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Tycoon

Um die Welt jetten

Ob‘s an seinem Job liegt? Der Mann, der einen vom Schachtelcover aus ins Visier nimmt, ist offenbar ziemlich grimmig. Vielleicht ist er auch nur gestreßt, denn sein halbes Leben verbringt er im Flugzeug. Gestern in New York, heute in Rio und übermorgen in Hong Kong. Die Geschäfte müssen schnell gehen, vor allem im Hotelgewerbe, und die Konkurrenz schläft auch nicht. Womit wir schon mitten im neuen Wirtschaftsspiel "Tycoon" wären.

TycoonEs geht darum, in neun Weltstädten Hotels und Fabriken zu bauen. Nicht genug damit, in jeder Stadt sollte man mehr solche Anlagen haben als die liebe Konkurrenz. Die Voraussetzungen am Anfang sind für alle gleich: Jeder bekommt insgesamt 18 Hotels, zwei Fabriken und ein Startkapital. In jeder der drei Phasen, in die eine Partie unterteilt ist, sollten möglichst alle sechs Hotels und beliebig viele Fabriken gebaut werden. Also muß vorausschauend geplant werden.

In die Städte gelangt man per Flugzeug, wozu man Flugtickets kaufen muß. Es gibt Linienflüge über eine bestimmte Distanz und in eine ganz genau festgelegte Stadt. Und es gibt Charterflüge von einer Stadt zur anderen. Acht solche Tickets liegen aus, sie können jedes Mal, wenn man an der Reihe ist, in beliebiger Anzahl gekauft werden. Dann kommen neue Tickets auf den Markt. Die Flugscheine werden nur einmal zum Fliegen eingesetzt, dann werden sie wieder abgegeben.

Teure Kredite

Auch der Bau von Hotels und Fabriken kostet Geld, also heißt es haushalten mit den immer zu knapp bemessenen Finanzmitteln. Und wem das Bare ausgegangen ist, der muß zurück zur Hausbank fliegen - das ist außerhalb des Spielplans - und dort Kredite aufnehmen. Die müssen allerdings teuer zurückbezahlt werden - wie im richtigen Leben eben.

Zwölf Hotel- und zwei Fabrik-Bauplätze sind in jeder Stadt vorhanden, wohin die kleinen Kunststoff-Figuren gestellt werden. Allerdings darf in einer Stadt nur bauen, wer dort mit seinem Flugzeug angekommen ist. Das Dilemma: In jeder Stadt gibt es nur zwei Landeplätze. Und wer dort zuerst ankommt, der darf die Hotels ein bißchen billiger bauen. Etwas teuerer wird es für den zweiten, der per Flugzeug in einer Stadt gelandet ist.

Wer seine sechs Hotels in der erste Phase des Spiels zuerst untergebracht hat, beendet den ersten Durchgang und löst eine Wertung aus. Zuerst wird geschaut, in wieviel Städten man überhaupt vertreten ist. Je mehr Städte es sind, um so mehr Geld wird ausbezahlt. Dann geht es um die Mehrheiten in den einzelnen Städten. Nur wer dort die meisten und die zweitmeisten Hotels besitzt, erhält einen Gewinn. Der Rest geht leer aus.

Gemeinheiten

Tycoon DetailAusgestattet mit neuem Baren, können vor dem nächsten Abschnitt die Schulden getilgt werden. Wer dies nicht will oder kann, verlängert seinen Kredit, muß ihn dann aber endgültig nach der nächsten Phase und dann mit noch viel höheren Zinsen zurückbezahlen. Das Spiel ist beendet, wenn der erste Spieler in der dritten Phase sein 18. Hotel gebaut hat. Die begonnene Runde wird noch zu Ende gespielt, und wer dann das meiste Geld gescheffelt hat, war der erfolgreichste Manager.

Ein paar Gemeinheiten haben die beiden Autoren Wolfgang Kramer und Horst-Rainer Rösner, bekannt vom "Siedler"-Club, in ihr "Tycoon" hineingepackt, die dem Spiel die richtige Würze geben: Das ist zum einen die Begrenzung der Landeplätze in jeder Stadt. Sind sie besetzt, geht für die anderen vorerst nichts mehr. Eventuell erworbene Tickets können nicht eingesetzt werden. Umplanen also.

Und die zweite Gemeinheit: Der Wert der einzelnen Hotels in den Städten ist am Anfang niedrig. Mit zunehmender Anzahl steigt er, um wieder zu fallen, falls zu viele Hotels in einer Stadt gebaut wurden. Und wer sein Hotel auf einen besonderen Bauplatz stellt, erzwingt die Schließung des zuerst gebauten Hotels. Es zählt an Zahltagen nicht mit, es sei denn, der Eigentümer reist dort hin und renoviert es, was kein Geld, aber wertvolle Zeit kostet.

Fesselnd

"Tycoon" ist endlich wieder ein recht anspruchsvolles Wirtschaftsspiel, was auch die Jury Spiel des Jahres erkannt hat. Es ziert heuer die Auswahlliste. Das Spiel dauert gut und gerne eineinhalb bis zwei Stunden, am Anfang sogar noch länger. Und seine taktischen Feinheiten hat man ohnehin erst nach mehreren Partien begriffen. Der Vorteil für diese Mühe: Das Spiel wird einen immer wieder fesseln. Ein guter Überblick, vor allem aber logistisches Geschick sind vonnöten.

Das Regelwerk ist mit neun eng beschriebenen Seiten und einigen - leider unvollständigen - Illustrationen recht ausführlich geraten. Inhaltliche Fragen bleiben nicht offen. Nur schade, daß die Ausstattung, trotz der 50 Mark, die das Spiel kostet, etwas "billig" daherkommt. Die Hotels sind lediglich ein paar Kunststoff-Kegel, die Spielkarten zudem von minderer Qualität. So ein anspruchsvolles Spiel hätte es verdient gehabt, in einem edleren Gewand zu erscheinen.

Edwin Ruschitzka

"Tycoon" von Wolfgang Kramer & Horst-Rainer Rösner, 2-4 Spieler ab 10 Jahren, Spieldauer 90-120 Minuten, Verlag: Jumbo (1998), Preis ca. 50 DM.

spielbox Wertung: Durchschnittswertung von 5 Kritikern
Regeln Material Originalität Spielreiz
6,8 6,6 7,2 7,4
1 = schlechteste Note, 10 = beste Note

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