Es gibt Spiele, da geht ein Kritiker zwiespältig ans Werk. Eigentlich würde er es nur zu gerne in der Luft zerreißen, weil..., andererseits hat es das Spiel vielleicht doch nicht verdient. "Stimmt so!" von Dirk Henn ist so ein Fall. Als es noch "Al Capone" hieß und in einer liebevoll selbstgebastelten Eigenauflage aus der db-Werkstatt an wenige Interessierte verschickt wurde, ja, da waren die meisten voll des Lobs.
Ein gutes Kartenspiel. Der Tenor damals: Wäre schön, wenn sich ein richtiger Verlag dahinterklemmen würde. Das genau hat nun mit Queen Games ein richtiger Verlag getan, und am Ende ist etwas herausgekommen, was nicht befriedigt - und das hat mit dem Spiel selbst nicht viel zu tun.
Das fängt schon beim Thema an. In "Al Capone" stritten Mafiabosse in vier Stadtvierteln um die größten Anteile an Geschäften (Waffenhandel, Wettbüro, Schnapsbrennerei etc.). Das Thema war zwar nicht besonders originell, aber durchaus stimmig. Queen hat dem Spiel ein neues Kleid verpaßt, und was für eines: "Tante Emma geht an die Börse" heißt es im Untertitel.
Unser betagtes Muttchen versucht sich also an den Börsen dieser Welt im Aktienkauf in Tokyo, New York, Moskau und Frankfurt, will dort möglichst viele Konzern-Anteile (Automobile, Computer, Airlines etc.) ihr eigen nennen. Originell soll das Ganze sein, albern wirkt es.
Was aber ärgert, ist die Tatsache, daß es der Queen-Verlag wie kaum ein anderer versteht, Spiele unnötig aufzumotzen, um damit auf einen viel zu teuren Preis zu kommen. Mit "Showmanager" hat es angefangen, mit "Stimmt so!" wird diese unsägliche Tradition weitergeführt. Mal ehrlich: Beide Spiele sind lupenreine Kartenspiele, denen ein Spielbrett verpaßt wurde, das vor allem zum Ablegen der Karten dient und bei "Stimmt so!" auch noch mit der Wertungsleiste versehen ist. Überflüssig wie ein Kropf ist das.
"Showmanager", ein tolles Spiel, verschimmelt in den Regalen von Ulmer Spielwarengeschäften, wie auch das geniale "Expedition", weil sie beide zwischen 60 und 70 Mark (!!!) kosten sollen. Unverschämt. Die Konsequenz daraus: Auf Queen-Spiele haben Ulmer Einkäufer in diesem Jahr ganz bewußt verzichtet, obwohl der Preis für "Stimmt so!" gegenüber "Showmanager" reduziert wurde. Das Spiel kostet "nur noch" 50 Mark - und das für nicht mehr und nicht weniger als 162 Spielkarten. Auch dieser Preis stimmt nicht.
Vergleiche hinken, aber vom Spielgefühl her erinnert "Stimmt so!" an Sid Sacksons "Venture" oder (neuer: "Die Bosse" ) und an Alan Moons "Reibach & Co". Und wir erinnern uns mit Wehmut, daß diese Kartenspiele für knapp 20 Mark angeboten wurden. Ein fairer Preis, obgleich andere Verlage ähnliche Kartenspiele auch schon für 10 bis 15 Mark im Programm haben. In Zeiten knapper Haushaltskassen, was die Spielebranche eigenem Bekunden nach deutlich spürt, sollten Verlage mit Preiskalkulationen höchst sensibel umgehen.
Doch nun zum Spiel selbst: Mit Geldkarten in unterschiedlichen Währungen (Dollar, Euro, Rubel und Yen) kaufen sich unsere Spieler in Tante Emmas Aktienpakete ein. An den vier Börsenplätzen (New York, Frankfurt, Moskau und Tokyo) gilt grundsätzlich, daß dort nur in die landestypischen Währung bezahlt werden kann.
