spielbox archiv heft 3/00

Millennium

Vom Puzzle zum Spiel

Vergessen, die Angst vor dem Computercrash, nur noch schwache Erinnerungen an die Silvesterfete, an Böller und Raketen. Im neuen Millennium sind wir schon seit Wochen drin, an die Zwei vor den drei Nullen haben wir uns gewöhnt, nur spielerisch gab's Entzugserscheinungen.

Die Spielebranche hat den Jahrtausendrummel relativ ungenutzt verstreichen lassen, gäbe es da nicht das 8000 Teile umfassende Millennium-Puzzle (Heye) des Karikaturisten Marino Degano, das die Firma Schmidt-Spiele zu einem Spiel aufgewertet hat.

SpielmaterialMit vielen Details und ironischen Anspielungen auf die Geschichte der letzten 2000 Jahre hat Degano auf einer Millennium-Spirale 200 historische Ereignisse den jeweiligen Dekaden von der Zeitenwende an zugeordnet. Der Berliner Spieleautor Thorsten Gimmler hat sich zu dieser Vorlage ein historisches Quizspiel einfallen lassen, das scheinbar locker daherkommt und kurzweiligen Spielspaß für zwei bis sechs Spieler verspricht.

Redaktionelle Bearbeitung hätte wahrscheinlich ausgereicht, denn die Autorenleistung in dem Spiel "Millennium" besteht letztlich nur darin, den "Memory"-Gedanken zu variieren.

Jeder Spieler versucht 10 Chips loszuwerden. Immer dann, wenn man ein historisches Ereignis nennen und es zeitlich richtig zuordnen kann, tritt dieser Fall ein. Zehn Jahrzehnte werden am Anfang mit Zahlenchips abgedeckt. Welche Ereignisse damit verbunden sind, wird stets vorgelesen.

Die Spieler würfeln dann mit einem zwölfseitigen Würfel ein Ereignis aus. Bei Werten von 1 bis 10 müssen sie Jahrzehnt und Ereignis richtig nennen. Vor allem die Angabe des Jahrzehnts verlangt echte Gehirnakrobatik, da die angrenzenden Zahlen gerade noch lesbar sind.

Bei richtigen Lösungen werden die Spieler einen ihrer Chips los und verschieben das Zahlenplättchen auf ein neues Jahrzehnt. Stimmen die Angaben nicht, wird als Gedächtnisstütze für alle das Ereignis noch einmal bekannt gegeben.

Die Sonderaktionen bei einer gewürfelten 11 oder 12 krönen die Autorenleistung. Bei einer 11 darf ein Spieler einen Chip auf ein beliebiges Zahlenplättchen ablegen und derjenige, der diese Zahl später würfelt, muss diesen Chip aufnehmen.

Die 12 bringt eine Herausforderung für den schlechtesten Spieler. Er wird aufgefordert, Jahrzehnt und Ereignis einer vorgegebenen Zahl zu nennen. Gelingt es ihm, darf er natürlich einen Chip ablegen. Klappt es nicht, und kennt der Herausforderer die richtige Lösung, wird dieser einen Chip los.

"Millennium" lebt von den Karikaturen Deganos, seine Sicht- und Darstellungsweise der letzten 200 Jahrzehnte sind ein Genuss. Dieser stellt sich in spielerischer Hinsicht aber überhaupt nicht ein. Dem hohen Aufforderungscharakter durch den Spielplan folgt ein, "müssen wir uns das noch länger antun?", während des Spielverlaufs.

Von Thorsten Gimmler sind wir anspruchsvollere Kost gewohnt (z.B. "Pool Position"), diese Auftragsarbeit ist mehr als flüchtig absolviert worden. An seiner Stelle hätte ich auf den Abdruck des Autorennamens verzichtet. Das "Millennium"-Spiel dürfte schon zum eigentlichen Beginn des 3. Jahrtausends, am 1.1.2001, vergessen sein.

Millennium von Torsten Gimmler, Grafik: Marino Degano, 2-6 Spieler ab 10 Jahren, Spieldauer ca. 20 Minuten, Schmidt (2000), Preis ca. 40 DM.

Wieland Herold

spielbox Wertung Kritiker in Reihenfolge: Herold - B.Heß - D.Heß - KMW - Knopf - Weigand
Regeln Material Design Spielreiz
5-7-7-7-8-8 6-7-7-7-8-9 8-7-7-8-9-9 2-3-3-5-3-5
1 = schlechteste Note, 10 = beste Note
[ Home ] [ Top ] [ Archivübersicht ]