Nürnberger Messenotizen

Spieleverlage im Dreierpack

Für einen Journalisten, der über neue Spiele berichten will, wird der Besuch der Nürnberger Spielwarenmesse immer einfacher: Mußte er früher Termine bei einer Vielzahl von Verlagen wahrnehmen, kann er sich heute auf einige wenige beschränken, weil immer mehr Verlage unter einem gemeinsamen Dach, das heißt, an einem gemeinsamen Messestand zu finden sind.

Schon seit geraumer Zeit sind Parker und MB bei Hasbro liiert. Doch erst mit der Vertriebspartnerschaft von Jumbo, Herder und Heye begann dann das "3-Marken-Phänomen" (daß Heye nur einen sehr kurzen Ausflug in die Spiele-Szene machte, ist eine andere Geschichte). Blatz, erst kurze Zeit mit einem eigenen Spiele-Label auf dem Markt, übernahm die Überreste von ASS und Schmidt. Kosmos übernahm Klee und reaktivierte das TM-Label. Ravensburger übernahm F.X.Schmid und... - ooops, allmählich gehen uns die Verlage aus! Macht nichts, dann gründen wir eben noch ein drittes Label und nennen es - FX!

Hinter diesem etwas verwirrenden Spiel mit Markennamen steckt bei den Ravensburgern ein neues Konzept. Der Name Ravensburger soll künftig (wie bisher) für Kinder- und Familienspiele sowie Spielserien mit pädagogischer Ausrichtung stehen (darunter fällt auch die THINK!-Serie). F.X.Schmid hat seine Wurzeln bei den Spielkarten und wird sich künftig auf diesen Bereich beschränken - analog zum ASS-Label bei Blatz. FX dagegen ist eine neue Marke in neuem Design für Erwachsenenspiele.

Dies alles ist wie gesagt ein Konzept. Und Konzepte brauchen ihre Zeit bis zur Realisierung. Im Jahr 2000 soll es soweit sein. Bis dahin ist ein wenig Verwirrung angesagt. F.X.Schmid-Spiele wandern zu Ravensburger und umgekehrt. Manches, was als Neuheit im Katalog steht, hat nur einen anderen Markennamen erhalten (die Ravensburger Kartenspielserie bei dieser Gelegenheit auch leider die größere F.X.Schmid-Schachtel und einen entsprechend höheren Verkaufspreis). Und die meisten der echten F.X.Schmid-Neuheiten kommen noch im vertrauten Design, während das neue FX-Label (ohne Punkte hinter F und X) edler gestylt ist. Ob das die Spielekäufer anspricht, wird die Zukunft zeigen.

Etwas bodenständiger geht's bei Blatz zu. Hier bleiben von den drei Markennamen nur zwei übrig. Die Hausmarke Blatz wird aufgegeben. Der neue Katalog trägt den Markennamen Schmidt, unter dem künftig alle Spiele angeboten werden. Das ASS-Label steht künftig nur noch für Spielkarten. Natürlich gibt's auch hier eine Übergangszeit, die sich aber allein daraus ergibt, daß noch Lagerbestände an ASS- und Blatz-Gesellschaftsspielen vorhanden sind, die noch verkauft werden müssen. Ein wenig fragwürdig allerdings ist die Einordnung der Spiele von Hans im Glück geraten, die ebenfalls von Blatz-Schmidt vertrieben und im Katalog durchweg als Familienspiele kategorisiert werden. Den "Familienspielen" Die Macher und Euphrat & Tigris stehen wenige Seiten später die "Erwachsenenspiele" Bingo und Kniffel gegenüber. Das ist dann doch eine recht eigenwillige Einschätzung.

Vergleichsweise simpel gestrickt ist die Situation bei Kosmos. Obwohl beide Verlage vom selben Redaktionsteam betreut werden, gibt's (zur Zeit jedenfalls) getrennte Programme und getrennte Kataloge. Damit stellt sich die Frage nach Abgrenzungen und Programmphilosophien gar nicht erst. Allein die Wiederauferstehung der TM-Spiele als eigenständiges Spiele-Label zeichnet ein Fragezeichen auf des Beobachters Stirn. TM will unter seinem Label Spiele auf den Markt bringen, "die, obwohl gut und wert, veröffentlicht zu werden, nur schwer oder gar nicht in die Programm-Politik herkömmlicher Spiele-Verlage passen". Welche Rolle das TM-Label im Kosmos-Katalog spielen wird, bleibt abzuwarten. Es wird sich jedenfalls nicht, wie dies nach der Neuauflage von Minister vermutet werden könnte, darauf beschränken, Remakes von Spiele-Highlights aus der Vergangenheit zu produzieren.

Da war doch noch was....?

Nach jedem Messebesuch passiert das Gleiche. Wieder zu Hause, beim Sichten von einigen Kilo Papier, fällt es dem Berichterstatter wie Schuppen aus den Haaren: Er hat wieder einmal ein paar Spiele übersehen. In diesem Jahr waren es unter anderem die Spiele von Simba. Sie finden sie (bis jetzt) nur in unserer tabellarischen Übersicht aller Neuerscheinungen. Warum Simba neben seiner Hausmarke Goldsieber ein zweites Spiele-Label auf den Markt wirft? Über die Gründe könnten wir mangels Informationen jetzt nur spekulieren. Wir werden zu gegebener Zeit darüber berichten.

-KMW

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