Von meinen Mitspielern ist "Big City" daher auch sehr unterschiedlich bewertet worden. Bei fünf Leuten ist man dem Kartenglück zu sehr ausgeliefert, zu dritt oder viert ist es deutlich besser.

Es gab eine Partie, wo kein Spieler das Rathaus bauen wollte, weil es dafür keine Punkte gibt. So baute man zunächst nur die Wohn- und Geschäftshäuser, später konnten dann viele Sonderbauten nicht mehr gesetzt werden, weil die entsprechenden Nachbargebäude fehlten.

Spielehistoriker ziehen natürlich schnell eine direkte Linie von "Big City" zu seinen Vorgängern, denn das Angebot von Spielen zum Thema Städtebau beschränkt sich beileibe nicht auf "Monopoly". Auch wenn "Chinatown" (Ravensburger 1999) optisch einige Ähnlichkeiten hat, ist das Spielgeschehen doch ein ganz anderes.

Näher daran sind dann schon "Boom Town" (Livingstone 1990), "Downtown" (Abacus 1996) und vor allem "Metropolis" (Ravensburger 1984). Bei allen werden ebenfalls Bauten verschiedener Typen anhand von Karten errichtet und anhand ihrer Größe und Nachbarschaft bewertet.

Besonders "Metropolis" ähnelt "Big City", gibt dem Spieler aber mehr Kontrolle über das Geschehen. An dieser Ähnlichkeit ist nichts Ehrenrühriges, außerdem bieten sich aufgrund des Themas einige Spielmechanismen einfach an.

Die Gestaltung des Spiels sehe ich mit gemischten Gefühlen. Man braucht doch einen recht großen Tisch, denn darauf ist nicht nur die City zu bauen und die Kartenstapel abzulegen, sondern auch noch die "Kramerleiste" unterzubringen, auf der die Punkte markiert werden.

Tolles Material?

Darauf sieht man zwar, wer gerade führt, aber die Figuren haben bei Punktegleichstand nicht genügend Platz, dafür wird es auf dem Spieltisch recht eng.

Als Gebäude dienen kleine Modelle, die übersichtlich in Plastikeinsätzen stecken, aber sie müssen bei den ersten Partien mit Gewalt herausgefriemelt werden, so fest sitzen sie. Viele Spieler haben diese Einsätze einfach weggeworfen. Ich habe sie behalten und bekomme jetzt mit einiger Übung das ganze Material sogar wieder in die Schachtel.

Die Spielregel ist schön gestaltet und macht das Spielgeschehen gut verständlich. (Einen kleinen Fehler habe ich gefunden: es gibt nur zwei Kirchen im Spiel während die Regel drei aufführt.) Außerdem erhält jeder Spieler eine großformatige Übersicht, die das Spiel schon fast vollständig erklärt. So begreifen auch Gelegenheitsspieler schnell das Spielprinzip.

Ich erwähnte schon, daß es sehr unterschiedliche Meinungen zu dem Spiel gab. Mit drei oder vier Spielern gefällt es mir recht gut. Auch ist es schön, dem Wachsen der Stadt im Kleinen zuzusehen. "Big City" ist recht glücksbestimmt und sicher nicht für den ernsthaften Strategen geeignet. Aber als lockeres und zudem recht kurzes Spiel, das eine gesunde Mischung aus Glück und Taktik bietet, ist es für meinen Geschmack empfehlenswert.

Big City von Franz-Benno Delonge, Grafik: Franz Vohwinkel, 2-5 Spieler ab 10 Jahren, Spieldauer 60-90 Minuten, Goldsieber (1999), Preis ca. 60 DM.

Berthold Heß

spielbox Wertung (6 Kritiker)
Regeln Material Originalität Spielreiz
8-7-7-8-8-9 8-7-7-7-7-9 4-6-5-7-5-8 7-6-7-5-6-7
1 = schlechteste Note, 10 = beste Note

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