Die sechs Tante-Emma-Konzerne bieten unterschiedlich wertvolle Aktien an, die zwischen zwei und 13 Millionen Mark teuer sind. Also: Vier Aktien liegen in den Finanzmetropolen aus, wer an der Reihe ist, kann zuschlagen und dafür eine oder alle fünf Geldkarten investieren, die jeder zu Spielbeginn erhalten hat. Gewechselt wird nicht, wer für eine acht Millionen teure Aktie zehn Millionen hergibt, verliert nicht nur zwei Millionen, sein Zug ist damit auch beendet.
Wer es aber passend hat, der darf noch eine Aktie kaufen. Stimmt auch dieser Preis, kann er sogar eine dritte und nach dem gleichen Muster auch die vierte und letzte offen ausliegende Aktie erstehen. Womit der ungewöhnliche Titel "Stimmt so!" Sinn macht.
Die Krux an der Sache ist, daß man nicht immer die passende Währung auf der Hand hat. Also heißt es Bargeld vermehren. Statt auf den Aktienmärkten zuzuschlagen, darf man auch eine neue Geldkarte nehmen, wovon ebenfalls stets vier auf dem Spielplan offen ausliegen. Auch dann ist der Zug beendet. Die freigewordenen Plätze (Geld- und Aktienkarten) werden danach von den unterschiedlichen Kartenstapeln aufgefüllt.
In den Stapel mit den Geldkarten wurden vor Spielbeginn nach strenger und genau beschriebener Vorgabe zwei Wertungskarten eingemischt. Sobald eine auftaucht, wird das Spiel unterbrochen. Jeder zählt, wieviele Anteile an den Konzernen (Aktienkarten) er besitzt, wobei deren Wert bedeutungslos ist. Bei der ersten Wertung wird nur derjenige mit Punkten belohnt, der am meisten Aktien gezählt hat. Gegebenenfalls ist Teilen angesagt, wenn es mehrere Spieler sind.
Bei der zweiten Wertung gibt es schon für die ersten beiden Plätze Punkte. Und am Ende des Spiels, wenn ein leeres Börsenfeld nicht mehr belegt werden kann, sahnen die ersten drei Aktionäre kräftig ab. Der Rest geht stets leer aus. Je mehr Aktien ein Konzern hat, um so mehr Punkte gibt es: am wenigsten wird im Unterhalts, am meisten im Bankgewerbe gescheffelt. Wessen Chip am Ende auf der Wertungsskala vorne liegt, der hat gewonnen.
Wirklich ehrlich: Das Spiel selbst macht Spaß, und rein regeltechnisch gesehen, hat sich gegenüber dem alten "Al Capone" nichts verändert. Es ist weiterhin eine sehr gesunde Mischung aus Glück und Kalkül. Viel hängt von den passenden oder nicht-passenden Geldkarten ab, die einer besitzt, und oft werden einem die dringend notwendigen Aktien- oder Geldkarten direkt vor der Nase weggeschnappt. Wie eingangs erwähnt, läßt andeutungsweise Sid Sacksons "Venture" grüßen.
Beispielhaft ist die von Knut Michael Wolf bearbeitete, gut gegliederte und reich illustrierte Regel. Nur schade, daß man die Aktienkarten nur sehr schwer unterscheiden kann, was den Spielfluß hemmt, weil jeder zweimal hinschauen muß. Hätte man die Aktienkarten doch nur farbig unterlegt, das Ganze wäre kein Problem gewesen.
"Stimmt so!" von Dirk Henn, Grafik: Reinhard Horst, 3-6 Spieler ab 10 Jahren, Spieldauer ca. 60 Minuten, Verlag: Queen Games (1998), Preis ca. 50 DM.
Edwin Ruschitzka
spielbox Wertung: Durchschnittswertung von 3 Kritikern
| Regeln | Material | Originalität | Spielreiz |
| 7,0 | 5,0 | 6,7 | 7,3 |
| 1 = schlechteste Note, 10 = beste Note | |||